Schauspielerin Lisa Riesner mit dänischen Flaggen bei den Aufnahmen im Fellbacher Stadtmuseum Foto: Peter Hartung (cf)

Die Schauspielerin Lisa Riesner aus Fellbach spricht in einem Video für den Europäischen Kultursommer über ihre vier Jahre in dem skandinavischen Land.

Im Rahmen des an diesem Samstag startenden Europäischen Kultursommers über die drei nordischen Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden beschäftigt sich das Stadtmuseum Fellbach (Rems-Murr-Kreis) mit dem weltbekannten Design aus Dänemark. Doch grau ist bekanntlich alle Theorie – lebendiger wird eine solche Ausstellung durch die Praxis, beispielsweise in Form glaubwürdiger Schilderungen eines Menschen, der selbst schon in Dänemark lebt oder gelebt hat. Doch die Suche nach einem kompetenten Begleiter aus dem Großraum Stuttgart für ein solches Projekt gestaltete sich komplizierter als gedacht, wie die Museumsleiterin Ursula Teutrine berichtet.

 

Teutrines bereits im vergangenen Jahr gestartete Suche nach einem eloquenten Protagonisten blieb zunächst einmal vergeblich. Einmal, in Esslingen, hörte sie in der dortigen Fußgängerzone sogar jemanden Dänisch sprechen – doch der Däne war nur als Tourist da und nicht längerfristig greifbar.

Fellbacher Hauptdarstellerin in dänischem Film

Doch in solchen Fällen hilft auch schon mal die Lektüre der Tageszeitung. So hat unsere Redaktion im Januar 2026 einen Bericht über den jüngsten Erfolg der aus Fellbach-Oeffingen stammenden Schauspielerin Lisa Riesner veröffentlicht. Als Hauptdarstellerin in dem dänischen Drama „Moder“ hatte sie es in der Kurzfilm-Kategorie in die Vorauswahl für die Oscars geschafft. Zudem lebte sie seinerzeit noch in Dänemark. Der Fellbacher Fotograf Peter Hartung las den Artikel und gab der Museumsleiterin den Tipp, dass die Akteurin die Lösung für die erhoffte Bestbesetzung sein könnte.

Das war sie tatsächlich, wobei noch eine weitere glückliche Fügung eine Rolle spielte. Denn Lisa Riesners Mutter ist auch Aufseherin in der Galerie der Stadt Fellbach und deshalb im Kulturamt bekannt, zu dem auch das Stadtmuseum gehört. Über den kurzen mütterlichen Draht war somit der Kontakt zur Schauspielerin schnell hergestellt.

Im März, während eines Heimatbesuchs, entstand im Stadtmuseum inmitten der noch etwas spärlich vorhandenen Kulisse mit dänischen Design-Stühlen der etwa eine Viertelstunde dauernde Videofilm. Gemeinsam hatten Hartung und Riesner zuvor das Drehbuch mit Fragen und Antworten besprochen, und als Schauspielerin war es für sie kein Problem, alles perfekt umzusetzen.

Dieses Dänemark-Filmprojekt, erläutert Lisa Riesner gegenüber unserer Redaktion, bedeute ihr sehr viel, „weil ich ja vier Jahre in meiner Wahlheimat Dänemark gelebt habe. Das war eine wunderschöne Zeit, und ich bin auch oft wieder dort, um zu arbeiten und Freunde zu sehen, und Dänemark hat natürlich meine Karriere als Schauspielerin vorangetrieben“. Der größte Gewinn dieser Dänemark-Reise war, dass das dänische Kurzfilm-Projekt „Moder/Mother“ in die erste Runde der Oscars gelangte.

Riesner: „Dänemark ist ein Stück weit mein Zuhause, meine Heimat, weil ich mich dort auskenne, mich wohlfühle, aber ich eben auch den Blick einer Ausländerin oder Deutschen habe, mich bei den möglichen Tücken auskenne oder weiß, was es für schwierige Momente geben kann, wenn man sich mit der dänischen Kultur auseinandersetzt und dass ich die gut spiegeln kann.“

In dem Video-Interview habe sie ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven komplett einbringen können – und die Eingangssequenzen formulierte sie allesamt auf Dänisch, „was ich natürlich mit meinem Dänisch-Lehrer zuvor abgesprochen habe, damit sich das dann auch richtig gut anhört“. Da wollte sie „wirklich nichts dem Zufall überlassen“, sagt sie schmunzelnd.

Lisa Riesner bei einer Drehpause im Fellbacher Stadtmuseum. Foto: Peter Hartung (cf)

Und ein Gedanke kam tatsächlich vom Dänisch-Lehrer: „Das hat er so mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht halb als Witz, halb als Wahrheit gesagt, dass die Deutschen den Dänen die Sommerhäuser wegkaufen, was ich sehr lustig fand und in dem Film unbedingt erwähnen wollte.“

Aktuell steht ein Casting für Hollywood an

Insgesamt empfindet sie das Video-Interview als sehr hochwertig. „Und für mich ist es natürlich total berührend, etwas in meiner Heimatstadt zu machen, wo ich aufgewachsen bin und meine Erfahrungen, die ich in der Welt jetzt gemacht habe, dann wieder zurückbringen kann. Es schließt sich so ein Kreis, und das hat etwas ganz Emotionales für mich.“

Sie hoffe, dass die Stadt Fellbach noch viele solcher Projekte umsetze „und diese Leute findet, die rausgehen in die Welt und dann als Fellbacher, Schmidener oder Oeffinger über ihre Erlebnisse berichten können“. Und: „Meine Eltern sind natürlich auch extrem stolz.“

Ganz aktuell absolviert Lisa Riesner bezüglich ihrer Karriere ein großes Hollywood-Casting „mit A-Listern – dazu darf ich natürlich nichts sagen wegen Disclosure, Diskretion und all dem. Aber das wären dann über zehn Drehtage für ein Hollywood-Projekt in zwei Sprachen, und da liegt gerade komplett mein Fokus drauf.“

Und ansonsten hat sie gerade in Belgien, in Gent, fürs ZDF einen Weihnachtsfilm abgedreht. Titel: „Zwei an Weihnachten“. In der Rolle der Lucy spielt sie an der Seite des bekannten Berliner Schauspielers Merlin Rose. „Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn der Film an Weihnachten zu sehen ist. Da können alle gerne einschalten.“

Lisa Riesner spielt in ZDF-Weihnachtsfilm mit

Mitte Mai geht Lisa Riesner zum mittlerweile vierten Mal auf das Filmfestival in Cannes und arbeitet überdies an zwei eigenen dänischen Projekten. Eins wird in einem Sommerhaus gefilmt werden und eins wahrscheinlich in einem Krankenhaus oder mit Krankenhausszenario, beides in Dänemark, „um eben weiter den dänischen Markt zu erobern“. Und zudem hofft sie auf weitere deutsche Projekte.

Vor Cannes steht jedoch ein mindestens genauso wichtiger Termin an: Denn zur Präsentation des Films bei der Eröffnung der Ausstellung „Einfach gut“ über dänisches Design kommt sie persönlich nach Fellbach. Wer die sympathische 34-jährige Oeffingerin also persönlich erleben möchte, ist an diesem Sonntag, 10. Mai, um 15 Uhr im Stadtmuseum, Hintere Straße 26, an der richtigen Stelle. Das Video ist ansonsten bis zum 11. Oktober in der Ausstellung zu sehen.