Eine Rockgruppe wie Die Ärzte, hier deren Konzertbesucher im Jahr 2013, wird im kommenden Jahr nicht nach Bietigheim kommen. Foto: Timo Deiner

Weil es im Jahr insgesamt zu viele Kulturveranstaltungen gibt, will die Stadt das Programm eindampfen – wenn da nicht im neuen Jahr das Luther-Jahr wäre.

Bietigheim-Bissingen - Die Stadt Bietigheim-Bissingen möchte die Anzahl der städtischen Kulturveranstaltungen herunterfahren. „Wir sind an eine Grenze gekommen, an der man herunterschrauben muss“, kommentiert der Kulturamtsleiter Stefan Benning die Pläne. In Anbetracht einer immer noch guten Finanzlage der Stadt und eines Kulturbudgets von 420 000 Euro ist es nicht der Sparzwang, der den Einschnitt erforderlich macht. Vielmehr sind es laut Benning rückläufige Besucherzahlen, eben weil es insgesamt mittlerweile zu viele Kulturevents gebe.

So wurden im auslaufenden Jahr 75 Veranstaltungen vom Kulturamt organisiert. Rechnet man noch die Veranstaltungen der Otto-Rombach-Bücherei, der Städtischen Galerie sowie des Hornmoldhauses dazu, kommt man laut Benning im Schnitt auf eine kulturelle Veranstaltung von städtischen Einrichtungen pro Tag.

60 Veranstaltungen rund um Martin Luther

Nun soll also das Programm abgespeckt werden. Das gelingt jedoch nicht, weil im kommenden Jahr 500 Jahre Reformation gefeiert wird. 15 gestrichenen sogenannten freien Veranstaltungen, die nicht über das übliche Kultur-Abo-Modell besucht werden können, stehen im neuen Jahr 60 Veranstaltungen rund um Martin Luther gegenüber. Das 50-seitige Programm wurde zwei Jahre vorbereitet in Zusammenarbeit von Kirchen, Stadt, Vereinen und gesellschaftlichen Gruppen.

Aus kirchlicher Sicht hat das Luther-Jahr bereits begonnen. Zu Beginn des Kirchenjahrs am ersten Advent wurde ein besonderer Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche in Bietigheim gefeiert. Die Stadt legt am 29. Januar mit ihrer eigenen Eröffnung nach: Im Kronenzentrum gibt es in Kooperation mit dem Geschichtsverein ein Laientheater rund um den streitbaren Mönch aus Eisenach.

Ein Höhepunkt ist laut Stefan Benning ein Festkonzert am 14. Mai, wo verschiedene Chöre und das Orchester der Musikschule ein Reformationskonzert in der Halle am Viadukt geben werden. Ein weiterer sei ein gemeinsamer Gottesdienst aller evangelischen Kirchen der Stadt am 16. Juli auf dem Marktplatz. Die zentrale Bühne, die zwei Tage zuvor noch als Plattform für das Sommer-Musikfestival „Best of Music“ dient, wird dann quasi zu einer Freiluftkirche umfunktioniert.

„Monsters of Rock“ fällt aus

Durch das Luther-Jahr kommt auch der Rhythmus einiger längst etablierter Konzerte und Festivals durcheinander: Die Kulturnacht „Bietigheim XXL“, traditionell alle zwei Jahre Ende September, wird auf das Jahr 2018 verschoben. Auch das Sommertheater im Rathaushof wird es 2017 nicht geben. Die Stadt überlegt, den Turnus dieser Veranstaltungen auf drei statt wie bisher zwei Jahre umzustellen.

Ebenso fällt das jährlich veranstaltete Rock-Konzert beim Viadukt aus, bei dem in den vergangenen Jahren Größen wie Die Ärzte, Avicii oder der Gitarrist von Deep Purple, Ritchie Blackmore auf dem Festplatz gespielt haben. 2016 wurde daraus sogar eine eigene Reihe unter dem Namen „Monsters of Rock“ geschaffen. Der ursprünglich jährlich geplante Turnus fällt nun gleich beim zweiten Mal aus. Das liegt laut Benning aber nicht an Martin Luther, sondern daran, dass die Rock-Band, die im Gespräch für 2017 war, wegen anderer Verpflichtungen erst Ende August Zeit gehabt hätte. Das wäre der Stadt aber zeitlich zu nahe am Pferdemarkt gewesen. 2018 soll die Konzertreihe allerdings fortgesetzt werden. Benning hierzu: „Es schadet nicht, wenn man auch mal ein Jahr durchschnauft.“

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