Hopp oder top? Wenn der Kulturförderkreis Leinfelden keinen neuen Vorstand findet, droht die Auflösung. Schon geraume Zeit besteht der Verein nur noch auf dem Papier.
So viele Anekdoten. Rudi Knupfer weiß beispielsweise noch, wie der Andrang beim Kaffeetreff derart groß war, dass er noch während der Veranstaltung weitere Kuchen backen musste. Otto Baumann wiederum erinnert sich breit lächelnd ans Brustripple-Essen oder den Bürgertreff, da sei das Leinfelder Haus mit Hunderten Besuchern stets bestens besucht gewesen. Ja, an die diversen Veranstaltungen des Kulturförderkreises Leinfelden denken die beiden Männer gern zurück, an die Ausflüge und Ausstellungen, an Vorträge und vieles mehr. Seit Anfang der 90er Jahre besteht der Verein, wie das Duo berichtet. Er sei gegründet worden, um – das sagt schon der Name – die Kultur zu unterstützen und so den Ort zu beleben. „Um das Leinfelder Haus mit Leben zu befüllen“, sagt Rudi Knupfer. Auf gut und gerne 100 Mitglieder sei man zu Hochzeiten gekommen. „Das Gesellschaftliche war ganz wichtig“, sagt Otto Baumann, der Kassierer im Club.
Wenn der 75-Jährige vom Kulturförderkreis erzählt, rutscht er unwillkürlich in die Vergangenheitsform. Als sei der Verein Geschichte. Ein bisschen stimmt das auch. Aktuell ruhen die Aktivitäten. Nach Corona sei nichts mehr angelaufen. Selbst die Homepage habe man aus Kostengründen abgeschaltet. Schon geraume Zeit besteht der Verein nur noch auf dem Papier. Rudi Knupfer wird im Vereinsregister als Vorsitzender geführt, faktisch ist er es aber gar nicht, wie er sagt. Ja, ehemals sei er der stellvertretende Vorsitzende gewesen, „das war nur interimsweise gedacht“, doch noch vor dem Start der Pandemie habe er sich nicht mehr zur Wahl gestellt. „Ich bin damals aus dem Verein ausgetreten. Ich habe ein Protokoll“, sagt Rudi Knupfer. Seinerzeit sei Claudia Moosmann zur Vorsitzenden gewählt worden. Doch die Kommunalpolitikerin ist Mitte 2022 gestorben – und zuvor habe es keine Korrektur im Vereinsregister gegeben. Will heißen: Offiziell gilt der 64-Jährige als Kopf eines Vereins, dem er längst nicht mehr angehört.
Bleiben kann die skurrile Situation so nicht. „Wir wollen es korrekt machen“, sagt Otto Baumann. Gleichwohl möchte vor allem Rudi Knupfer dem Kulturförderkreis nicht den Todesstoß versetzen, denn sobald er bei den entsprechenden Stellen deutlich macht, dass er gar nicht mehr Vorsitzender ist, droht dem Verein womöglich das Aus. Beide Männer wollen das nach Möglichkeit vermeiden, andererseits stehen sie aktuell in einer Sackgasse. „Wir sind davor zu kapitulieren. Ohne Vorstand können wir nicht weitermachen“, sagt Otto Baumann.
Potenzial ist vorhanden. Otto Baumann zumindest betont, Kassierer bleiben zu wollen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, wir hätten sogar drei Leute, die gern Ausstellungen machen würden“, erzählt er. Er bietet sich unter seiner Telefonnummer 07 11 / 7 58 50 83 als Ansprechpartner für mögliche neue Vorstandsmitglieder an. Und wenn sich niemand findet? Dann will Rudi Knupfer für den Mai oder den Juni eine Mitgliederversammlung einberufen, über die Zwänge informieren – und danach im Zweifelsfall die Auflösung des Kulturförderkreises Leinfelden in die Wege leiten. „So kann es nicht weitergehen“, sagt Otto Baumann abermals und schüttelt den Kopf. Rudi Knupfer jedoch betont: „Ich habe die Hoffnung, dass man auf den letzten Drücker noch jemanden findet.“