Beim Realisierungswettbewerb Haus für Film und Medien Stuttgart gewann dieser Entwurf 2022 den ersten Preis. Foto: Delugan Meissl Associated Architects, und Wenzel+Wenzel Freie Architekten

Die Mehrheit des Gemeinderats steht hinter dem Projekt auf dem Gelände des Breuniger-Parkhauses in Stuttgart – obwohl die Kosten auf bis zu 115 Millionen Euro steigen könnten.

Der Stuttgarter Gemeinderat soll am 16. Mai den Projektbeschluss für das Haus für Film und Medien an der Hauptstätter Straße (B 14) fassen. Die Mehrheit gilt als sicher. Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU), der mit dem Hinweis auf eine zumindest aus seiner Sicht „faszinierende Architektur“, die das teils über der Bundesstraße schwebende Filmhaus zu einem „echten Anziehungspunkt“ machen dürfte, hat nun um Zustimmung zum weiteren Vorgehen gebeten. Das Filmhaus soll in der Form eines städtischen Eigenbetriebs geführt werden, sagte er am vergangenen Freitag bei der Vorberatung im Wirtschaftsausschuss, wo die Entwicklung der Bau- und späteren Betriebskosten thematisiert und das Vorhaben einstimmig gebilligt wurde.

 

Baustart soll 2026 erfolgen

Der endgültige Baubeschluss soll nächstes Jahr gefasst werden, der Hochbaustart ist für Anfang 2026 vorgesehen. Mittlerweile wird das Projekt auf der Fläche des Breuninger-Parkhauses mit 88,6 Millionen Euro veranschlagt, die sich bis zur voraussichtlichen Fertigstellung 2029 – und damit mehr als 20 Jahre nach der Schließung des Kommunalen Kinos – nach aktuellem Stand auf 115 Millionen Euro erhöhen könnten. Gegenüber der Grobkostenannahme (59 Millionen Euro) vom Februar 2022 haben sich erhebliche Kostensteigerungen ergeben. Größter Posten mit 13,7 Millionen Euro sind die „entwurfsbedingten Projektparameter des Siegerentwurfs des Wettbewerbs“. Mayer sagt, es handele sich um eines der komplexesten Vorhaben in dieser Stadt. So vorteilhaft der Standort für den Betrieb, so nachteilig seien die Rahmenbedingungen, vor allem unter der Erde mit Fernwärmeleitungen, Wasserspeicher und Unterführung. Auch die Verkehrslage zwischen der B 14 und der Esslinger Straße ist schwierig.

Finanzbürgermeister warnt

Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) sieht allerdings „die sich abzeichnenden finanziellen Belastungen kritisch“. Er rechnet mit einem „hochdefizitären Betrieb“. Die grob geschätzten Folgekosten summierten sich bereits auf mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr. Diese müssten dauerhaft erwirtschaftet werden. Darin sind allerdings sich nicht auf die Liquidität der Stadt niederschlagende fünf Millionen Euro an kalkulatorischen Zinsen und Abschreibung enthalten.

Fuhrmann verweist in seiner Stellungnahme auch auf weitere vom Gemeinderat eingepreiste und geplante Kulturbauten, die die Stadt „an die Grenze der Leistungsfähigkeit“ bringen würden. Er denkt dabei an die Sanierung der Oper und der Villa Berg, den Neubau der Schleyerhalle, ein Konzertforum, die Sanierung des Gustav-Siegle-Hauses und das Vorhaben einer Philharmonie auf dem Stuttgart-21-Gelände. Nicht zuletzt deshalb dränge sich die Notwendigkeit auf, die Leistungen einzuschränken und die freiwilligen Aufgaben zu hinterfragen.

Konzertforum soll schnell beschlossen werden

CDU-Stadträtin Nicole Porsch hat in diesem Zusammenhang wieder eine Prioritätenliste für diese Kulturbauten gefordert – um für das Konzertforum als neue Heimstat der Stuttgarter Philharmoniker in Bad Cannstatt einen fraktionsübergreifenden Antrag zu initiieren, in dem noch vor der Kommunalwahl am 9. Juni eine Grundsatzentscheidung gefordert werden soll.

Bürgermeister Mayer betonte, das Haus für Film und Medien werde „keine Neuauflage des Kommunalen Kinos werden und auch kein Museum“. Die beiden Kinosäle seien „nicht das Wichtigste“. In der Vorlage heißt es, das Haus solle sich „als eine zentrale Kultur-, Begegnungs- und Bildungseinrichtung mit einem medienpädagogisch und kulturell hochwertigen Programm etablieren“. Vorgesehen sei eine „aktive Auseinandersetzung mit audiovisuellen Themen und dem Bewegtbild in all seinen Formen“.

Viel mehr als nur ein kommunales Kino

Für die Vermittlung und Bildung stehen neben Workshop-Räumen Studios von der Erprobung bis zur Produktion für Film- und Gameworkshops, Projektwochen sowie Filmarbeit für Schulen und Jugendarbeit bereit. Ein „MakerSpace“ ergänze dieses Angebot. Hier sollen die Erstellung und Bearbeitung verschiedener digitaler Formate, das Erstellen von Kulissen und Requisiten, die Vorbereitung von Filmaufnahmen, Programmierung, 3-D-Modelling und -Druck, Game-Entwicklung und die Produktion von Podcasts möglich sein.

Der geplante Neubau würde an das Fernwärmenetz der EnBW angeschlossen. Da sich die Stadt verpflichtet hat, klimaneutral zu bauen, die Nutzung von Geothermie aber wegen der Lage im Heilquellenschutzgebiet nicht möglich ist, verweist sie darauf, Fernwärme würde „in absehbarer Zeit“ klimaneutral hergestellt. Wegen der geringen verfügbaren Flächen für Photovoltaik im Verhältnis zur großen Nutzfläche mit energieintensiver Technik werde das Filmhaus auch kein „Plusenergiegebäude“.

Fotovoltaik auch an der Fassade

Hochbauamtsleiter Peter Holzer informierte den Ausschuss, dass es Photovoltaik auf dem Dach und an 21 Prozent der Fassaden gebe, sich die Verglasung auf ein Viertel der Fassadenfläche beschränke und 25 Prozent der Gebäudehülle begrünt würden. Lichtinszenierung und Photovoltaikelemente sind im oberen Bereich kombiniert. Auf einer Höhe von neun und einer Länge von 40 Metern sind vollflächig Photovoltaikelemente in die Fassade integriert.