Die Skater von Nordiy haben die Bahn an den Wagenhallen selbst gebaut. Foto: Landtag BW/Leif Piechowski

Im Ringen um das frühere Parkhaus P7 im Neckarpark in Bad Cannstatt hat der gemeinderätliche Ausschuss nun ein Machtwort gesprochen. So soll es weitergehen.

Selten gibt es im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik im Stuttgarter Rathaus nach einer Abstimmung tosenden Applaus von den Zuschauerrängen. Doch in der vergangenen Sitzung war dies der Fall. Mehrere Dutzend Mitglieder des Kunstvereins Contain’t und des Skateparks Nordiy begrüßten lautstark die Entscheidung der Stadträte, deren Ansprüche als Ankernutzung am angestrebten neuen Standort, dem früheren Parkhaus P 7 im Cannstatter Neckarpark, zu bevorzugen. Kunst und Sport sind für eine deutliche Mehrheit im Gemeinderat wichtiger als neue Parkplätze für den Mercedes-Konzern und das überraschend aufgetauchte Interesse des VfB Stuttgart.

 

Ende September muss der Platz an den Wagenhallen geräumt werden

Bereits zum 30. September müssen Contain’t und Nordiy ihren Standort an den Wagenhallen für den Bau der Interimsoper räumen. Eine neue Heimat sollen beide Projekte in Bad Cannstatt finden. Mehrere Anträge des öko-sozialen Lagers, der Grünen-Fraktion und des Jugendrats hatten auf eine schnelle Antwort der Verwaltung auf die anstehenden Fragen zur weiteren Nutzung des ehemaligen Parkhauses P 7 gedrängt.

Das zwischen dem Haus des Sports, VfB-Gelände, Mercedes und S-Bahnstation gelegene Gebäude stand wegen gravierender Schäden seit 2022 leer und wurde Anfang des Jahres abgerissen. Die Ergebnisse des Stadtplanungsamtes sehen auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück zwei mögliche Varianten vor. Zum einen eine gemeinschaftliche, ebenerdige Nutzung für Kunst- und Skateprojekt sowie Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter des Autokonzerns. Das Problem: Contain’t hat einen Flächenbedarf von 3000 Quadratmetern, Nordiy von 1000 Quadratmetern angemeldet. Viel Platz für weiteres bliebe dabei nicht.

Interesse auch von VfB und Mercedes-Benz

Zum anderen sei in Zusammenhang mit der Gesamtplanung für eine „offene Stadtlandschaft Neckarpark“ auch eine mehrstöckige Lösung als Urban Sandwich mit Kunst- und Skateprojekt im Untergeschoss, Parken im Obergeschoss und einem Kleinspielfeld im Dachgeschoss denkbar. Denn überraschend kam für die Stadträte, dass auch der VfB nun Interesse an dem Areal bekundet hat. Der Fußball-Bundesligist will sein Trainingsgelände neu ordnen – unter anderem für die Jugend- und Frauenabteilung.

Hingegen verwies der Stuttgarter Wirtschaftsförderer Bernhard Grieb auf die Bedeutung der Mercedes-Benz AG als größten Arbeitgeber der Stadt. Seit 2022 seien rund 15 Prozent der Parkplätze rund um das Hauptwerk weggefallen. Doch trotz des „Werbeblocks für Mercedes“, sieht Hannes Rockenbauch (SÖS) keine Notwendigkeit für weitere Parkplätze für den Automobilkonzern. Vielmehr soll die Stadt die Möglichkeit der Pachtverlängerung des Grundstücks neben dem Mercedes-Museum forcieren, um die nötigen Parkplätze zur Verfügung stellen zu können bis zur geplanten Verlängerung der Stadtbahnlinie U19 im Jahr 2027.

Neubau unrealistisch

„Stattdessen fehlen Räume für die Jugend und die Kunst“, so Rockenbauch. Umso mehr müsse der Standort im Neckarpark genutzt werden. Die Mehrheit im städtischen Ausschuss hat daher einem Antrag der Grünen-Fraktion zugestimmt, die Parkhausfläche für „eine Ankernutzung für Contain’t und Nordiy-Skater festzubinden“, so Marcel Roth. Erst im Anschluss könnte, falls noch Flächen übrig blieben, über eine weitere Nutzung für Parkplätze nachgedacht werden.

Eine gemeinsame Nutzung auch mit Parkplätzen wie von der CDU gefordert, lehnte die Mehrheit ab. Auch einen mehrstöckigen Neubau, statt einer ebenerdigen Lösung, halten die Stadträte für unrealistisch. „Das ist Zukunftsmusik, da dafür erst neue Pläne geschaffen werden müssten und somit die Zeitschiene noch einmal deutlich nach hinten geschoben werde“, betonte denn auch Baubürgermeister Peter Pätzold.

Lärmgutachten muss erstellt werden

Doch auch die „kleine Variante“ könnte sich bis zur Realisierung noch ein bisschen hinziehen. Denn als Voraussetzung „muss ein Lärmgutachten erstellt werden“, betonte Corinna Althanns vom Stadtplanungsamt. Zum einen für die Anwohner auf der gegenüber liegenden Seite der Bahngleise, zum anderen im Hinblick auf die geplanten Erweiterung am Olympiastützpunkt und dem geplanten Neubau eines Internats des VfB.

Noch vor der Sommerpause soll daher auf Wunsch der Stadträte eine Sitzung aller Beteiligten stattfinden. Auch um die laut SPD-Fraktionssprecher Stefan Conzelmann „mangelnde Informationspolitik der Verwaltung“ zu beseitigen. Es könne nicht sein, dass man erst auf persönliche Nachfrage bei den Beteiligten oder per „Zuruf im Flur“ von bestehendem Interesse erfahre – zum Wohle der Kunst und des Sports.