Morgane Poedras spielt in dem Genet-Stück „Die Zofen“ Foto: Helen Pavel

Mit einer Hommage an den großen Satiriker der Weimarer Republik Kurt Tucholsky und einer Premiere der „Zofen“ von Jean Genet öffnet das Theater an diesem Wochenende wieder. Geimpfte, genesene und getestete Zuschauer dürfen kommen.

S-Süd - Was darf Satire?, fragt Theaterchefin Helen Pavel am ersten Bühnenabend nach 15 Monaten Zwangspause. Ihre szenische Lesung mit Texten von Kurt Tucholsky und Live-Musik des Jazztrios Saite 16 eröffnet die Nach-Corona-Spielzeit. Den großen Satiriker und Gesellschaftskritiker der Weimarer Republik hat Pavel schon längere Zeit im Programm, tauscht aber immer wieder Texte mit Blick auf die Zeitläufte aus. „Sein vielfältiges Werk ist auch heute noch voll sprachlicher Frische und Aktualität. Man denke nur an die Untoten wie beispielsweise aus der rechten Szene oder aus dem Hause Hohenzollern“, sagt Pavel.

Bitterböses Psychodrama

Der Berliner Journalist und Schriftsteller kreidete dem Hohenzollern Kaiser Wilhelm II., der sich 1918 samt Gefolge nach Holland abgesetzt hatte, Feigheit und Raffgier an: „Die Krone fiel. Wer wird denn weinen! Das ganze Geld kam nachgerollt.“ Vor allem aber warnte Tucholsky seine Zeitgenossen früh vor dem Erstarken der politischen Rechten. Die szenische Lesung am morgigen Samstag, 26. Juni, beginnt um 20 Uhr im Dreigroschentheater in der Kolbstraße 4c.

Lange in der Pipeline ausgeharrt haben „Die Zofen“ von Jean Genet. Das Psychodrama erzählt von Claire und Solange, die immer wenn ihre „gnädige Frau“ außer Haus ist, ihre finsteren Fantasien ausleben: Sie spielen Herrin und Zofe, als Quälerei zwischen Unterdrückung und Abhängigkeit. Sie ersinnen Mordpläne, um sich der „gnädigen Frau“ zu entledigen, nachdem sie ja bereits den „gnädigen Herrn“ erfolgreich hinter Gitter gebracht haben.

Regisseurin Pavel sagt, sie habe das Stück ausgewählt, „weil mich die Frage bewegt hat, wie völlig normale Leute dazu kommen, solch grausame Taten zu planen“.

Premiere in der Pipeline

Es spielen Morgane Poedras, Ulrike Wolf, Judith Schönleber, die lange auf die Premiere warten mussten. Ursprünglich angesetzt war sie für Ende März vergangenen Jahres. Es war nicht leicht, Spannung und Präsenz über einen so langen Zeitraum zu halten, berichtet Helen Pavel. Anfang des Jahres hat das Ensemble seine Proben per Zoom wieder aufgenommen. Geplant war eine Premiere per Videostream. Doch dafür verweigerten die Erben des Autors Jean Genet die Rechte. „Als die Infektionszahlen sanken, haben wird dann nochmals für eine coronataugliche Bühnenfassung umgeplant“, so Pavel.

Das Ergebnis ist eine szenische Lesung. „Diese ist statischer als eine normale Inszenierung, und die Schauspieler kommen sich nicht so nahe, dass sie Masken tragen müssen.“ Allerdings sei die Inszenierung sehr lebhaft und gut ausstaffiert. Die Premiere findet am Sonntag, 27. Juni, um 19 Uhr statt. Weitere Aufführungen sind am 3. und am 24. Juli, jeweils um 20 Uhr.

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