Das Große Haus wird mit Millionenaufwand saniert. Beim gewünschten Ausbau muss die Intendanz allerdings ein paar Abstriche machen. Foto:  

Das Stuttgarter Finanzministerium hat bestätigt, dass die Staatstheater ihren angemeldeten Flächenbedarf für Lager- und Werkstattflächen um knapp 2000 Quadratmeter reduzieren müssen.

Stuttgart - Die Stuttgarter Staatsoper muss ihre Wunschliste für zusätzliche Flächen im Rahmen der Sanierung des Großen Hauses zusammenstreichen. Der von der Intendanz der Staatstheater ursprünglich angemeldete zusätzliche Flächenbedarf von 12 500 Quadratmetern sei entlang der Kulturmeile nicht realisierbar, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Finanzministeriums am Montag und bestätigte insoweit einen Bericht der Stuttgarter Nachrichten.

Allerdings gebe es durchaus die Möglichkeit, eine „schlankere Lösung“ mit 10 600 Quadratmetern zusätzlicher Lager- und Werkstattflächen sowie Übungsräumen unterzubringen, „auch wenn das knapp wird“. Dieser Vorschlag ist auch in einem Gutachten des federführenden Landesamts für Vermögen und Bau enthalten, über das der Verwaltungsrat der Staatstheater am Montag debattiert hat.

Der Sprecher des Finanzministeriums sagte, die Bedarfsanmeldung der Staatstheater sei von einem externen Gutachter geprüft worden. Dies war unter anderem auch der Wunsch des amtierenden Verwaltungsratsvorsitzenden OB Fritz Kuhn (Grüne) – nicht zuletzt auch aufgrund entsprechender Erfahrungen beim Neubau des Ballettinternats John-Cranko-Schule oder der Sanierung des Schauspielhauses.

Finanzministerium: „Können keine Flächen beliebig herbeizaubern

Die Bauverwaltung sei nicht in der Lage, die gewünschten zusätzlichen Flächen am Standort „beliebig herbeizuzaubern“, so der Ministeriumssprecher. Die Sanierung und der Ausbau der Oper am Standort, die neben der technischen Ausstattung der Spielstätte unter anderem den Neubau des bisherigen Kulissengebäudes entlang der Konrad-Adenauer-Straße beinhaltet, sei aber nicht infrage gestellt.

Gleichwohl meldete sich bereits vor Beginn der Verwaltungsratssitzung als Erste die FDP-Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr zu Wort. Das Opernsanierungsprojekt nehme eine „fatale Entwicklung“, kritisierte die Abgeordnete – Fehlentscheidung reihe sich an Fehlentscheidung. Die Liberale verband ihren Befund mit Kritik an den Grünen: Diese seien offenbar „nicht fähig, ein Kulturprojekt dieser Größenordnung seriös zu planen“. So habe OB Kuhn erst vor wenigen Wochen seine Planungen für eine mehrjährige Zwischenspielstätte von Oper und Ballett im Paktpostamt am Nordbahnhof revidieren müssen, weil die Kosten für die Interimsspielstätte explodiert waren (unsere Zeitung berichtete). Reich-Gutjahr wiederholte zudem den FDP-Vorschlag, einen Neubau der Oper an der Stelle des denkmalgeschützten Königin-Katharina-Stifts ins Auge zu fassen. Diese Idee, die auch von der Bürgerinitiative Aufbruch Stuttgart propagiert wurde, ist allerdings weder in der Stadt noch beim Land mehrheitsfähig.

Nach der Sitzung hieß es aus Teilnehmerkreisen, der Flächenmehrbedarf sei vor allem darauf zurückzuführen, dass man gerne jene 1500 Quadratmeter, die die Oper derzeit in der früheren Musikhochschule angemietet hat, auch noch im Schlossgarten habe unterbringen wollen. Das Raumprogramm soll nun nochmals vom Gutachter auf Synergien hin untersucht werden.

OB Kuhn: „Niemand im Verwaltungsrat stellt Sanierung grundsätzlich in Frage“

OB Kuhn erklärte anschließend: „Stadt und Land stehen zur Opernsanierung, das ist erklärtes, gemeinsames Ziel.“ Niemand im Verwaltungsrat stelle die Sanierung grundsätzlich infrage. Oper und Ballett müssten ihre Arbeit auf höchstem Niveau fortsetzen können, das gelte sowohl für die Arbeitsbedingungen als auch für bauliche Maßnahmen, so der Rathauschef.

Für die umfassende, mindestens sieben Jahre dauerende Sanierung des historischen Littmann-Baus und die Erweiterung der Oper werden bisher offiziell rund 400 Millionen Euro veranschlagt, Experten gehen allerdings von bis zu 600 Millionen Euro aus. Die Summe beinhaltet auch den Bau einer Übergangsspielstätte für Oper und Ballett. Derzeit durchforstet eine sogenannte Taskforce unter Leitung von Kuhn die Stadt nach geeigneten Grundstücken. Zuletzt hatte es sich abgezeichnet, dass der ursprünglich vom Gemeinderat favorisierte Neubau eines multifunktionalen Konzerthauses mit vorübergehender Opernnutzung wohl keine Chance auf Verwirklichung hat und es somit wohl auf ein reines Provisorium hinausläuft.

Treffpunkt Foyer mit Staatstheater-Intendanten

Die Staatstheater Stuttgart, Europas größtes Dreispartenhaus, erleben einen künstlerischen Neustart. Als neue Intendanten bilden Viktor Schoner (Oper), Tamas Detrich (Ballett) und Burkhard C. Kosminski (Schauspiel) mit dem geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks das Quartett für die Schritte in die Zukunft. Für die Leserinnen und Leser unserer Zeitung steht das Quartett am Donnerstag, 25. Oktober, gemeinsam auf der Bühne – beim Treffpunkt Foyer im Hegelsaal der Liederhalle Stuttgart. Beginn ist um 19 Uhr.

Wie werden die Nachfolger von Jossi ­Wieler, Reid Anderson und Armin Petras die international renommierte Oper ­Stuttgart, das weltbekannte Stuttgarter ­Ballett und das Schauspiel Stuttgart positionieren? Wie wollen sie die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann als „Jahrhundertprojekt“ benannte Sanierung des Opernhauses und Erweiterung des Staatstheater-Areals bewältigen? Seien Sie dabei, wenn wir Viktor Schoner, Tamas Detrich, Burkhard C. Kosminski und Marc-Oliver Hendriks beim Treffpunkt Foyer befragen. Moderator dieses Abends ist Nikolai B. Forstbauer, Titelautor unserer Zeitung. Die Teilnahme ist kostenlos, ­eine Anmeldung notwendig – unter www.stn.de/foyer

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