Klaus Enslin vom Bürgerverein hat die Ausstellung Foto: C. Friedmann

Am Sonntag, 9. April 2017, öffnet das Ortsmuseum in Rotenberg wieder seine Pforten. Bis Oktober kann das Museum dann wieder einmal im Monat besucht werden.

Untertürkheim - Das Ortsmuseum in Rotenberg gewährt bald wieder seltene Einblicke in die Geschichte Untertürkheims. Diesen Sonntag, 9. April, öffnet das Ortsmuseum seine Pforten. Neben der heimatgeschichtlichen Dauerausstellung, welche die Entwicklung des Stadtbezirks von seiner Urgeschichte bis in die Gegenwart zeigt, sind nun auch zwei neue Sonderausstellungen zu sehen: Eine Schau widmet sich dem Wirken des einstigen Ortsbaumeisters Julius Lusser. Die zweite Ausstellung informiert in Bild und Text über die Untertürkheimer Ortsvorsteher von 1545 bis heute.

Als Ortsbaumeister prägte Julius Lusser das Stadtbild Untertürkheims Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinem typischen Baustil, einer Kombination aus Ziegelstein und Fachwerk, die bis heute in Teilen Untertürkheims zu sehen ist. Auf zehn Schautafeln wird Lussers Wirken im Rotenberger Ortsmuseum beleuchtet. Denn Lusser baute nicht nur zahlreiche Wohnhäuser. Auch die Weinmanufaktur Untertürkheim geht auf sein Konto. Dort ist sein unvergleichlicher Baustil besonders gut zu erkennen. „Das Gemeindehaus in Untertürkheim hat ebenfalls Lusser gebaut“, erklärt Klaus Enslin, der Vorsitzende des Untertürkheimer Bürgervereins, der die Ausstellung im Ortsmuseum konzipiert hat. Besonders hebt Klaus Enslin aber das Untertürkheimer Kraftwerk hervor – ein weiteres Werk Lussers.

Die Stadt hat Ortsvorsteher Eduard Fiechter viel zu verdanken

Das Kraftwerk ist denkmalgeschützt und bis heute in Betrieb. Es stellt zugleich eine Verbindung her zur zweiten Sonderausstellung, die ab Sonntag im Ortsmuseum zu sehen ist. Denn aus der Reihe der hier präsentierten 26 Ortsvorsteher von 1545 bis heute tritt besonders Eduard Fiechtner hervor. Fiechtner war es, der Julius Lusser einst nach Untertürkheim holte und ihn damit beauftragte, ein Elektrizitätswerk zu bauen. Damit schuf Fiechtner eine wichtige Grundlage für die Industrie: Als letzter Schultheiß der selbstständigen Gemeinde Untertürkheim bot er Gottlieb Daimler eine Grundfläche für die Gründung einer neuen Automobil-Produktionsstätte in Untertürkheim an. Und die arbeitete mit Strom aus Lussers Kraftwerk. „Entsprechend hat die Stadt Stuttgart Fiechtner viel zu verdanken“, sagt Klaus Enslin. „Dank ihm kam Daimler nach Untertürkheim.“

Doch auch unter den anderen 25 Ortsvorstehern finden sich einige interessante Persönlichkeiten, die in Bild und Text in der Sonderausstellung präsentiert werden. So erfährt man beispielsweise, dass der frühere Ortsvorsteher Johann Friedrich Lindenfels 1691 von einem Betrunkenen erschossen wurde. Oder dass Johann Friedrich von Heller „ 50 Jahre lang der Gemeinde treu und fleißig gedient“ hat. Deutlich wird auch, dass Untertürkheim im Zeitraum zwischen 1905 und 1945 keinen eigenen Bezirksvorsteher hatte. „Denn in dieser Zeit gehörte Untertürkheim zu Stuttgart“, erklärt Klaus Enslin. Entsprechend habe es damals keine eigenständige Bezirksverwaltung gegeben.

Die Ortsvorsteher von 1945 bis heute

Die größten Erfolge der Ortsvorsteher von 1945 bis heute sind in der Ausstellung auf großen Einzeltafeln dargestellt. Hier sind alle Bezirksvorsteher der vergangenen sieben Jahrzehnte vertreten – von Karl Weber über Jakob Mangold und Rudolf Rehm bis hin zu Klaus Eggert und der heutigen Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel.

Die neuen Exponate sowie die heimatgeschichtliche Dauerausstellung sind diesen Sonntag, 9. April, von 11 bis 16 Uhr im Ortsmuseum Rotenberg, Württembergstraße 312, zu sehen. Anschließend ist das Ortsmuseum bis Oktober jeweils am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Am letzten Öffnungstag am 8. Oktober kann das Museum von 11 bis 16 besucht werden. Sonderführungen sind auf Nachfrage beim Bürgerverein Untertürkheim unter Telefon 33 86 89 oder per Mail an info@bv-untertuerkheim.de möglich. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei.

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