Mit Theaterfan Sabine Mezger (li.) hat Antonie Fröhlich Rückenstärkung. Foto: Eva Funke

Im Theater in der Badewanne steht in absehbarer Zeit ein Generationenwechsel an. Die Inhaberin hofft dabei im kommenden Doppelhaushalt auf Geld von der Stadt.

S-Nord - An den bodenhohen Fenstern drücken sich Kinder und Eltern die Nasen platt. Drinnen baut Antonie Fröhlich einen Sternenhimmel: Die Puppenspielerin steht hoch oben auf der letzten Sprosse ihrer Leiter und bringt auf einem großen, schwarzen Tuch unzählige, kleine Glühbirnen an: „Ich kann die Sterne ganz hell oder weniger hell funkeln lassen: je nach dem, was für das Stück gerade erforderlich ist“, sagt sie.

Im Theater in der Badewanne im Höhenpark Killesberg studiert Fröhlich das Figurenspiel „Was schlüpft da aus dem Ei?“ ein. Das Ganze: ein Experiment. Erstmals haucht nicht Antonie Fröhlich ihren Puppen Leben ein. Mit Esther Falk und Marie-Louise Lutz überlässt sie das Spiel auf der Bühne zwei jungen Künstlerinnen. Sie selbst behält die Fäden aber trotzdem in der Hand: als Regisseurin. Ein Grund für ihren Rückzug hinter die Kulissen: „Ich bin mit 65 im Rentenalter und denke so in etwa in vier Jahren an einen Generationenwechsel.“

Im Höhenpark angefangen hat Antonie Fröhlich vor 37 Jahren. Damals war die gelernte Erzieherin 28, hatte sich in ihrer Ausbildung mit Puppen- und Schattentheater beschäftigt und wollte den Spaß am Spiel zur Profession machen. Start war in einer Garage im Höhenpark. Später zog sie ebenfalls im Höhenpark in einen Schuppen um. „Damals war ich reichlich naiv, hatte keine Ahnung von nix“, erinnert sie sich. Ihr erstes Stück hieß „Der Schachtelberg“: Fröhlich: „Ein Titel, der niemanden und schon gar keine Kinder hinter dem Ofen hervorlockt“. Mit 20 Vorstellungen und nur fünf Zuschauern pro Aufführung war die Resonanz enttäuschend. In der nächsten Saison brachten es „Peter und der Wolf“ immerhin bei 22 Vorstellungen auf 15 Zuschauer pro Aufführung. Heute muss man die Karten vorbestellen, weil das kleine Theater mit um die hundert Plätzen oft ausverkauft ist: Rund 90 Besucher gucken jede der mittlerweile 150 Vorstellungen pro Jahr an.

Lebenswerk soll weiter geführt werden

Ein Glücksfall war für Fröhlich die Internationale Gartenausstellung (IGA) 1993: Da sollte der Schuppen weg – allerdings mit samt ihrem Theater. Doch dann stellte ihr die Stadtverwaltung im Park die heutige Spielstätte zur Verfügung: ein denkmalgeschützte Gebäude, das 1939 zur Reichsgartenschau errichtet worden war, und dem das Dach fehlte. „Theater in der Badewanne hab ich’s genannt, weil es kurz vor der Eröffnung so reingeregnet hat, dass der Boden unter Wasser stand“, erinnert sich Fröhlich.

Mit den IGA-Besuchern kam auch Antonie Fröhlichs Publikum. „Zunächst lieferten die Eltern ihre Kinder im Theater ab. Mittlerweile gucken auch die sich die Stücke an“, sagt Fröhlich. Sie erklärt das damit, das gute Kinderstücke immer auch Stücke für Erwachsene sind. Wichtig ist ihr, die Kinder nicht zu überfordern und deren eigene Fantasie nicht durch ein Zuviel an Effekten zu bremsen. Auf den Weg in die Herzen ihrer Zuschauer macht sie sich mit Musik, Poesie und vor allem Figuren, die auf der Bühne lebendig werden. Ihre Helden wie Hund, Katze, Krokodile Prinzessin und Sultan fertigt sie selbst aus ihren alten Klamotten.

Das Theater in der Badewanne: „Es ist mein Lebenswerk“, sagt Antonie Fröhlich. Und dieses Lebenswerk möchte sie erhalten und in ihrem Sinne weitergeführt wissen. Deshalb will sie mit ihrer Bühne weiteren jungen Künstlern wie Esther Falk und Marie-Luise Lutz eine Plattform bieten, um Erfahrungen zu sammeln – und vielleicht so auch einen Nachfolger finden.

Für die Ausbildung des Nachwuchses ist die Puppenspielerin auf Zuschüsse von der Stadt angewiesen. Für den kommenden Doppelhaushalt will sie insgesamt 25 000 Euro beantragen. Und sie hat einen Traum: nämlich den, ein marodes Haus im Höhenpark zu mieten: „Dort könnten Gastspieler übernachten und eine Werkstatt zum Puppenbauen eingerichtet werden.“ An der Sanierung des städtischen Gebäudes würde sich Fröhlich mit einer größeren Summe beteiligen.

Ob Gemeinderat und Verwaltung mitmachen, ist abzuwarten. Mit der Bezirksvorsteherin Sabine Mezger hat Fröhlich aber bereits einen Fan für ihre Ideen gefunden. „Mir gefallen die Gedankenspiele. Und dem leerstehenden Gebäude täte eine Sanierung und sinnvolle Nutzung auch gut“, sagt die Bezirksvorsteherin. Deshalb will sich Mezger beim Bezirksbeirat für Fröhlichs Sache einsetzen und hofft, dass das Gremium einen entsprechenden Antrag für den Gemeinderat formuliert.

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