Wegen zu hoher Asbestwerte bleibt die Stadthalle Kirchheim (Kreis Esslingen) bis auf Weiteres geschlossen. Die Suche nach alternativen Spielorten gestaltet sich schwierig.
Wegen Asbestbelastung musste die Stadthalle Kirchheim kurzerhand geschlossen werden – kaum, dass sie nach einer sanierungsbedingten Pause wieder in Betrieb gehen sollte. Wie sehr die Veranstaltungshalle fehlt, wird in diesen Tagen deutlich: Die Suche nach Ausweichstandorten für die Kultur gestaltet sich schwierig.
Das Ergebnis der jüngsten Schadstoffmessung hat die Stadt kalt erwischt: Waren die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte für Asbestfasern in der Raumluft im vergangenen Dezember noch in Ordnung, wurden sie Ende Januar deutlich überschritten. Im Bühnenbereich lagen sie das Vierfache über dem Limit, im großen Saal das Dreifache, im kleinen Saal waren sie noch doppelt so hoch. „Der Gesundheitsschutz lässt keine Kompromisse zu“, begründete Oberbürgermeister Pascal Bader die umgehende Schließung.
Erste Veranstaltungen wurden verlegt oder abgesagt
Seither arbeitet die Kulturabteilung im Rathaus an einem Notfallplan. In einigen Fällen konnten kurzfristig Lösungen gefunden werden: Der Neujahrsempfang der Stadt am vergangenen Freitag wurde in die Feuerwache verlegt. Die Messe „Heizen.Sanieren.Wohnen“ am 20./21. Februar findet nun in der Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle in Ötlingen statt. Dorthin weicht auch die SPD mit ihrer Landtagswahlkampfveranstaltung am 17. Februar aus, zu der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kommen wird.
Doch für zahlreiche Termine gibt es noch keinen Ersatz, räumt die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage ein. In der Luft hängen zum Beispiel die Mundart-Kabarettisten von „Hillus Herzdropfa“, für deren launigen Abend am 26. Februar schon 600 Karten verkauft wurden. Die Teckploitation musste den Vortrag mit dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke am 8. März bereits ebenso absagen wie ihre zweite Convention mit großem Cosplay-Contest am 14. März.
„Derzeit kann keine verbindliche Aussage getroffen werden, ab wann die Stadthalle wieder genutzt werden kann“, teilt die Kirchheimer Verwaltung mit. Gemeinsam mit den Veranstaltern versuche man nun, geeignete Alternativen zu finden. Das Problem dabei ist: Die Stadthalle im Teck-Center ist mit einer Kapazität von rund 700 Personen die größte ihrer Art in ganz Kirchheim. Die Hallen in den Ortsteilen Ötlingen und Jesingen fassen gerade mal 300 bis 400 Gäste.
Wie es mit der Stadthalle Kirchheim weitergeht, ist völlig offen
Für große Formate wie Messen und Tanzveranstaltungen rücken deshalb Hallen in den Nachbarkommunen in den Fokus. So hat die Stadt Kirchheim wegen des Frühjahrskonzertes des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und für den Abiball der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule bereits in Owen angeklopft – in der dortigen Teckhalle haben rund 1000 Besucher Platz. Für kleine Formate kommen Bürgerhäuser, Sporthallen und Kirchen im Stadtgebiet in Betracht. Doch auch die sind bereits gut ausgelastet. Und nicht selten, räumt die Verwaltung ein, mangelt es dort an der erforderlichen Technik und Ausstattung für Kulturveranstaltungen.
Wie es mit der Stadthalle weitergeht, ist völlig offen. Zunächst werden Angebote für die Schadstoffsanierung eingeholt, informiert das Kirchheimer Rathaus. Dabei wird geprüft, was die Entfernung oder die Sanierung der Asbestplatten im Bühnenbereich kostet und ob diese unabhängig von weiteren Sanierungen sinnvoll umsetzbar ist. Auf dieser Basis will die Verwaltung einen Vorschlag für mögliche nächste Schritte ausarbeiten und mit dem Gemeinderat abstimmen.
Das als krebserregend geltende Baumaterial wurde im vergangenen Jahr bei Bauarbeiten für den Brandschutz entdeckt. Der aufwändige Ausbau der Asbestplatten im Bühnenbereich sollte der bisherigen Planung zufolge erst zu einem späteren Zeitpunkt im Zuge einer Generalsanierung erfolgen.