Walter Sittler in Prost, Onkel Erich Foto: Albrecht

Die Kulturgemeinschaft hat im neuen Programm 50 Abos aus 3000 Veranstaltungen kreiert. Dabei kann man bei einer klugen Auswahl fünf neue Intendanten in Stuttgart erleben.

Stuttgart - Wer etwas an den Mann oder die Frau bringen will, wird seine Sache immer in den schillerndsten Farben ausmalen. Das ist bei Ulrike Hermann nicht anders. Sie animiert Menschen mit blumigen Worten, ihr Geld in Kultur und Kunstgenuss zu investieren. Und doch liegt die Sache bei ihr anders. Zumindest ist ihr Selbstverständnis ein anderes. „Wir sind Kulturvermittler, nicht bloß Abo-Verkäufer sagt die Chefin der Kulturgemeinschaft.

Mit Abos meint sie eine professionelle Zusammenstellung verschiedener kultureller Angebote, die einem das Leben leichter machen. „Wir wissen, was die Leute wollen“, sagt sie selbstbewusst mit 15-jähriger Erfahrung, „wir sind die Basis für Kultur in Stuttgart.“

Der Kulturanbieter hat in seinem neuen Programm 50 verschiedene Abonnement-Varianten im Programm. Die Breite des Angebots reicht über Musik, Tanz, Theater, Kino bis hin zur Kunst(geschichte). So decken die Kulturvermittler 3000 Veranstaltungen in 65 Spielstätten ab. „Wir haben beispielsweise mit 204 Konzerten an 27 Standorten eine Bandbreite, die kein anderer Konzertveranstalter im klassischen Bereich stemmen kann. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal“, wie Ulrike Hermann in Vertriebsjargon sagt und daher Bernhard Löffler, den Vorstandsvorsitzenden der Kulturgemeinschaft, auf den Plan ruft: „Unser gemeinnütziger Verein geht von der Arbeiterbildungsbewegung der 1920er Jahre aus, mit dem Ziel, alle Sparten möglichst allen Menschen Kunst und Kultur nahezubringen und ihnen die Teilhabe daran zu ermöglichen.“

Kulturvermittler brauchen Passion

Dieser gesellschaftliche Hintergrund liegt nicht nur in den Wurzeln der Kulturgemeinschaft, er treibt Löffler und Hermann bis heute an. Auch die Kunstschaffenden hätten laut Hermann davon profitiert: „Wir haben zur Entwicklung der Stuttgarter Kulturlandschaft beigetragen.“

Es ist bei ihr eine gewisse Leidenschaft darin zu finden, Menschen und Kultur zusammenzubringen. Der Hermann’sche Ansatz dabei lautet: „Kultur muss man entdecken. Und unsere Abos sollen dabei ein Blicköffner sein, vielleicht auch zeigen, dass Theater spannender sein kann als das, was man mitunter im TV sieht.“

Gerade weil sich das Konsum- und die Sehgewohnheiten verändert haben, passt sich das Programm der Kulturgemeinschaft jedes Jahr an. Heuer gilt: Freiräume für Individualisten schaffen. „Viele Menschen mögen keine fertigen Angebote, sondern möchten kreativ und flexibel sein“, sagt Ulrike Hermann und verweist auf das Wahl-Abo. Es mache möglich, sich aus über 50 Spielstätten fünf (185 Euro) oder auch sieben (254 Euro) Termine zu einem Wahl-Abo zusammenzustellen. Noch mehr Freiheit, so die Kulturvermittlerin, böte jedoch eine Basis-Mitgliedschaft: Für einen Jahresbeitrag (40 Euro) kann man sich aus allen Veranstaltungen ganz spontan selbst ein Programm kreieren, ohne sich auf ein Abonnement festzulegen.

Fünf Intendanten in einem Abo

Zuletzt wirkt sie dann doch wieder wie eine Verkäuferin, die ihr Premiumprodukt anpreist. Sie spricht von ihrem Termin-Abo, „in dem man die Handschriften von fünf neuenStuttgarter Intendantenkennenlernen kann“. Es enthält mehrere Stücke, die Burkhard C. Kosminski vom Schauspiel Stuttgart programmierte, einen Ballettabend von Tamas Detrich vom Stuttgarter Ballett, Viktor Schoner von der Oper Stuttgart trägt „Iphigénie en Tauride“ von Gluck bei und Axel Preuß von den Schauspielbühnen in Stuttgart „Maria Stuart“. Hinzu kommt ein Konzert, das Markus Korselt vom Stuttgarter Kammerorchester präsentiert. „Das ist einmalig“, gluckst Hermann, „so kann man sich innerhalb eines Abonnements einen Überblick über neue Stuttgarter Entwicklungen verschaffen.“

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