Elizi (links) und Nino holen ein Karussellpferd aus dem Zirkuswagen. Foto: Eva Funke

Elizis Jahrmarktstheater ist jetzt ein gemeinnütziger Verein und bietet in der neuen Saison noch mehr Programm. Unter dem Motto „Achtung! Straßentheater“ zeigen junge Tänzer und Artisten ihr können im Brakdance, Fahrradartistik und Comedy.

Stuttgart - „Wenn Sie aufbauen, wird’s Frühling“: Den Satz hören Elizi und ihr Sohn Nino Böhm jetzt täglich. Seit Wochenbeginn packen die beiden zusammen mit Uwe Kircher und vier weiteren Mann die Zirkuswagen aus und bauen nach der Winterpause im Höhenpark Killesberg Elizi’s Jahrmarktstheater wieder auf. Zwei Zirkuswagen sind bereits auf dem Areal – auch der mit dem zerlegten Karussell. Wie viele Einzelteile das wohl sind? Nino zuckt mit den Schultern. „Bestimmt Hunderte.“ Und alles, auch die Schiffschaukel, die Hutwurfbühne, die Waffelbäckerei und das Theaterzelt sollen bis zum Montag, 1. April stehen. Dann kann wieder herein spaziert werden in Elizis Jahrmarktstheater.

Im Theaterzelt ist Nino Böhm bereits im vergangenen Jahr aufgetreten unter anderem als Clown zusammen mit Elizi. In dieser Jahrmarktssaison ist der 26-jährige Tänzer dort mit der internationalen Gruppe Floor Legendz auf der Bühne, die er zusammen mit seinem Bruder Vanesco gegründet hat. In ihrem Programm „Achtung! Straßentheater!“ zeigen insgesamt sieben junge Artisten und Tänzer was sie drauf haben: elektrisierenden Breakdance, atemberaubende Tricks und Stunts mit dem BMX-Fahrrad und Comedy. Nino Böhm, der sich mit Leib und Seele dem Breakdance verschrieben hat und sogar sein Elektrotechnik- Studium im sechsten Semester vorläufig aufgegeben hat, trainiert bereits seit dem zwölften Lebensjahr Breakdance, Turnen und Akrobatik. Zu der Tanzrichtung mit Artistik und Athletik ist er durch seinen vier Jahre älteren Bruder Vanesco gekommen: „Er hat mich zu Veranstaltungen mitgenommen. Dort trifft man andere Tänzer, bekommt Tipps und probiert sich aus“, sagt er. Pro Tag trainiert er etwa fünf Stunden und hat unter anderem Auftritte im Prinzregenten­theater in München und im Kulturpalast in Dresden.

Breakdance kommt von den Straßen

Mit der Show bei Elizi will Nino Böhm bei der Stadtverwaltung in Stuttgart für den Breakdance eine Lanze brechen. Böhm: „Breakdance gehört auch auf die Straße, denn von dort, den Straßen von in Manhattan und der Bronx, kommt er. Es ist eine Alternative zur Gewalt der Straßen-Gangs.“ Die Erfahrung des 26-jährigen: In Städten wie London oder Sydney sei es kein Problem, Lautsprecherboxen aufzustellen und loszulegen. In Stuttgart ist dagegen sofort das Ordnungsamt zur Stelle. „Als wir auf dem Schlossplatz in Stuttgart aufgetreten sind, mussten wir 200 Euro Bußgeld bezahlen.“ sagt Böhm. Jetzt hat er zwar eine Genehmigung für einen Auftritt, allerdings auf dem Kleinen Schlossplatz. Da komme kein Mensch vorbei. Dabei lebe die Show davon, dass sich unterschiedliche Leute versammeln und zuschauen.

Aber immerhin: Für Elizis Jahrmarktstheater gibt es jetzt auch Geld von der Stadt: 30 000 Euro pro Saison. Zu verdanken ist das den Bürgern aus dem Stuttgarter Norden. Vor zwei Jahren votierten die beim Bürgerhaushalt für eine finanzielle Unterstützung des Familienunternehmens um Elizi Böhm und ihren Mann Uwe Kircher. „Wir waren sogar auf Platz eins der Wünsche im Norden“, sagt Elizi Böhm. Um gefördert zu werden, mussten die Schausteller einen gemeinnützigen Verein gründen. Das wichtige „e. V.“ (eingetragener Verein) steht seit Ende 2017 hinter dem Jahrmarktstheater. Elizi Böhm: „Durch den Zuschuss haben wir einen größeren Spielraum, können mehr Eigenproduktionen machen, auch junge Künstler wie die Gruppe Floor Legendz einladen und mehr für unsere Kostüme ausgeben.“ Die entwirft und näht Tochter Fabia, wenn ihr ihr Beruf als Modedesignerin Zeit dazu lässt.

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