In Fellbach dreht sich bei 711 Games alles um Pokémon, Magic und andere Sammelkartenspiele. Die Inhaber haben große Pläne mit dem Laden.
Pikachu, Glumanda und Schiggy blinzeln von der Ladentheke, dahinter stapeln sich Boxen voller Sammelkarten. Ob Pokémon, Yu-Gi-Oh! oder Magic – bei 711 Games in Fellbach dreht sich alles um glitzernde Karten voller kleiner Monster und fantastischer Kreaturen. Seit dem Herbst setzen die Inhaber Pascal Janovsky und Mike Taliaferro schwerpunktmäßig auf den Verkauf von Boostern, Decks und Displays an Sammler und Spieler.
Eigentlich vertreiben die beiden Damenmode per Onlineversand. Da der Umsatz in diesem Bereich rückläufig ist, haben sie zumindest für einen Teil ihrer Räume eine neue Bestimmung gefunden – und mit den Sammelkartenspielen eine alte Leidenschaft aus der Zeit ihrer Jugend zu ihrem Beruf gemacht.
Janovsky, Jahrgang 1986, hat früher schon mit den Pokémon-Karten gespielt. Inzwischen ist er selbst zweifacher Vater und spielt mit seinen Kids. Daher kann er die Faszination, welche die Karten auf viele Menschen ausüben, gut nachvollziehen. „Ein großer Teil unserer Kunden ist in meinem Alter. Heute können sie sich Booster-Displays kaufen, die früher für sie unerreichbar waren.“ Zu Hause haben solche Fans einen kleinen (oder großen) Schrein, in dem sie ihre bunt-funkelnden Schätze ausstellen.
Pokémon gibt es seit 30 Jahren. So richtig aus der Mode gekommen sind die Fantasiemonster nie, aber zur Corona-Zeit begann ein neuer Hype. „Damals sind einige Influencer in das Hobby eingestiegen“, sagt Janovsky. Die Folge: Die Karten wurden immer begehrter. Inzwischen sind sie echte Spekulationsobjekte. Die Karten werden meist in sogenannten Boostern verkauft – kleinen Päckchen mit zufällig zusammengestellten Karten. Sammler hoffen dabei auf besonders seltene Exemplare.
Manche Kartensets, mit denen Janovsky früher als Jugendlicher gespielt hat, werden inzwischen für zigtausend Euro gehandelt. „Hätte ich sie mal aufgehoben“, meint er und grinst.
Janovsky betont, Geld aus der Tasche ziehen wolle er niemandem. „Wenn zum Beispiel Kids herkommen und ihr Taschengeld ausgeben, erkläre ich ihnen, dass sie nicht die ganz teuren Packs brauchen.“ Denn was den Spielspaß und die Fähigkeiten der Mini-Monster auf den Karten angeht, seien die Packs für sechs Euro genauso gut wie die Sammlerstücke.
Von einer Rendite wie bei den Pokémon-Karten können Aktionäre träumen
Für andere Menschen ist der Spielspaß Nebensache – für sie sind die Karten Spekulationsobjekte, die sie originalverpackt aufbewahren. „Es kann durchaus sein, dass eine Box mit Karten, die heute im Handel 55 Euro kostet, in einem Monat das Doppelte wert ist.“ Von dieser Rendite können Aktienhändler nur träumen. Die Hersteller steuern die hohe Nachfrage über Seltenheitsstufen innerhalb der Sets – manche Karten tauchen nur extrem selten in den sogenannten Boostern auf.
Was zu einer richtigen Knappheit führt: „Es ist extrem schwer, an neue Ware zu kommen“, sagt Janovsky, der deshalb in seinem Laden auch An- und Verkauf von Spiel- und Sammelkarten anbietet. Er schlägt einen Ordner mit gebrauchten Schätzen auf: Während manche Pokémon-Karten für einen Euro zu haben sind, sind ein paar Seiten weiter hinten einzelne Karten für 45 oder 70 Euro zu finden. „Das sind koreanische Karten – die japanischen sind noch teurer.“
Wie lange der Hype um die bunten Kärtchen noch anhält, weiß auch Janovsky nicht. „Ewig wird das nicht weitergehen. Das wissen die Hersteller auch – die Spieler sind diejenigen, die auf lange Sicht dabei bleiben werden.“ Also jene, die sich wirklich zusammensetzen und die Fantasiemonster auf den Kärtchen gegeneinander kämpfen lassen.
Künftig gibt es auch Spieleabende für Magic – The Gathering
Deshalb wird der Laden 711 Games künftig Spieleabende anbieten – eine große Rolle wird dabei nicht nur Pokémon, sondern auch „Magic – The Gathering“ spielen. Bei diesem Kartenspiel übernehmen die Spieler die Rollen von sich duellierenden Zauberern – die Fanbasis ist ebenfalls sehr breit. „Das Spiel ist deutlich komplexer als Pokémon – die Spieler würden sich vermutlich als Nerds bezeichnen“, meint Janovsky mit einem Augenzwinkern. Er ist überzeugt, dass auf den Spieleabenden viele Freundschaften entstehen werden.
Er und Taliaferro haben aber noch weitere Pläne: „Derzeit sind wir dabei, uns bei den Verlagen zu bewerben, dass wir bald offizielle Turniere ausrichten dürfen.“ Dafür haben sie einen Raum, in dem früher Damenmode gelagert wurde, umgestaltet. Nun stehen dort sauber aufgereiht Spieltische, an den Wänden hängen Poster von Pikachu und Co., von einem Regal baumeln Pokéball-Luftballons. Das Drumherum muss stimmen, die Verlage sind anspruchsvoll – falls es klappt, können Pokémon-Spieler in Fellbach bald ganz offiziell versuchen, die kleinen Monster ganz getreu des Spiel-Slogans „alle zu schnappen“.