Mehr Bar, mehr Cocktails: Alin-Ionut Mihai heißt der neue Pächter des Unteren Tores am Rande der Leonberger Altstadt. Er möchte das Konzept anpassen – ein bisschen zumindest.
„Ich möchte, dass sich die Gäste hier zuhause fühlen“, sagt Alin-Ionut Mihai. Es ist ein besonderer Satz, der dem neuen Wirt des Unteren Tores da über die Lippen kommt – und auf den er großen Wert legt. Denn zuhause, das war für den 39-Jährigen im Laufe seines Lebens schon an vielen Orten in vielen europäischen Ländern. Da passt es nur zu gut, dass im Gastraum des Gebäudes am Rande der Leonberger Altstadt die spanische Flagge neben zahlreichen deutschen Fähnchen hängt. Zum Fußballschauen während der EM kommen auch einige rumänische Bekannte von Mihai vorbei. Er selbst ist ebenfalls in Rumänien geboren.
Das Untere Tor war lange Jahre die Kult-Kneipe „Blauer Engel“
Und er führt seit 5. Juni das Untere Tor, diese Institution, die lange Jahre als Kult-Kneipe „Blauer Engel“ firmierte. Ende 2022, einige Zeit nach dem Ende des „Engels“, eröffnete die damals neue Betreiberin Samantha Porsche Mafhan dort ein Lokal, in dem nichts mehr war wie bisher. Die Räume waren komplett umgebaut worden, die Speisen gut bürgerlich – und der Laden lief, der Ruf bei den Leonbergerinnen und Leonbergern war exzellent. Bis im März dieses die überraschende Nachricht von der Schließung zu Ostern die Runde machte. Zwei Monate später ging Alin-Ionut Mihai mit seiner Idee des Unteren Tores an den Start.
Es ist das erste eigene Restaurant des Vaters zweier Kinder, der seine deutsche Ehefrau einst in Spanien kennengelernt hat. In Kontakt mit der Gastronomie kam er allerdings schon zu Beginn seines Lebens: Vater und Mutter betrieben in Rumänien selbst eine Gaststätte. „Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes machen“, bekennt Mihai und berichtet von einem Wirtschaftsstudium in Rumänien, das er mit der bestmöglichen Abschlussnote bestanden habe. Nur ließ ihn die Gastro dann doch nicht los. Denn tief in seinem Innern sei es dann doch „immer mein Traum gewesen, Gastronom zu werden“.
Rumänien, Griechenland, Spanien, der neue Pächter ist viel herumgekommen
Während eines Erasmus-Aufenthalt in Griechenland ließ er sich dort in einem renommierten Ressort zum Gastronom ausbilden und blieb gleich zwei weitere Jahre. Dann ereilte ihn der Ruf seiner Schwester, die bereits eine Zeit lang auf Mallorca lebte – und der des Geldes. Mit seinem besten Freund wanderte er auf die Baleareninsel weiter, „ohne die Sprache zu können, aber es hat alles geklappt“, berichtet er. Dort verfeinerte er seine Kompetenz im Berufsfeld. Die weiteren Stationen: zwei Jahre Restaurantleiter auf Ibiza, Aufenthalte in Ressorts in Österreich und der Schweiz während der Wintersaison – bis der erste Nachwuchs unterwegs war und es die werdende Familie ins Land der Mutter, nach Deutschland, zog. In Leonberg arbeitete Mihai unter anderem als Restaurantleiter im einstigen Amber-Hotel sowie als Schichtleiter im Mauritius. „Ich wollte mehr Ambiente, mehr Musik, mehr Cocktails“, sagt er und schmunzelt.
Und genau das ist auch das Konzept, das er dem „Unteren Tor“ zugrunde legt. So lautet auch seine neue, offizielle Beschreibung der Lokalität: „Unteres Tor – Wirtshaus und Bar“. Bis gegen 21 Uhr soll es ein gutes Restaurant mit deutscher und internationaler Küche sein. Zu späterer Stunde aber soll es vor allem um Cocktails und Longdrinks gehen. „Ich bin ausgebildeter Bartender“, so Mihai, zu dessen Spezialitäten ein extravagant servierter Brandy sowie Gin Tonic mit Gurke und Pfeffer zählen. „Ich zeige den Gästen auch gerne, wie die Drinks zubereitet werden“, sagt er.
Viele Cocktails, aber auch eine große Auswahl an Speisen
Bei einer Vielzahl von alkoholhaltigen Getränken auf der neuen Karte empfiehlt es sich jedoch auch, vorher gut gespeist zu haben. Hier ist die Auswahl ebenfalls groß. „Wir haben die deutschen Klassiker, wie Zwiebelrostbraten, Schweinelendchen und Schnitzel“, sagt Alin-Ionut Mihai, „aber auch andere Gerichte.“ Zum Beispiel bietet er Garnelen in Knoblauchsauce, Tomate Mozzarella, griechischen Salat oder veganes Thai-Curry an. In Richtung Winter solle die Karte dann ein wenig variieren.
Bei den Zutaten legen Mihai und sein Team, das derzeit neben ihm selbst aus einem Koch und drei Aushilfen besteht, Wert auf Frische und Regionalität. Gemüse und Obst kommen zum Beispiel vom Händler Staiger aus Stuttgart, auch das Fleisch kommt aus dem Umkreis. „Bei uns kommen nur die Garnelen aus dem Tiefkühler“, betont Mihai, „ansonsten kochen wir alles frisch, auch die Soßen.“ Die Rückmeldungen seien in den vergangenen gut drei Wochen ausschließlich positiv gewesen. Und bisher kommen die Gäste, obwohl Mihai so gut wie keine Werbung gemacht hat. „Ich möchte mit dem Lokal aber noch viel mehr“, betont der neue Betreiber.
Keine besondere Aktion zur EM – oder doch?
Zumindest an der Einrichtung und Ausstattung hat er so gut wie nichts ändern müssen – war das Interieur doch so gut wie neu. Nur jetzt, zur Fußball-EM, steht ein großer Fernseher an einer Wand. Besondere Aktionen habe er sich zum Turnier aber nicht überlegt. Wobei das nicht ganz stimmt. „Es gibt Erdnüsse und Chips aufs Haus. . . und Schnaps.“