Caesar Salad, Brownies, Pfirsich Melba und dann noch ein Stück Sachertorte: ein Menü, das es in sich hat. Jeder Gang wurde einst erfunden in einer Hotelküche. Manchmal sogar aus schierer Not.
Es sind Klassiker aus der Küche, teils ausgemachte Delikatessen oder verlässliche Begleiter für ein fürstliches Mahl. Und so unterschiedlich beispielsweise die Sachertorte oder der Caesar Salat auch schmecken, sie eint eines: erfunden wurden sie in Hotelküchen. Mal weil Küchenchefs zu improvisieren wussten, mal aus rein praktischen Gründen.
Sachertorte
Der Fürst erwartet hohen Besuch, zur Feier des Tages soll ein neues Dessert kreiert werden. „Dass er mir aber keine Schand’ macht, heut’ Abend!“ sagt der österreichische Staatskanzler Metternich noch, denn der Küchenchef ist krank und so muss der Lehrling einspringen. Der ist gerade mal 16 Jahre alt, heißt Franz Sacher und backt an jenem Abend im Jahr 1832 die erste Sachertorte.
Ihre heutige Form gibt ihr sein Sohn Eduard während seiner Ausbildung beim kaiserlich und königlichen Hofzuckerbäcker Demel. Eduard gründet 1876 auch das Hotel Sacher, zu dessen Markenzeichen die Torte wird. Bis heute in Handarbeit hergestellt, 360 000 Stück im Jahr, genossen aber bitte mit Sahne.
Caesar Salad
Viele reklamieren die Erfindung des Caesar Salad für sich, doch es kann nur einen geben, und das ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Italoamerikaner Cesare Cardini. Der betreibt vor 100 Jahren in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana das „Caesar’s Place“.
Ein cleverer Zug, denn in den USA herrscht damals Alkoholverbot, was dem Restaurant, aus dem bald das „Hotel Cesar“ werden wird, einen Strom an Gästen beschert, Stars wie Jean Harlow und Clark Gable inklusive.
Doch am 4. Juli 1924, dem Nationalfeiertag der USA, sind es zu viele, das Essen geht aus, was ihn dazu zwingt, aus den Resten, die er in der Küche finden kann, ein neues Gericht zu zaubern. Ecco!
Piña Colada
Fünf Zentiliter weißer Rum, drei Zentiliter Cream of Coconut, fünf Zentiliter Ananassaft, zerstoßenes Eis – so mixt die International Bartenders Association einen Piña Colada. Entwickelt wurde das Nationalgetränk Costa Ricas von dem Barkeeper Ramón „Monchito“ Marrero in der Beachcomber Bar des Caribe Hilton in San Juan.
Als Geburtstag des Cocktails gilt der 15. August 1954 – was ein paar Kilometer weiter in der Bar La Barrachina heftig bestritten wird. Dort ist einer Gedenktafel zu entnehmen, dass der Barkeeper Don Ramon Portas Mingot den Piña Colada hier 1963 erfand. Eine Einigung ist nicht in Sicht.
Waldorfsalat
Ein säuerlicher Apfel und Staudensellerie in feine Streifen geschnitten, mit Zitronensaft mariniert, dazu Walnüsse und eine mit Schlagsahne verfeinerte Sauce hollandaise, fertig ist der Waldorfsalat.
Kreiert wurde er in dem gleichnamigen New Yorker Hotel, schwarz auf weiß erstmals verewigt 1896 in dem Kochbuch „The Cook Book by Oscar of the Waldorf“, verfasst von dem legendären Maître d’hôtel Oscar Tschirky. Damals allerdings noch ohne Walnüsse, besteht das Original doch aus nicht mehr als Äpfeln, Staudensellerie und Mayonnaise, was den Tisch im Waldorf-Astoria fast schon unnötig macht. Aber nur fast.
Brownies
Mit dem Siegeszug des „American way of life“ kommen nicht nur Jeans, Rock ’n’ Roll und Kaugummis nach Europa, sondern auch der Brownie. Geburtsort des saftigen Schokoladengebäcks ist Chicago, Anlass die dortige Weltausstellung im Jahr 1893. Geburtshelferin ist die Philantropin, Mäzenin und Besitzerin des Palmer House Hotels, Bertha Palmer.
Die gibt ihrem Souschef den Auftrag, eine Art Kuchen herzustellen, der in eine Lunchbox passt und den Damen bei der Weltausstellung gereicht werden soll. Das Ergebnis ist ein voller Erfolg, den naheliegenden Namen erhält der Kuchen aber erst Jahre später.
Pfirsich Melba
Die Mailänder Scala, die New Yorker Metropolitan Opera: Dank ihres Stimmumfangs vom b bis zum dreigestrichenen f wird die Sopranistin Nellie Melba Ende des 19. Jahrhunderts als „australische Nachtigall“ gefeiert. Der Polarforscher Douglas Mawson benennt eine Halbinsel in der Antarktis nach ihr – und der Meisterkoch Auguste Escoffier einen Eisbecher.
Denn auch der Franzose, damals im Londoner Savoy Hotel am Werk, erliegt ihrer Kunst. Nach der Premiere von Wagners „Lohengrin“ im Royal Opera House 1892 serviert er ihr das Vergnügen aus Vanilleeis und pochiertem Pfirsich, dargeboten in einem Schwan aus Eis. Auch „Birne Helene“ ist übrigens eine Kreation Escoffiers: als Hommage an Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena“.