Wengert des städtischen Weinguts: Ohne den Einsatz von Glyphosat könnte der Boden erodieren. Nun sucht man nach Alternativen. Foto: Leif Piechowski

Von seinem groß angekündigten Glyphosat-Verbot hat Stuttgarts OB Kuhn stillschweigend eine Ausnahme gemacht: Das städtische Weingut darf zumindest noch einen Schluck aus der Pulle nehmen.

Stuttgart - ntgegen den bisherigen Verlautbarungen setzt die Stadt Stuttgart doch noch das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ein. Ein Sprecher der Stadt bestätigte Informationen unserer Zeitung, denen zufolge das städtische Weingut für seine 17 Hektar Rebfläche eine Ausnahmegenehmigung erhalten hat.

Im europaweiten Streit um das Produkt mit dem Handelsnamen „Roundup“ hatte Kuhn am 8. März bekannt gegeben: „Die Landeshauptstadt setzt ab sofort das Unkrautvernichtungsmittel nicht mehr ein.“ Das städtische Weingut erhob daraufhin intern Bedenken: Ohne Glyphosat müsse man verstärkt andere, weniger wirksame Herbizide einsetzen, hieß es. Außerdem bestehe nicht nur an den vielen Steillagen, die das Weingut im Stuttgarter Talkessel bearbeite, die Gefahr, dass der Boden kaputt gehe. „Auf den mit Glyphosat behandelten Unkrautflächen haben Pflanzenrückstände einen gewissen Erosionsschutz geboten“, so der Stadtsprechers. Auch weil dieses Jahr das Unkraut besonders kräftig sprießt, hat Kuhn daher dem Weingut die Erlaubnis für einen weiteren, vorerst aber nur einmaligen Einsatz erteilt.

Angst vor weiteren Defiziten beim Weingut

Ende des Jahres soll dann entschieden werden, wie es weitergeht. Wenn das Weingut den Einsatz von Glyphosat reduziert oder ganz darauf verzichtet, bedeutet dies erhebliche Mehrarbeit. Die Befürchtung ist, dass dann das Weingut, dass in den vergangenen Jahren ohnehin zum Teil schwer defizitär war, wieder in die roten Zahlen rutscht.

Glyphosat war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil die EU-Staaten sich nicht auf eine Verlängerung der Genehmigung von Glyphosat einigen konnten. Das Mittel steht im Verdacht, möglicherweise krebserregend zu sein. Ende Juni verlängerte die EU-Kommission schließlich die Zulassung für weitere 18 Monate. Nun soll ein weiteres Gutachten zu dem Unkrautmittel eingeholt werden.

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