Kürzere Öffnungszeiten sorgen für weniger Besucher Bademeistermangel trübt Bilanz

Von Uli Nagel 

Das Inselbad hat zwar mehr Badegäste als im vergangenen Jahr, dennoch die schlechtesten Zahlen der fünf Freibäder in der Landeshauptstadt.

Verkürzte Öffnungszeiten die ganze Saison wegen Personalmangels.Foto: Mathias Kuhn

Untertürkheim - Für zwei der insgesamt fünf Stuttgarter Freibäder ist die Saison noch nicht vorbei. Angesichts des tollen Sommers hat das Möhringer Bad sowie das Höhenfreibad Killesberg eine Woche länger geöffnet. Im Inselbad ist dagegen ab heute Zapfenstreich. „Das ist keine Entscheidung gegen das Traditionsbad mit seinen vielen Stammgästen“, betont Bädersprecher Jens Böhm. Um fair zu bleiben, habe sich die Verwaltung entschlossen, ein Freibad im Norden und eines im Süden der Landeshauptstadt länger offen zu halten. „Zudem werden im Inselbad auch die Vorbereitungen für die Traglufthalle getroffen“, so Böhm. Bekanntermaßen muss die Hülle noch bis 2021 mühsam auf- und abgebaut werden. Erst dann ist das knapp 35 Millionen Euro teure, wettkampfgerechte Sportbad im Neckarpark fertig.

Was den Besucherzuspruch in den fünf Freibädern in dieser Saison angeht, so dürfen die Bäderbetriebe sicher zufrieden sein. Stand 2. September wurden 747 021 Badegäste gezählt, fast 126 000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl verwundert sicher nicht, denn seit Beginn der Saison im Mai ist bestes Freibadwetter. An der Spitze liegt das Rosental in Vaihingen mit 213 329 Besuchern, gefolgt von Möhringen (167 929) und Killesberg (161 841).

Inselbad nur auf Platz vier

Nur auf dem vierten Platz liegt das Untertürkheimer Inselbad mit 151 660 Besuchern. „Es hat zwar ebenfalls fast 15 000 Badegäste mehr als im Vorjahr, dennoch ist uns die geringe Gesamtzahl im Vergleich mit den übrigen Bädern aufgefallen“, so Böhm. Zumal das Inselbad das größte Bad ist und zudem die attraktivste Sprunganlage besitzt. Für Badleiter Arvid Donert liege laut Böhm der vergleichsweise schwächere Zuspruch in den gekürzten Öffnungszeiten begründet. Denn wegen des akuten Personalmangels konnte das Inselbad erst um 10 Uhr, in den Sommermonaten erst um elf Uhr geöffnet werden; und zwar die gesamte Saison über.

„Das hat offenbar doch viele Stammgäste vergrault“, ist sich der Bädersprecher sicher. Zumal es in den ersten Betriebswochen jede Menge Beschwerden gab und viele Stammgäste sogar ihre Dauerkarte wieder zurückgeben wollten. Ob das jedoch allein für den geringeren Zuwachs im Vergleich mit den anderen Freibädern verantwortlich ist? Selbst wenn täglich 100 Frühschwimmer weniger ins Inselbad gehen, kommt man bei 127 Badetagen auf einen Verlust von 12 700 Besuchern. Rechnet man diese Zahl auf die Steigerung in der diesjährigen Badesaison dazu, so hätte das Inselbad ein Plus von insgesamt knapp 27 000 Besuchern gegenüber dem Vorjahr. Immer noch um einiges weniger als Vaihingen (plus 41 494 Besucher) und Killesberg (38 591).

F.3 als Konkurrenz

Eine weitere Rolle muss zwangsläufig die Konkurrenz durch das F.3 in Fellbach spielen. Ein attraktives Familienbad, bei dem der Besucher zudem nicht ewig lang einen Parkplatz suchen muss. „Das ist im Inselbad sicher ein großes Problem – auch für die Anwohner“, bestätigt Böhm. So sorgten fast 10 000 Badegäste am ersten Juliwochenende zwar für einen Besucherrekord, allerdings auch für chaotische Zustände im Lindenschulviertel und Ärger bei den Anwohnern.

Das Parkplatzproblem und die Besucherzahlen im Inselbad werden auf jeden Fall in der Nachbesprechung der Freiluftsaison mit Bäder-Chef Alexander Albrand noch einmal intensiv diskutiert werden. „Natürlich wird auch das Thema fehlende Bademeister angesprochen“, so Jens Böhm. Die Stadt Stuttgart wolle frühzeitig aktiv werden und habe auch schon das eine oder andere Gespräch für das nächste Jahr geführt. „Doch wir sind machtlos, wenn Bademeister, die fest zugesagt haben, kurz vor Saisonbeginn wieder abspringen.“