Nicht spannend, aber notwendig: Bevor das Gesichts geschnitzt werden kann, muss der Kürbis erst einmal ausgehöhlt werden. Foto: Simon Granville

Beim OGV Höfingen hat das Kürbisschnitzen Tradition. Die klaren Anleitungen helfen Groß und Klein dabei, ihre Kunstwerke zu verwirklichen.

Mit gezielten Hieben geht es dem Kürbis an den Kragen. Doch die orange-farbene Kugel wird nicht etwa klein gehackt, um zu Suppe verarbeitet zu werden. Stattdessen wird mit einem großen, scharfen Messer der Bereich um den Strunk herausgeschnitten. Voilà, der Deckel für den Halloween-Kürbis ist fertig.

 

Aus den sechs Kürbissen, die vor der Strohgäuhalle in Leonberg-Höfingen auf einer Bank stehen, sucht sich Amelie einen heraus. „Der da,“, sagt die Sechsjährige und zeigt auf ein etwas flacheres, dickes Exemplar. Sechs Euro haben ihre Eltern dafür gezahlt – inklusive Schnitzvorlage und geliehenem Schnitzwerkzeug.

Beim Kürbisschnitzen vor Halloween werden 190 Kürbisse verziert

Der Obst- und Gartenbauverein Höfingen hat bereits zum 14. Mal zum gemeinsamen Kürbisschnitzen vor Halloween eingeladen. Die zwölf Helfer arbeiten an diesem Samstagnachmittag im Akkord. Über einen Zeitraum von vier Stunden werden 190 Kürbisse verkauft, ausgehöhlt und verziert. Der Platz vor der Sporthalle ist vollgepackt mit Familien. Bettina Brösamle, Schriftführerin des Vereins, ist ganz aufgeregt: „Wir machen das, weil wir eigentlich noch große Kinder sind und es einfach so viel Spaß macht.“

Der Erfolg der Veranstaltung ist sicher auch der guten Organisation geschuldet. Alles ist stringent aufgebaut, alle Handlungsschritte sind gut erklärt und Tipps aufgeführt. An der Hallenwand sind die Vorlagen aufgehängt. Da gibt es etwa eine Fledermaus und freundliche Kürbisgesichter für Anfänger, Charly Brown und Snoopy für Könner und eine Hexe mit Hexenkessel für Profis. An der Kasse gibt es die Vorlage auf festem Papier und schon kann es mit dem handwerklichen Vergnügen losgehen.

Auf den Tischen liegen Anleitungen bereit und es zeigt sich: Kürbisse schnitzen ist gar nicht so schwer. Zuerst werden die Kürbisse mit einem Löffel ausgehöhlt. „Das Fruchtfleisch landet auf dem Kompost, damit können Sie leider nichts anfangen“, erklärt Bettina Brösamle. Der klassische Halloweenkürbis – auch als Sorte Jack O’Latern bekannt – ist zwar essbar, schmeckt aber eher weniger. Dafür ist er sehr stabil.

Der Spiderman-Kopf ist ein Motiv für Profis. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Foto: Simon Granville

Die Schnitzvorlage ist schnell mit Klebeband auf dem Kürbis befestigt, anschließend wird das Motiv mit einem Pikser entlang der Linien durch das Papier in die Haut gestochen. Und schon kann das eigentliche Schnitzen losgehen. Die Anweisungen sind klar: Kleine Flächen zuerst, das Motiv immer von innen nach außen aussägen. Und bei größeren Flächen, die ausgesägt werden, am besten in mehreren kleinen Abschnitten arbeiten. So ist die Gefahr geringer, dass etwas kaputt geht.

Haarspray macht die Kürbis-Kunstwerke haltbarer

Selina und Sophia haben ein eigenes Motiv gewählt, und das hat es in sich. „Mist, meine Hand ist schon wieder abgebrochen!“, sagt die 12 Jahre alte Selina. Auf ihrem Kürbis sind Grabsteine und Kreuze zu sehen – ein Friedhof. Und aus dem sollte sich eine Hand aus der Erde befreien. Mit Zahnstochern lässt sich das Malheur allerdings schnell beheben, und die beiden Freundinnen können weitermachen.

Auch Amelie hat ihren Kürbis fertig geschnitzt. Ihn ziert ein freundliches Gesicht. Ihre Mutter sprüht das Kunstwerk innen und außen mit Haarspray ein, um es haltbar zu machen. Dann wird die Sechsjährige mit ihrem Kürbis fotografiert – und darf sich ein echtes Kürbisschnitz-Diplom des OGV abholen. Bettina Brösamle vom Höfinger OGV ist zufrieden mit dem Nachmittag und freut sich schon aufs nächste Jahr: „Unser 15. Ausgabe findet dann direkt am 31. Oktober, also an Halloween statt!“

Halloween

Entstehung
Der Name leitet sich von „All Hallow’s Eve“ ab, also dem Abend vor Allerheiligen. Die alten Kelten in Irland feierten am 31. Oktober das Fest Samhain. Sie glaubten, dass an diesem sich die Grenze zwischen dem Reich der Toten und dem Reich der Lebenden öffnet. Zur Abschreckung der bösen Geistern verkleideten sich die Menschen als gruselige Gestalten. Der Brauch blieb auch im Katholizismus erhalten und verbreitete sich über Auswanderer nach Nordamerika. Dort entstand auch die Tradition der Kürbisgeister, da der Kürbis eine dort heimische Frucht ist. In Irland, aber auch im restlichen Europa wurden über viele Jahrhunderte Fratzen in Rüben geschnitten.