Künzelsau fühlt sich abgehängt Massive Proteste gegen Krankenhaus-Schließung

Von Tanja Kurz 

Rund 500 Bürger haben sich vor der Klinik in Künzelsau versammelt – die geplante Schließung hat potenzielle Patienten und das Personal auf die Straße getrieben. Foto: Tanja Kurz
Rund 500 Bürger haben sich vor der Klinik in Künzelsau versammelt – die geplante Schließung hat potenzielle Patienten und das Personal auf die Straße getrieben. Foto: Tanja Kurz

Die Klinik in Künzelsau soll zum Medizinzentrum schrumpfen. Dagegen protestieren nicht nur Mitarbeiter des Klinikums. Die Hohenloher Krankenhäuser hoffen nun auf eine Kooperation mit der Diak in Hall. Diese kam allerdings schon vor zehn Jahren nicht zustande.

Künzelsau - Kämpferische Töne sind an diesem Abend vor dem Krankenhaus in Künzelsau (Hohenlohekreis) zu hören. Rund 500 Bürger der gerade mal 15 000 Einwohner zählenden Stadt demonstrieren vor dem Gebäude gegen die geplante Schließung ihrer Klinik. Es sind viele Ältere, die Jüngeren sind Krankenschwestern, die an diesem kühlen Herbstabend die Menschen mit Glühwein und Selbstgebackenem bei Laune halten. Innerhalb der Protestbewegung wie an der Spitze stehen honorige Bürger: Andreas Eckle, der frühere ärztliche Direktor des Krankenhauses, und die ehemalige Laborleiterin Gudrun Schicker, auch Bürgermeister Stefan Neumann, der in einem offenen Brief dazu aufgerufen hat, „Stellung zu beziehen und zur Demo zu erscheinen“.

Protest gegen den Kreistagsbeschluss

Die Kundgebung richtet sich gegen einen Beschluss des Hohenloher Kreistags vom 30. September. Wegen des Defizits von vier Millionen Euro und der Schwierigkeit, qualifiziertes medizinisches Personal zu gewinnen, soll das zur Hohenloher Krankenhaus gGmbH gehörende Haus in Künzelsau zu einem Medizinzentrum schrumpfen. Die stationäre Versorgung soll an den zweiten Standort im 25 Kilometer entfernten Öhringen (23 500 Einwohner) verlegt werden. In „Verantwortung für die Gesundheitsversorgung der Menschen“ und „die zukünftige Finanzierbarkeit dieser Aufgabe“, erklärt der Landrat Matthias Neth, solle in der größeren der beiden kleinen Städte eine moderne Klinik gebaut werden.

Der Kreistag will dafür Geld aus dem Krankenhausstrukturfonds des Landes beantragen – unter dem Vorbehalt, dass die Mehrheitseignerin zustimmt, die Regionale Gesundheitsholding Heilbronn-Franken (RGHF), zu der die SLK Kliniken in Heilbronn gehören. Dort wurde an den Standorten Gesundbrunnen und Plattenwald kräftig investiert. Daran setzt die Kritik der Künzelsauer an: „Andere Betten müssen verschwinden, damit Heilbronn wirtschaftlich wird“, vermutet Andreas Eckle, „am Neubau in Öhringen habe ich daher meine Zweifel.“ Diese teilen Angestellte des Künzelsauer Krankenhauses, die nicht namentlich genannt werden wollen.

Angestellte klagen, die Klinik sei heruntergewirtschaftet worden

Der Druck der Geschäftsleitung auf die Mitarbeiter, die sich mit den Demonstrierenden solidarisieren, sei groß, das Klima vergiftet. Jahrelang haben sie Lohnabstriche in Kauf genommen, jetzt klagen sie, ihr Krankenhaus sei systematisch heruntergewirtschaftet, durch falsche Personalentscheidungen geschwächt und schlecht gerechnet worden. Noch 2011 habe Künzelsau eine schwarze Null geschrieben.

Das Vertrauen in die Zusagen der Klinikleitung ist dahin. „Heilbronn wird sich mit einem Neubau in Öhringen doch keinen Konkurrenten vor die Türe setzen“, argumentiert ein Pfleger. Die Städte liegen nur 30 Kilometer auseinander. Zu dieser Überlegung passt, dass auch im Kreis Heilbronn Krankenhäuser sterben sollen. „Für die Standorte Brackenheim und Möckmühl ist eine Umwandlung innerhalb der nächsten Jahre geplant, welche jedoch noch nicht beschlossen ist“, teilt der SLK-Unternehmenssprecher auf Anfrage mit.

„Der Verbund hat den Hohenloher Krankenhäusern nie etwas gebracht“, urteilt Andreas Eckle. Die Hoffnungen richten sich nun nach Schwäbisch Hall. Landrat Neth führt Verhandlungen über Kooperationen mit der Evangelischen Diakonissenanstalt, kurz Diak. Über die Ergebnisse wurde Stillschweigen vereinbart.

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