Konkurrenz bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz gibt es nicht nur im Großen zwischen den USA und China. Auch in Baden-Württemberg wetteifern verschiedene Einrichtungen um Fördergelder und die klügsten Köpfe.
Fabriken, Fördermittel, Fachkräfte – der Wettbewerb bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist weltweit entfesselt, er tobt vor allem zwischen den systemischen Rivalen China und USA. Auch in Baden-Württemberg nimmt das Rennen um Fördergelder und die besten Köpfe Fahrt auf. Dabei stehen die einen gerade erst in den Startlöchern, die anderen konnten schon wichtige Erfahrung sammeln. Doch es geht nicht nur ums Geld: Die Wettbewerber im Südwesten stehen für ganz unterschiedliche Philosophien und Schwerpunkte. Wir stellen diese vor.
Das Cyber Valley
2016 ins Leben gerufen, ist das Cyber Valley inzwischen nach eigenen Angaben Europas größte Forschungskooperation für Künstliche Intelligenz. Schwerpunkt beim Cyber Valley, das mit den Universitäten Tübingen und Stuttgart sowie verschiedenen Max-Planck-Instituten und Unternehmen zusammenarbeitet, ist die Grundlagenforschung. Das Cyber Valley hat nach den Angaben von Rebecca Reisch, der Geschäftsführerin der Cyber-Valley GmbH, nicht weniger als 1000 Forscher vernetzt. „Hier findet exzellente Forschung auf Weltniveau statt“, meint auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne). „Viele, die am Cyber Valley arbeiten, sind gekommen, weil sie jemand kannten, der dort schon ist“, berichtet Reisch. In Tübingen und Stuttgart profitieren die Wissenschaftler von der Nähe zu den Universitäten, aber auch von der Zusammenarbeit mit verschiedenen Max-Planck-Instituten.
Es ist die erste KI-Einrichtung im Lande – und sie wird weiter ausgebaut: In Tübingen wird für 55 Millionen Euro ein neues Gebäude mit Laboren und Seminarräumen hochgezogen. Das „Cyber Valley I“ soll 2024 fertig werden. Zwei weitere Neubauten werden nach den Angaben des Wissenschaftsministeriums schon geplant.
Innovation Park Artificial Intelligence
Der Innovationspark Künstliche Intelligenz (Ipai) liegt in Heilbronn. Dort geht es nicht um Grundlagenforschung, dort soll Künstliche Intelligenz Firmen bei der Lösung praktischer Probleme helfen. In einem bereits vorhandenen Gebäude sind schon etliche Unternehmen mit von der Partie. Eine komplett neue Ansiedlung soll in der Nähe entstehen. Das Land Baden-Württemberg hat 50 Millionen Euro beigesteuert, ebenso viel kommt von der Dieter-Schwarz-Stiftung. Das Geld von der Stiftung des Lidl-Gründers fließt in gemeinnützige Einrichtungen wie etwa ein Besucherzentrum, in dem man Künstliche Intelligenz hautnah soll erleben können.
Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, hofft, dass Ende 2024 mit dem Bau der ersten Gebäude und der Infrastruktur wie etwa Straßen begonnen werden kann. Bis die Ansiedlung fertig ist, dürfte es sieben bis zehn Jahre dauern.
Andernorts sahen Wettbewerber den Zuschlag für Heilbronn aus dem Jahr 2021 gar nicht gerne. Und immer wieder sagen Beobachter, die zusätzlichen Mittel der Dieter- Schwarz-Stiftung hätten den Ausschlag für Heilbronn gegeben.
KI Allianz BW
Das Geld vom Land hätten auch die Städte Stuttgart und Karlsruhe sowie die Region Neckar-Alb mit Tübingen und Reutlingen gerne gehabt. Anfang 2021 haben sie sich zu einer Genossenschaft für die Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz zusammengeschlossen. Seit Kurzem firmiert diese als KI Allianz Baden-Württemberg. Auch die Ostalb ist inzwischen dabei. Aufsichtsratsvorsitzender ist der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper.
Walter Rogg, einer der beiden Vorsitzenden der Allianz, lässt keinen Zweifel daran, dass er ein anderes Konzept bevorzugt, als dies seiner Ansicht nach in Heilbronn der Fall ist. „Schwarz will alles, was es an KI in Baden-Württemberg gibt, nach Heilbronn holen“, kritisiert der Vorstand. „Schwarz wirbt in Baden-Württemberg und anderswo Experten ab“, meint Rogg, der fast drei Jahrzehnte Wirtschaftsförderer der Region Stuttgart war. „Die Philosophie unserer Allianz ist dagegen Dezentralität. So hat erfolgreiche Landespolitik immer ausgesehen.“
Zunächst wollen die Mitglieder der Allianz unterschiedliche Datenplattformen schaffen, die landesweit zur Verfügung gestellt werden sollen – in Stuttgart etwa für Produktionstechnik, in Freiburg für Medizintechnik.
Die Förderung des Landes beträgt über drei Jahre 11,66 Millionen Euro. Für Aktivitäten innerhalb der Region Stuttgart stellt der Regionalverband für drei bis fünf Jahre weitere 16 Millionen Euro für Kommunen zur Verfügung, die sich mit 50 Prozent an der Finanzierung beteiligen.
Ausblick
Fördergelder sind im KI-Wettrennen wichtig. Doch ohne Vernetzung der Forscher untereinander geht es auch nicht. Eine Zusammenarbeit können sich die KI-Forscher von Cyber Valley, Ipai und der KI Allianz BW durchaus vorstellen. „Wir werden mit jedem, der Interesse hat, zusammenarbeiten, wenn es Sinn macht“, meint Geilsdörfer. Und er fügt hinzu: „Auch ein bisschen Wettbewerb schadet nichts.“
Konkurrenz und Kooperation
Cyber Valley
Streng genommen liegt das Cyber Valley gar nicht in einem Tal, sondern auf Anhöhen in Stuttgart und Tübingen. Das nach eigenen Angaben größte Forschungskonsortium im Bereich der KI wurde 2016 gegründet vom Land Baden-Württemberg, der Max-Planck-Gesellschaft, den Universitäten Tübingen und Stuttgart sowie einigen Firmen, darunter Bosch, Porsche, Mercedes-Benz.
Ipai
Der Innovation Park Artificial Intelligence geht zurück auf eine Machbarkeitsstudie des Wirtschaftsministeriums. Im Wettbewerb zur Standortauswahl setzte sich dann Heilbronn durch. Auf 23 Hektar verfügbarer Fläche soll ein „europaweit führendes Innovationsökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft und intermediären Akteuren“ entstehen, heißt es auf der Homepage.
KI Allianz BW
Die Allianz ist eine Genossenschaft, die aus Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung der Regionen Stuttgart, Karlsruhe, Neckar-Alb, Freiburg, Nordschwarzwald und dem Ostalbkreis besteht. Ziel ist es, ein „standortübergreifendes Leistungsportfolio entlang der gesamten KI-Innovationskette“ aufzubauen. Geschäftsführer ist der KI-Experte Ingo Hoffmann.