Leben für die Musik: Tonia Danese und Uwe Lenz Foto: Fotostudio Pelz

Er war Mechaniker, sie Grafikerin. Dann setzten sie auf die Musik und bereuen nichts: Tonia Danese und Uwe Lenz sind die Birds Band und haben in Winnenden eine Musikschule.

Unzählige Gitarren, Mandolinen, Flöten und andere Instrumente hängen an den Wänden. Daneben Zettel mit Songtexten und Akkordfolgen – und ein Kalender, randvoll mit Auftrittsterminen. Kein Zweifel: Im „Saitengässle“ in Winnenden-Schelmenholz (Rems-Murr-Kreis) dreht sich alles um die Musik. Seit 2014 betreiben Tonia Danese und Uwe Lenz gemeinsam die private Musikschule, zudem tingeln sie als „Die Birds Band“ durchs Land. Die Geschichte der beiden ist aus mehreren Gründen bemerkenswert.

 

Ursprünglich haben sie etwas ganz anderes gelernt: Danese ist ausgebildete Grafikerin, Lenz hat 20 Jahre als Mechaniker bei Stihl und in anderen Jobs gearbeitet – doch bei beiden war die Musik immer die eigentliche große Leidenschaft. Während sie schon als Jugendliche auf den Straßen von Winnenden, Stuttgart und Tübingen ihr Taschengeld aufbesserte, hatte er mehr und mehr Auftritte mit seinem Bruder Martin Lenz. Das führte ihn schließlich zu einem Job beim Soundland Fellbach, einem großen Musikinstrumentenhandel.

Die Birds Band – warmherziger Folkrock aus Murrhardt

Und dort hat die Musik die Wege der beiden zusammengeführt. „Eines Tages stand sie dann im Soundland, ihre Mutter war dabei“, erinnert sich Uwe Lenz. Danese hatte sich mit der Straßenmusik Geld für eine neue Gitarre dazu verdient. „Ich war damals großer Avril-Lavigne-Fan, die Gitarre sollte daher schwarz sein, wie ihre“, sagt die Musikerin und grinst. Die Klampfe hat sie noch heute, über und über mit Stickern beklebt.

Sie ist nur eines der Instrumente in einer inzwischen beachtlichen Sammlung der beiden. Bei ihren Auftritten kommen bis zu zwölf Instrumente zum Einsatz – Danese und Lenz singen, Danese spielt nebenbei Gitarre oder Mandoline, mit Fußpedalen zudem Cajon und Hihat, während Lenz sich zusätzlich zum Saiteninstrument oft noch eine Mundharmonika umschnallt. Echtes musikalisches Multitasking.

Uwe Lenz und Tonia Danese wagten den Schritt zu Vollzeitmusikern

Die CDs der beiden sind echte Gesamtkunstwerke. Foto: Weingand

Von der Begegnung damals im Instrumentenladen ist noch mehr geblieben. „Wir waren lange Zeit einfach nur beste Freunde“, erinnert sich Danese. Einige Jahre, in denen sie in Thüringen für eine Agentur arbeitete, habe auch gar kein Kontakt mehr bestanden. Aber als sie nach einem privaten wie beruflichen Umbruch wieder ins Schwabenland zurückkam, lebte die Zuneigung wieder auf.

Die beiden entschieden sich trotz des großen Altersunterschieds – er ist heute 59, sie 35 – füreinander. Und für die Musik. „Wenn man seit seiner Kindheit der Musik verfallen ist – so etwas kann man nicht einfach wegdrücken“, sagt Lenz. Er selbst lebt jetzt seit Oktober 2010 von der Kunst und dem „Saitengässle“, Danese wagte den Schritt vier Jahre später. „Das war das Beste, was uns passieren konnte“, sagt sie.

Beide sind weder ausgebildete Pädagogen noch studierte Musiker – anfängliche Zweifel deswegen verflogen bald. „Schon nach rund vier Monaten war die Musikschule voll“, erinnert sich Danese. Dank Videotechnik überstanden sie auch die Coronazeit. „Nicht ein einziger Schüler ist während dieser Zeit abgesprungen“, sagt Lenz. Die beiden haben heute rund 100 Musikschüler im Alter von fünf bis 84 Jahren. Seit 2020 sind die beiden verheiratet und leben in Murrhardt.

Und dann gibt es noch die Band. Die Musik der beiden lässt sich schwer beschreiben – viel Folk, ein bisschen Country, eine Portion Rock und Soul, dazu der zweistimmige Gesang eines hörbar guten Teams, das Ganze wirkt angenehm aus der Zeit gefallen. Eine Zeit lang waren Danese und Lenz als „Birds of a Feather“ bekannt, was sich sinngemäß mit „zwei vom selben Schlag“ übersetzen lässt. So passend der Name war: „Leider gab es einige Verwechslungen mit einer gleichnamigen Band aus der Schweiz“, erzählt Lenz.

Live auf der Bühne leben die beiden Musiker richtig auf

Danese und Lenz in der gemeinsamen Musikschule. Foto: Phillip Weingand

Ob beim Sommerpalast in Murrhardt oder auf Schloss Ebersberg in Auenwald, auf verschiedenen Stadtfesten und Weihnachtsmärkten – die zwei leben für ihre Liveauftritte. „Wenn man die Leute mitreißen kann und da eine Verbindung entsteht – das ist einfach toll“, schwärmt Lenz. Danese stimmt zu: „In solchen Momenten erinnert man sich daran, warum man das Ganze eigentlich begonnen hat.“ Bei ihren Gigs mixen die beiden gekonnt ihre eigenen Stücke mit Coversongs, die sie sich mit ihrem typischen Sound zu eigen machen.

Das Herzstück der Gruppe ist das charismatische Ehepaar. Live werden sie oft von Sascha Schwegler am Bass und Andy Kemmer an der E- beziehungsweise Lap-Steel-Gitarre unterstützt. Auf dem neuen Album „A Walk in Paradise“ haben zudem unter anderem der gefeierte Schorndorfer Gitarrist Calo Rapallo und Pianist Marvin Klopfer mitgewirkt.

Daneses Ausbildung zur Grafikerin macht sich übrigens auch noch bezahlt: Dank ihrer Gestaltung sind die Booklets der beiden bislang veröffentlichten CDs echte Kunstwerke für sich – sehenswert, vor allem in Zeiten von scheinbar alleskönnender Künstlicher Intelligenz, seelenloser MP3-Downloads und Streamingdiensten. Aber auch dort kann man sich die Musik der beiden natürlich anhören.

Folkrock aus Murrhardt

Besetzung
Die Birds Band gibt es in verschiedenen Konstellationen – als Duo, als Quartett oder als Trio. Zudem präsentiert Tonia Danese ihre eigenen Songs solo unter dem Künstlernamen Lady Moonbird, die Gebrüder Lenz spielen als Lenz Brothers 70er- und 80er-Jahre-Cover. Wenn alle drei zusammen musizieren, nennen sie sich Rusty Rose, mit dem Schwerpunkt auf Southern-Rock-Klassikern.

Auftritte
In der kommenden Zeit sind Tonia Danese, Uwe Lenz und ihre Mitmusiker unter anderem beim Waiblinger Weihnachtsmarkt (27. und 29. November), beim Sternlesmarkt Bietigheim (28. November), bei der Schatzkiste in Schorndorf (5. Dezember), in der Waldhalle Mainhardt (28. Februar) und am 19. März im Soundwerk Fellbach zu hören.