Künstler Willi Baumeister weltweit gefragt Die neue Magie der Farbpoesie

Von Nikolai B. Forstbauer 

„Willi Baumeister international“ hieß 2013 eine Ausstellung zum Werk des Stuttgarter Malers Willi Baumeister (1889-1955). Aktuell ist Baumeister in Peking und in New York zu sehen. Und die Nachfrage steigt weiter, wie eine Bestandsaufnahme der „Stuttgarter Nachrichten“ zeigt.

Stuttgart - Das Ziel ist klar formuliert: Es gelte „die Wurzeln des gegenwärtigen Kunstschaffens auf allen Gebieten sichtbar zu machen“, schreibt Arnold Bode, als er 1955 die Bundesgartenschau in Kassel zum Anlass nimmt, eine Großausstellung zur internationalen Gegenwartskunst zu realisieren. Bode wird sein Projekt Documenta nennen – und die bekannteste Ausstellungsreihe der Welt begründen. Für den in Richtung Abstraktion drängenden ­Ansatz der Schau sorgt Werner Haftmann. Mittendrin in der Künstlerriege der am 16. Juli 1955 eröffneten Documenta: der zum Kronzeugen der lyrischen Abstraktion und des internationalen Künstleraustauschs avancierte Willi Baumeister.

Baumeisters Documenta-Bilder in Peking

Seit zwei Tagen bilden drei Bilder des wenige Wochen nach der Documenta-Eröffnung am 31. August in seinem Atelier in Stuttgart verstorbenen Baumeister das Herzstück einer Schau zur Documenta im Central Academy of Fine Arts Museum in Peking. „Mythos Documenta – Arnold Bode und seine Erben“ heißt die Schau, die das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Documenta-Archiv Kassel und dem Institute for Art Administration and Education der Central Academy of Fine Arts in Peking erarbeitet hat und die im Anschluss auch in Shanghai zu sehen sein wird.

Vorbild für Bodes Documenta-Idee war unter anderem die Armory Show 1913 in New York – ein Paukenschlag der Kunstgeschichte, mit dem die europäische Moderne sich als weltweiter Schrittmacher der Kunst empfahl. Seit 1994 trägt eine in New York neu gegründete Kunstmesse den klangvollen Namen. Und eben dort sind nun als zentrale Präsentation der Berliner Galerie Klaus Gerrit Friese ebenfalls Bilder und Zeichnungen von Willi Baumeister zu sehen.

Baumeister-Triumph mit den „Montaru“-Bildern

Willi Baumeister? 1889 in Stuttgart geboren, lernt er in der Klasse von Adolf Hölzel an der Stuttgarter Akademie unter anderen Oskar Schlemmer kennen. Anders als Schlemmer aber vertraut der bereits 1911 erstmals nach Paris gereiste Baumeister nicht in aller Unbedingtheit einer Neubestimmung der Figuration.

Baumeister zerlegt Figur und Landschaft, ihre Fragmente begegnen sich als scheinbar unabhängige Elemente, lernen gar das Schweben – und bilden doch über die weiteren Jahrzehnte stets ein lesbares Baumeister-Vokabular. Härter als jenes der französischen Freunde, eleganter als das der Ende der 1940er Jahre neu antretenden jungen deutschen Künstler.

Baumeister, von 1928 bis 1933 Professor an der Frankfurter Kunstgewerbeschule, in Hitler-Deutschland verfemt und 1946 an die Stuttgarter Akademie berufen, treibt das präzis Leichte voran. Schließlich summiert Baumeister die erreichten bildnerischen Qualitäten und nutzt sie für einen in den „Montaru“-Bildern durch den viel zu frühen Tod im August 1955 gestoppten triumphalen Neuansatz.

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