Robert Steng in seinem Atelier in den Wagenhallen Foto: Armin Friedl

Die Arbeiten aus Holz des Stuttgarter Künstlers Robert Steng sind gefragte Ausstellungsstücke: Die Städtische Galerie Ostfildern zeigt eine Auswahl davon bis zum 17. März.

S-Nord - Egal, ob man Robert Steng in einer seiner Ausstellungen trifft – derzeit etwa in der Städtischen Galerie Ostfildern – oder beim Werkeln in seinem großzügig gestalteten Arbeitsraum in den sanierten Wagenhallen: Der junge Mann hat eine baumstarke Präsenz. Markant, aber nie aufdringlich.

Die Liebe zur großen Form

Da passt es gut, dass Steng am liebsten mit Holz arbeitet. Und da formt er nicht gerade filigrane Figürchen. Er hat eine Neigung zur großen Form, schätzt Holz als ein Arbeitsmaterial, das eine Geschichte hat und das davon erzählen kann. Wenn es also um das Ausstellen der Arbeiten von Steng geht, ist so ein sehr großzügig geschnittener Raum wie im Ostfilderner Stadthaus klar im Vorteil. Denn erst da zeigt sich so richtig, dass Robert Steng auch ein großer Scharlatan ist.

Da ist etwa ein mehrere Meter großer Würfel in Wandnähe, gefertigt als Gerippe aus Holzbrettern. Der müsste eigentlich weit in den Raum hineinragen, sagt die Seherfahrung. Doch diesen Gefallen tut das Objekt dem Betrachter nicht. Man muss da schon ganz nah rangehen, um festzustellen: Das Ding ist flach wie eine Flunder. Da werden eben verschiedene Maserungen verwenden, verschiedenfarbige Holztöne, die letztlich einen dreidimensionalen Effekt vorgaukeln, der real gar nicht gegeben ist.

Der Betrachter wird in die Irre geführt

Das erinnert an die Zeichnungen des niederländischen Künstlers M. C. Escher, der die Betrachter foppt, wenn sie seinen gezeichneten Figuren genau beim Treppauf- oder Treppabsteigen folgen. Denn schnell wird offensichtlich, dass die nirgendwo ankommen, dass überhaupt das ganze Treppenkonstrukt ein geschlossener Kreislauf ist, was real so gar nicht gebaut werden kann. Oder an die barocken Illusionsmaler, die vor allem in Kirchen einen Raum malen, der gar nicht vorhanden ist. Oder sie gaukeln etwa die Verwendung von kostbarem Marmor vor, obwohl doch tatsächlich nur die damals übliche Spachtelmasse verwendet wurde. Nur: Steng zeichnet nicht, er arbeitet mit Holz, das eben nicht einmal ansatzweise so gefügig ist wie ein Pinsel oder ein Zeichenstift.

Und da biegt er eben auch das Holz auf eine Art und Weise, dass man sich wundern muss, wie er das hinbekommen hat, ohne dass das Material bricht. Ein paar Jugendliche, die es an diesem kalten Nachmittag ebenfalls in die Städtische Galerie verschlagen hat, sind von dem auch sehr angetan, machen auch Anstalten, diese Objekte einem größeren Belastungstest zu unterziehen. „So lange sie da nicht gar zu grob rangehen, ist das in Ordnung“, bemerkt Steng da wieder in ruhigem Ton. Na ja, Holz an sich ist in der Tat ja nicht sonderlich zimperlich.

Holz erzählt Geschichten

Doch in diesem speziellen Fall hat er sich auf professionelle Hilfe verlassen. „Dieses gerundete Holz stammt aus einer Küferei in Bietigheim. Dort wurden Fässer mit einem Fassungsvermögen von bis zu 10 000 Litern gebaut. Inzwischen haben die umgestellt auf die Herstellung von Fässern aus Kunststoff. Den Betrieb kenne ich nun schon seit gut 30 Jahren. Da konnte ich mich gut umschauen und einiges an Hölzern in mein Atelier mitnehmen“, sagt Steng. Das sind die Orte, von denen der Künstler nicht nur sein Arbeitsmaterial, sondern auch seine Ideen bezieht. Steng: „Am Holz interessiert mich weniger die Sorte, sondern es geht mehr darum, ob da Arbeitsspuren darauf zu sehen sind. Abgelagerte Hölzer sind da immer sehr interessant.

Einige Tage nach dem Ausstellungsbesuch ist Steng in seinem neu geschaffenen Atelier in den Wagenhallen gleich neben den Schienen der Gäubahn. Auch da transportiert er wieder Hölzer, die schon ziemlich betagt aussehen. Sein Ziel war dieses Mal eine Fabrik, die einst Parkettböden hergestellt hat. In seinem Atelier stapelt Steng die nebeneinander, für den Betrachter von außen gibt es keinen erkennbaren Plan. Steng: „Welches Holz ich für welche Arbeit verwende, das weiß ich meist auch nicht so genau am Anfang.“ Da ist es schon von Vorteil, wenn man sich am besten jeden Tag im Atelier aufhält, um alles auszuprobieren.

Täglich im Atelier

Neben der Kunst gibt es immer noch die praktische Arbeit. Der gelernte Möbelschreiner war lange als Kulissenbauer am Staatstheater Stuttgart und in Berlin tätig. Seit 2000 ist er freischaffender Künstler. Doch er nimmt immer wieder Aufträge an, wenn es um den Aufbau von Bildern geht, sei es drinnen für das Theater oder draußen für Filmaufnahmen.

Allerdings ist er mit etwa vier Ausstellungen im Jahr derzeit auch als Künstler ganz gut beschäftigt.

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