Falkenmama Perenelle füttert ihre kleinen Federknäuel. Foto: Naturschutzbund

Bereits vergangenes Jahr hat das höchste Vogelnest der Republik dem Schwabenlandtower bundesweite Schlagzeilen beschert. Jetzt sind in 107 Meter Höhe erneut Küken geschlüpft – und eine Webcam liefert faszinierende Einblicke ins Brutgeschäft.

Fellbach - Piepsend sitzen vier kleine Federknäuel in der Nestbox. Um ein Häppchen zu ergattern, recken die süßen Küken ihre Schnäbelchen der Falkenmama entgegen. Mutter Perenelle wärmt den Nachwuchs, wenn gerade keine Fütterung ist. Und auch den Leuten vom Fellbacher Naturschutzbund wird bei dem Anblick warm ums Herz. „Im Moment sind alle völlig verzückt“, heißt es bei den Vogelfreunden, die in den vergangenen zwei Jahren die Ansiedlung der Falken auf dem Schwabenlandtower verfolgt haben.

Im Internet hat die Projektgruppe jetzt eine eigene Homepage online gestellt

„Seit wir die Kameras installiert haben, gibt es eine ganz neue Qualität für die Beobachtung der Falken“, sagt Friedemann Tewald. Er kümmert sich federführend um die technische Einrichtung der beiden Webcams. Zusammen mit seinem Bruder, einem Elektrotechniker, hat er ein anspruchsvolles System ausgetüftelt. Zwei Kameras senden Bilder auf Computer und Smartphones örtlicher Ornithologen. Mit Infrarottechnik wird sogar nachts gefilmt. Mit der Überwachungstechnik war schon bei der ersten Brut im vergangenen Jahr geliebäugelt worden. Der Nistkasten musste seinerzeit aber sehr kurzfristig eingerichtet werden, um zu vermeiden, dass sich die Falken an einer anderen Stelle im Gebäude niederlassen. In diesem Jahr haben die Nabu-Leute gehandelt, bevor die Eier gelegt sind: „Wir haben rund um die Uhr eine stabile Bildübertragung, können Standbilder machen oder ganze Filmsequenzen mitschneiden“, sagt Tewald.

Erst waren es drei Küken, dann kam noch ein Nachzügler

Im Internet hat die Projektgruppe jetzt eine eigene Homepage online gestellt, über die Adresse www.falcommunity.de können alle Interessierten den Falken beim Brutgeschehen in 107 Meter Höhe zuschauen. Selbst Herbert Kugel, einer der Aktivposten im Falken-Team, freut sich über die Qualität der Aufnahmen. Dabei hat er schon von seiner Wohnung aus perfekten Ausblick. „Jetzt kann ich mit dem Fernrohr schauen, was draußen passiert und sehe außerdem genau, was im Nistkasten vor sich geht. Die Livebilder sind unglaublich gut“, sagt er. Genutzt haben die Naturschützer die High-Tech-Ausrüstung besonders intensiv vor einigen Tagen. Da musste eine Baufirma ein Gerüst stellen. Um die Falken nicht ausgerechnet in der sensibelsten Brutphase zu stören, verständigten sich Naturschützer und Bauleitung über Regeln für die Arbeit am Tower. Mit Erfolg: Nur einmal sei das Weibchen für ein paar Minuten länger als üblich nicht auf den Eiern gesessen. „Sobald niemand mehr am Gebäude zu sehen war, ist sie wieder rein in die Nestbox“, sagt Heike Dougall – und spricht von einer vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Baufirmen und ehrenamtlichem Naturschutz.

Erst waren es drei Küken, dann kam noch ein Nachzügler. Namensideen aus der Bürgerschaft werden dankend angenommen, die Vorschläge werden über die Mailadresse redaktion@fellbacher-zeitung.de in den nächsten Tagen gesammelt. Übrigens: Selbst einen Blitzschutz durften die Vogelfreunde an der Nistbox in luftiger Höhe anbringen. Weil bei Gewitter bei einem 107 Meter hohen Gebäude ein Blitzeinschlag nicht ganz unwahrscheinlich ist, wurden mehrere Überspannungssicherungen verbaut. Das soll nicht nur die Elektronik der Webcams schützen. Sondern auch verhindern, dass aus süßen Falkenküken kurzerhand gegrillte Chicken Wings werden.

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