Kügelchen gegen Krankheit Homöopathie: Der Globuli-Krieg

Von Markus Brauer 

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An Homöopathie auf Kassenrezept wird nicht gerüttelt - auch wenn Heilmethode umstritten ist.

Stuttgart - Kaum ein alternatives Heilverfahren entzweit die Menschen so sehr wie die Homöopathie. Die einen schwören darauf, die anderen halten sie für Quacksalberei. Angesichts der Finanznot der Krankenkassen ist der Streit jetzt in der Politik angekommen.

Der Südwesten ist Deutschlands Homöopathie-Hochburg. Firmen wie Staufen-Pharma (Göppingen), Weleda (Schwäbisch Gmünd) oder Wala Heilmittel (Bad Boll) stellen aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Substanzen homöopathische und anthroposophische Präparate her. In vielen Haushalten stehen im Arzneimittelschrank kleine braune Fläschchen mit weißen Kügelchen. In keiner homöopathischen Hausapotheke dürfen Globuli mit Aconitum (Eisenhut), Arnica (Bergdotterblume) oder Belladonna (Schwarze Tollkirsche) fehlen.

Karl Lauterbach bringt dieser Globuli-Wahn zur Raserei. Homöopathie ist für den Politiker Aberglaube, Nonsens. Dass Millionen Deutsche an ihre Wirksamkeit glauben, muss der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion zähneknirschend hinnehmen. Dass es aber den Besuch beim homöopathischen Arzt weiterhin auf Kassenrezept geben soll, will er nicht länger hinnehmen. "Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen", erklärte er im "Spiegel". Dem habe er nichts hinzuzufügen, sagt er unserer Zeitung. Viele Ärzte würden die Naturheilkunde ohnehin nur aus Marketinggründen anbieten, obwohl sie nicht daran glaubten.

Mit seinem Verdikt steht Lauterbach nicht allein. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn meint, man könne das Ende der Homöopathie auf Rezept doch bald gemeinsam regeln. Einen Verbündeten haben die Anti-Homöopathen im designierten Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Jürgen Windeler: "Die Homöopathie ist ein spekulatives, widerlegtes Konzept." Dazu müsse man nicht mehr weiterforschen, die Sache sei erledigt.

Doch eine Große Koalition contra Homöopathie wird es wohl nicht geben. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach haben 53 Prozent der erwachsenen Bundesbürger schon einmal Globuli verwendet - 1970 war es nur knapp jeder Vierte. Angesichts dieser Beliebtheit dürfte es so schnell nicht zu Einschränkungen kommen.

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