Max Müller leiten die Geschicke von Alno seit 2011 – so lange wie keiner seiner Vorgänger. Aus der Krise führen konnte er den Küchenbauer bisher allerdings auch nicht. Foto: dpa

Der bosnische Großaktionär, die Industriellenfamilie Hastor, strebt offenbar einen Führungswechsel beim Küchenbauer aus Pfullendorf an. Hintergrund könnten Unstimmigkeiten über den Sanierungskurs sein. Doch das Unternehmen dementiert.

Stuttgart - Beim hoch verschuldeten Küchenbauer Alno aus Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) könnte sich ein neuerlicher Chefwechsel andeuten. Nach Informationen unserer Zeitung treibt der Hauptanteilseigner, die Investmentgesellschaft Tahoe der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor, die Ablösung des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Max Müller voran. Hintergrund seien unterschiedliche Ansichten über den Sanierungskurs, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Ein Alno-Sprecher dementierte am Freitag, dass es Unstimmigkeiten gebe.

Müller, der selbst gut sechs Prozent der Anteile an der Alno AG hält, hat die operative Führung seit 2011 inne. Nach zahl­reichen Führungswechseln in den Jahren davor ist mit ihm eine gewisse Ruhe an der Konzernspitze eingekehrt. Aus den roten Zahlen konnte Müller den Küchenbauer allerdings auch nicht manövrieren.

Vorlage der Jahreszahlen schon zweimal verschoben

Alno hatte am Donnerstag überraschend die für Freitag geplante Vorlage der Jahreszahlen für 2016 verschoben – bereits zum zweiten Mal. Ursprünglicher Termin war der 31. März. Nun sollen die Zahlen am 9. Juni vorgelegt werden. Die Verschiebung stehe im Zusammenhang mit den laufenden Maßnahmen zur Restrukturierung und Neuausrichtung des Konzerns sowie mit dem Personalabbau, unter anderen auch in der Finanzabteilung und im Rechnungswesen, teilte ein Sprecher mit. Arbeitgeber und Betriebsrat hatten sich, wie berichtet, bereits auf den Abbau von 140 Stellen im Inland geeinigt. Über die Streichung weiterer 100 Stellen in ausländischen Tochtergesellschaften wird derzeit noch verhandelt.

Die Familie Hastor hatte Anfang dieses Jahres die Kontrolle beim Küchenbauer übernommen. Über ihre Investment­gesellschaft Tahoe hält sie derzeit 43,13 Prozent des Grundkapitals und damit auch der Stimmrechte. Darüber hinaus stellt der Großinvestor fünf der neun Aufsichtsräte bei Alno, darunter den Vorsitzenden des Gremiums, Christian Becker.

Zur Hastor-Firmengruppe gehört auch der Autozulieferer Prevent, der im vergangenen Sommer mit einem Lieferboykott mehrere VW-Werke lahmgelegt hatte. Beim bayerischen Zulieferer Grammer, an dem die Investorenfamilie derzeit zwischen 20 und 30 Prozent der Anteile hält, will sie auf der Hauptversammlung am 24. Mai den Vorstandschef Hartmut Müller ablösen und die Kontrolle im Aufsichtsrat übernehmen. Dagegen hatte es zuletzt mehrere Protestaktionen an den deutschen und tschechischen Grammer-Standorten gegeben.

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