Eröffnen den „Kubus“-Reigen im Kunstmuseum Stuttgart: Werke von Corinne Wasmuht Foto: Frank Kleinbach

Zum dritten Mal präsentiert das Kunstmuseum Stuttgart das Projekt „Kubus. Sparda-Kunstpreis“. Eröffnet wird die Schau mit Arbeiten von Corinne Wasmuht, Leni Hoffmann und Myriam Holme an diesem Freitag um 19 Uhr. Das „Stuttgarter Nachrichten“-Resümee: sehenswert.

Stuttgart - Nach leicht holprigem Beginn 2013 glänzte das Projekt „Kubus. Sparda-Kunstpreis“ im Kunstmuseum Stuttgart 2015 als konsequent bespielte Bühne durchaus radikaler Positionen zum Thema Kunst und Musik. Die Latte liegt hoch, wenn es nun im dritten ­Kubus-Durchgang darum gehen soll, unter dem Themenstichwort „Erweiterte Malerei“ gültige Gegenwelten der Verwendung ­malerischer Mittel zur Diskussion zu stellen.

Ideale Ausgangslage

Wieder könnten die Voraussetzungen für die drei Nominierten nicht besser sein. ­Jeweils ein ganzes Geschoss des Kunst­museum-Kubus können Leni Hoffmann (1962 geboren), Myriam Holme (1971 geboren) und Corinne Wasmuht ­(1964 geboren) bespielen, um sich über die Schau ­hinaus für den mit 20 000 Euro dotierten Preisentscheid zu empfehlen. Eine Ausgangslage, die auf Museumsebene höchst selten ist.

Auf den ersten Blick beflügelt diese Freiheit das Geschehen auf den Kunstmuseums-Etagen nur eingeschränkt. Man sieht sich im ersten Geschoss einer klassischen Bilderwelt gegenüber (Corinne Wasmuht), findet sich im zweiten Geschoss in der Andeutung einer sich in den Raum hinein entwickelnden Diskussion von Farbe und Material gegenüber (Myriam Holme) und wird im dritten Geschoss fast wie erwartet vom Besucher zum Beteiligten (Leni Hoffmann).

Corinne Wasmuht und Leni Hoffmann dominieren

Ist dieser Dreiklang aber den drei beteiligten Künstlerinnen vorzuwerfen? Doch wohl kaum. Bewusst oder unbewusst hat die Juryentscheidung zur Nominierung (und damit zur Ausstellung ihrer Werke) von Wasmuht, Holme und Hoffmann zu einer Sichtbarmachung der Möglichkeiten im Bild selbst, in der Nutzung unterschiedlicher Materialien und schließlich unter dem Stichwort Interaktion geführt. Und nicht nur durch ihre Platzierung im ersten beziehungsweise dritten Obergeschoss nehmen Wasmuht und Hoffmann in diesem Szenario Holmes Annäherung an die Reaktionen diverser ­Naturmaterialien in ihrer Kombination, aber auch an die Überformung von Stahl und Glas durch bewusst ausgelöste Veränderungsprozesse buchstäblich in die Zange.

Hier die analytisch sezierende Malerin Wasmuht, dort die auf den jeweiligen Ort und dessen Bedingungen reagierende Hoffmann – da hat es selbst der Ansatz eines Raumgeflechtes („glanzgewebtes Dazwischen“) schwer. Und doch bietet gerade ­Holmes Etage einen besonderen Moment: Von der „Brücke“ über den Oberlichtsaal im ersten Geschoss aus sorgen Eva-Marina ­Froitzheim und Kunstmuseumsdirektorin Ulrike Groos als „Kubus“-Kuratorinnen für einen eindringlichen Dialog. Der Blick geht zugleich auf eine Malerei Corinne Wasmuhts, die aus der Zersplitterung realer Raumordnungen neue­ Offenheiten schafft und so Innenräume und Außenräume einander annähert – und weiter geht der Blick hinüber auf eigentümlich künstliches Wasserwogen in einem Video von Myriam Holme.

Alles auf Anfang

Alles auf Anfang

Von diesem Punkt aus, an dem sich die ­Erwartungen an Künstlichkeit (Wasmuhts Räume lösen deren ursprüngliche Künstlichkeit buchstäblich auf) und an die „Natürlichkeit“ (Holmes Wogen unterlaufen in ihrem provozierten Verlauf jede Möglichkeit romantischer Gefühle) als hohl erweisen, ist diese „Kubus“-Präsentation noch einmal neu zu sehen. Nicht nur, weil Myriam Holme mit ihrer Installation „ein bogen hinauf ins vielleicht“ die Dinge wieder komplett zugunsten unserer Hoffnungen in die „Stunde Blau“ verkehrt.

Vor allem deshalb, weil im dritten Obergeschoss Leni Hoffmann wartet – und die Frage malerischer Möglichkeiten dramaturgisch geschickt zuspitzt. Mit Knete verwandelt sie die drei raumhohen Zugänge in ein Hinterglasbild-Triptychon und den Boden mit drei ausgebreiteten überdimensionalen Ovalformen, Blütenblätter gleichend, in ein begehbares – und sich ­damit während der Ausstellung bis zum 18. Juni ständig veränderndes – „Bild“. Sie „malt“ zudem mit Gitterrosten und macht die Tageszeitung in deren Produktion auf der Druckstraße zur Bühne für eine Endlosfarbbahn.

Preisvergabe am 30. Mai

Hoffmann, Holme und Wasmuht haben ihre Werk-Entscheidungen getroffen, nun muss die Kubus-Jury tagen – am 29. Mai. Vergeben wird der Sparda-Kunstpreis am 30. Mai. Der eigentliche Gewinner steht – ungeachtet der Detailschwächen – indes schon fest: das Format und seine Möglichkeit, vor Ort und für den Ort zu arbeiten.

Zu sehen ist die Schau bis zum 18. Juni (Di bis So: 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 21 Uhr). Kunstmuseumsdirektorin Ulrike Groos führt am Freitag, 31. März, durch die Ausstellung (Beginn: 18 Uhr). Der Eintritt in die Schau „Kubus. Sparda-Kunstpreis im Kunstmuseum Stuttgart“ kostet 11 Euro (ermäßigt 8 Euro) – inklusive Zutritt zu den Sammlungsräumen des Kunstmuseums im Erdgeschoss und im Untergeschoss. Kinder unter 15 Jahren haben freien Zutritt. Öffentliche Führungen gibt es Freitags um 18 Uhr und Sonntags um 15 Uhr (2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro zuzüglich Eintritt).

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: