Geht doch: Eine würfelförmige Melone in Japan. Foto:  

Nicht alles, was die Natur hervorbringt, ist auch praktisch. Was für ein Glück.

Stuttgart - Früchte und Gemüse haben oft unpraktische Formen. Wie viele zusätzliche Bananen könnten zum Beispiel in eine Kiste passen, wenn die Dinger nicht so krumm wären! Die EU hat zwar eine Bananenverordnung, doch anders als vielfach behauptet, gibt es darin keine Vorschrift für die maximal zulässige Krümmung. Das liegt wohl auch daran, dass es bis jetzt keiner geschafft hat, im kommerziellen Maßstab gerade Bananen zu produzieren. Aber mit den rasanten Fortschritten auf dem Gebiet der Genetik wachsen die Möglichkeiten, Pflanzen nach unseren Vorstellungen zu verändern.

Tomaten für jeden Geschmack

Schon bisher haben Pflanzenzüchter Erstaunliches geleistet – ganz ohne Gentechnik, nur durch Kreuzung und Auslese. Das Ergebnis kann man etwa an den vielen unterschiedlichen Tomaten in einem gut sortierten Gemüseregal sehen. Das Angebot reicht von Kirschtomaten über walzenförmige Tomaten, Fleischtomaten mit tiefen Furchen bis hin zur riesigen Ochsenherztomate. Forscher der University of Georgia wollten genauer wissen, was hinter dieser Vielfalt steckt. Sie halbierten Tomaten, erfassten die Form der Hälften mit einem Scanner und untersuchten parallel dazu das Erbgut. Dabei entdeckten sie zwei Genfamilien, die eine Schlüsselrolle beim Fruchtwachstum zu spielen scheinen. Eine Gruppe von Genen enthält demnach Baupläne für Proteine, welche die Zellen anregen, sich in vertikaler Richtung zu teilen. Die andere Gruppe von Genen steuert die Bildung von Eiweißen, die das horizontale Zellwachstum stimulieren.

Fachleute glauben aber nicht, dass es bald massenhaft quadratische Tomaten oder gerade Bananen geben wird. Das Zusammenspiel der Gene ist eben doch kompliziert. Und viele Genveränderungen, die ungewöhnliche Fruchtformen hervorbringen, können unerwünschte Effekte haben – etwa dass die Früchte schrecklich schmecken. Dann doch lieber eine krumme, aber leckere Banane.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, rechteckige Früchte zu ernten, die den Platz in einer Kiste oder im Kühlschrank optimal nutzen. So ziehen die Japaner schon lange würfelförmige Wassermelonen heran, indem sie die Früchte in entsprechend geformte Behälter hineinwachsen lassen. Für diese Melonen aus Käfighaltung zahlen Kunden gesalzene Preise. Genauso lassen sich auch quadratische Tomaten produzieren. Allerdings wäre es vermutlich billiger, die Dinger auf einem 3-D-Drucker herzustellen, der mit Spezialtinte aus Tomatenmark druckt.

Der unfallsichere Mensch

Nicht nur Früchte sind oft unzweckmäßig geformt. Auch der Mensch ist in vielerlei Hinsicht nicht an das Leben in der modernen Welt angepasst. So quittiert unser Körper Verkehrsunfälle viel zu oft mit schweren Verletzungen oder gar dem Tod. Das muss nicht sein, dachten sich australische Forscher und entwarfen Graham, „die einzige Person, die geschaffen wurde, um auf unseren Straßen zu überleben“. Graham hat einen gewaltigen Schädel, der das Gehirn mit extradicken Knochenwülsten, stoßdämpfenden Gewebestrukturen und einer Extraportion Hirnflüssigkeit schützt. Sein Gesicht ist flach wie eine Flunder, um die Verletzungsgefahr zu mindern. Die Rippen wurden bis zum Schädel hochgezogen, um diesen bei einem Crash in einer stabilen Position zu halten. Einen Hals im herkömmlichen Sinn hat Graham daher nicht mehr. Schließlich gaben ihm seine Schöpfer verstärkte Rippen und zusätzliche Fußgelenke mit auf den Weg, mit denen er gewaltige Sprünge vollführen kann, um sich als Fußgänger vor heranrasenden Autos zu retten.

Das ist bestimmt alles sehr zweckmäßig, sieht aber furchterregend aus. Sorry Graham, aber im Vergleich zu dir geht Frankensteins Monster locker als Fotomodell durch. Vielleicht ist es doch besser, den Autoverkehr an die Menschen anzupassen – und nicht umgekehrt. Es gibt aber immer noch Verkehrspolitiker, die das nicht sehen wollen. Wahrscheinlich haben sie Tomaten auf den Augen.

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