Krone Alt-Hoheneck Ein Außenantiquariat und anständige Wirtsleute

Von Anja Wasserbäch 

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Das gute alte Gasthaus, so ist es immer wieder zu hören, ist vom Aussterben bedroht. Das Gasthaus, in dem es ehrliche Gerichte ohne Maria Hilf gibt, in das man sonntags mit der Familie­­ einkehrt, in dem der Wirt noch das halbe Dorf kennt. Ein Testabend in der Krone in Alt-Hoheneck.

Ludwigsburg - Das gute alte Gasthaus, so ist es immer wieder zu hören, ist vom Aussterben bedroht. Das Gasthaus, in dem es ehrliche Gerichte ohne Maria Hilf gibt, in das man sonntags mit der Familie­­ einkehrt, in dem der Wirt noch das halbe Dorf kennt. In der Ortschaft Hohen­eck, die zu Ludwigsburg gehört, gibt es diese vom Aussterben bedrohte Art.

Es ist Sonntagabend. Die Krone ist mal wieder ausgebucht. Wie schon die Woche zuvor, als wir keinen Platz mehr bekommen haben. Die Herren Markus und Pascal Fetzer (übrigens keine Brüder, sondern Schwäger) haben sich gemeinsam mit Gattin und Mutter der Wirtschaft nahe der Kirche, in der an diesem Abend ein Chor singt, (schöner geht’s eigentlich nicht mehr!) angenommen. Mehr Idylle geht nicht.

Drinnen in der guten Stube hängen Bilder aus vergangenen Zeiten an den Wänden. Kerzen, dezente, kleine Blümchen in Glasvasen. Alles ist geschmackvoll, schlicht. Holzstühle, blanke Tische – mehr braucht es nicht. Dazu ein unaufgeregter, unkomplizierter Service und natürlich das Essen. Auf der Tageskarte gibt es das Gericht „Au Backe­“, dahinter verbergen sich wunderbar mürbe Ochsenbäckle (17,50 Euro), serviert mit herbstlichem Rübengemüse, das noch knackig ist. Dazu gibt es eine außerordentliche Portion Kartoffelgratin.

Der Rostbraten (18,50 Euro) kommt wie gewünscht medium, mit fein geschmälzten Zwiebeln und mit Speck-Bratkartoffeln auf den Tisch. Vegetarier aber werden hier nicht nur mit Käsespätzle milde gestimmt. Auf der Tageskarte stehen Serviettenknödel, die mit einer vegetarischen Rahmsoße, gebratenen Steinchampignons und einem Beilagensalat serviert werden. Die Vegirolle ist aus Kartoffelteig gemacht, mit Kraut gefüllt, dazu gibt es Rote-Bete-Mousse. Die Fetzers sind umsichtige Wirtsleute, denken an alle. Auch an Veganer und an die Kleinen, für die es Hochstühle und Spätzle mit Soß gibt. Vielleicht auch an die Spaziergänger, die zum Vesperbrot einkehren.

Küchenchef Oliver Kull weiß, was er da macht. Er ist übrigens Urenkel des Erfinders der Spätzlepresse. So wundert es nicht, dass die schwäbischen Nudeln hier selbst gedrückt werden. Gedrückt, nicht geschabt könnte das neue „geschüttelt, nicht gerührt“ werden. Den krönenden Abschluss – dieses Wortspiel muss hier in der Krone sein – macht der „Brauni“, das einzige Dessert auf der Karte. Mehr braucht es aber auch nicht als dieses wunderbare lauwarme Schokoküchle im Weckglas. Dazu: selbst gemachtes Vanille-Parfait, karamellisierte Birnen und Haselnuss-Crumble. Gegenüber dann noch im Dunkel der Nacht im Außenantiquariat von Heiner Beuttler vorbeigeschaut. Das ist offen für alle ehrlichen Seelen, die sich ein Buch nehmen und etwas in den dafür vorgesehenen Briefkasten werfen.

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