An mehreren Tischen werden Hilfsgüter wie Hygieneartikel von Ehrenamtlichen in Empfang genommen und in einer großen Lagerhalle für den Transport nach Kroatien vorbereitet. Foto: Sebastian Steegmüller

Kroatische Vereine und Gemeinden aus Stuttgart sammeln nach den Erdbeben auf dem Balkan Kleidung, Nahrung und Hygieneartikel. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß – aber weiterhin werden Güter und Spenden benötigt.

Stuttgart - Große Teile Petrinjas liegen in Trümmern, zahlreiche Menschen wurden binnen von Minuten wohnungslos. Ein schweres Erdbeben hat vor einer Woche in der Kleinstadt, die 45 Kilometer von Zagreb und nur drei Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt, gewütet und deutliche Spuren hinterlassen. Auch in den vergangenen Tagen ist die Gegend nicht zur Ruhe gekommen, mehrere Nachbeben ließen erneut die Wände wackeln.

Als Matea Kirchner von den Auswirkungen der verheerenden Naturkatastrophe erfuhr, war sie geschockt, als sie jedoch erfuhr, dass die kroatische Kulturgemeinschaft Stuttgart, der Sportverein Croatia Stuttgart, die Betreiber des Internetportals Hrvati Stuttgart sowie die kroatischen katholischen Gemeinden aus Stuttgart-Zentrum, Feuerbach und Bad Cannstatt gemeinsam Hilfsgüter sammeln, war ihr schnell klar, dass auch sie ihren Teil dazu beitragen will. „Ich sehe es als meine christliche, meine humanitäre Pflicht an, mich zu engagieren und den Menschen in meiner Heimat zu helfen.“ Gemeinsam mit ihrer Cousine Claudia Thiede-Markic klapperte die Botnangerin die Verwandtschaft ab, einen Tag später lieferten sie Kleidung und Lebensmittel im Sommerrain ab.

Corona-Auflagen werden erfüllt

Um die Waren sortieren zu können, hat Berislav Nikic im dortigen Hortensienweg eine große Lagerhalle seines Unternehmens freigeräumt „Die Annahme findet jedoch davor im Freien statt“, sagt das Croatia-Vorstandsmitglied. „Es ist uns wichtig, dass wir die Corona-Auflagen erfüllen. Wir tun alles dafür, dass niemand, der helfen will, gefährdet wird.“ Dazu wurden im Hof des Betriebs Absperrbänder aufgespannt und eine Einbahnstraßenregelung eingeführt. Links rein, rechts raus. „Die Polizei war auch schon da und hat sich alles angeschaut, die Beamten hatten jedoch nichts zu bemängeln“, so Nikic, der von der Hilfsbereitschaft in Stuttgart überwältigt ist. „Das ist einfach toll.“ Von morgens bis abends würden Hilfsgüter gebracht.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Bosnier Ilija Terzic an. Der Heumadener arbeitet normalerweise auf dem Bau, wie zahlreiche weitere Ehrenamtliche zögerte er aber keine Sekunde, auch seine Freizeit zu opfern, um kräftig mit anzupacken. „Wir wissen ja, wofür wir das machen.“ Mit einem Lächeln schnappt er sich den nächsten Karton und betont, dass sich die Lastwagen ja nicht von selbst beladen würden.

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„Wir stehen in Kontakt mit katholischen Gemeinden vor Ort, so können wir sicherstellen, dass die Hilfsgüter, die gesammelt werden, auch diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen“, sagt Ivan Bosnjak, Pastoralreferent der kroatischen katholischen Gemeinden in Stuttgart. „Petrinja, Sisak und alle beschädigten Orte brauchen unsere Hilfe und Solidarität. Auch diesmal werden wir Erfolg haben, wir sind bei den Betroffenen, obwohl wir weit weg sind.“

Fünf Tonnen an Hilfsgütern waren in kurzer Zeit vor Ort eingetroffen, die nächste Fuhre startete am vergangenen Wochenende. Zwei Sattelschlepper der Recycling-Unternehmen Karle und Degenkolbe haben sich am Freitag voll beladen auf den Weg nach Kroatien gemacht. Unentgeltlich. Michael Schempp, Logistikleiter der Feuerbacher Firma Karle, schätzt die Kosten für Sprit, Verschleiß und Maut auf 1500 Euro. Er fährt einen der beiden Lastwagen, verzichtet dabei ebenfalls auf eine Bezahlung. „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit zu helfen. Wir haben viele kroatische Mitarbeiter, die sich große Sorgen machen. Sie wollen wir unterstützen.“

Baumaterial im Februar

Damit Decken, Medikamente und Lebensmitteln schnell vor Ort ankommen, habe sich die kroatische Botschaft eingeschaltet, berichtet Berislav Nikic. „Deren Mitarbeiter haben dafür gesorgt, dass die LKW-Fahrer auch ohne Coronatest ins Krisengebiet können.“ Am Neujahrstag wurde die erste Hilfsaktion abgeschlossen, eine zweite ist im Februar geplant. „Es fehlen Planen für die Dächer, Heizstrahler und generell jede Menge Baumaterial.“

Neben Hilfsgütern werden auch Geldspenden benötigt. Sie sind über das Konto der Kroatischen Kulturgemeinschaft Stuttgart unter Iban DE27 6004 0071 0556 88 1100 (Verwendungszweck Erdbeben Kroatien) möglich. Eine weitere Option bietet sich über Paypal unter https://www.paypal.com/pools/c/8vAXebwNvY.

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