Darko Tolic bei der „Demo für alle in Stuttgart“ Foto: StN

Darko Tolic stand bei der Parlamentswahl am Sonntag für die rechte Partei A-HSP auf der Liste für die Parlamentswahl. In Stuttgart läuft er bei der „Demo für alle“ mit.

Stuttgart/Frankfurt - Die Gelegenheit, in eine Kamera zu sprechen, lässt sich Darko Tolic nicht entgehen. Als ihn am 11. Oktober ein Kamerateam der Stuttgarter Nachrichten anspricht, ist der 28-Jährige gerne bereit, seine Meinung kundzutun. Um ihn herum auf dem Schillerplatz im Zentrum der Landeshauptstadt haben sich mehr als 5000 Menschen zur sogenannten Demo für alle versammelt. Es geht gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und vor allem gegen den Bildungs- und Aktionsplan der grün-roten Landesregierung, in dem die Demonstranten ein Werkzeug zur „Frühsexualisierung von Kindern“ und einen „Angriff auf traditionelle christliche Werte“ zu erkennen glauben.

Für Tolic aber geht es um mehr. „Ich bin hier, weil ich Europa verteidige und Deutschland verteidige vor der demografischen Katastrophe“, erklärt er den Reportern. Der Geburtenrückgang werde sich nach der Einführung des Bildungsplans noch verschlimmern. Überhaupt sei Homosexualität ein Anzeichen von moralischem Verfall. „Europa ist dekadent und geht unter“, erläutert Tolic. Dabei hätte jedes Tier, jede Pflanze das Bedürfnis, in einer „gesunden Umgebung“ mit „seinen Landsleuten“ zu leben.

An diesem Tag ist Darko Tolic nur einer von vielen Demonstranten. Innerhalb der kroatischen Gemeinschaft in Deutschland aber genießt der 1992 nach Deutschland gekommene Stuttgarter einen gewissen Bekanntheitsgrad. Er ist Vorsitzender und Gründer des deutschen Ablegers der Autochthonen-Kroatischen Partei des Rechts (A-HSP), einer offen rechtsradikalen Splitterpartei. Bei der kroatischen Parlamentswahl am Sonntag waren die im Ausland lebenden Kroaten aufgerufen, drei Vertreter der „Diaspora“ für das Parlament in Zagreb zu bestimmen. Auf der Auslandsliste der A-HSP stand wieder einmal Tolics Name an erster Stelle.

Dass sich Tolic in die „Demo für alle“ einreiht, ist nur konsequent

In der Parteihierarchie der A-HSP rangiert Tolic weit oben. Fast immer, wenn die Kleinpartei öffentlich in Erscheinung tritt, ist auch Tolic mit dabei. Sei es bei antiserbischen Protesten in der kroatischen Provinz oder bei Auftritten von Parteiführer Dražen Keleminec außerhalb Kroatiens. Im Februar 2015 ließ er sich in Zagreb mit etwas mehr als einem Dutzend Gleichgesinnter als „Offizier“ der „Kroatischen Patriotischen Kräfte“ vereidigen, eine Art paramilitärischer Arm der A-HSP.

Das in Frankfurt erscheinende kroatische Monatsmagazin „Fenix“ beschrieb Tolic unlängst als „einen der bekanntesten und aktivsten“ Anhänger der kroatischen Rechten in Deutschland. Eine zutreffende, wenn auch angesichts der von Tolic verbreiteten Ansichten verharmlosende Einschätzung. 2007 gründete er mit einigen Gesinnungsgenossen den deutschen Ableger der A-HSP. Damals hieß er noch Šime Tolic. Seinen ursprünglichen Vornamen führt er inzwischen nur noch als Zweitnamen – weil es sich bei Sime um die kroatisierte Form des jüdischen Vornamens Schimon handelt. Er bevorzuge das vom „arischen“ Darius abgeleitete Darko, erklärte er in einem Facebook-Post.

Dass sich Tolic in die „Demo für alle“ einreiht, ist nur konsequent. Bereits 2009 und 2010 beteiligte er sich an den Protesten der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft gegen Gay-Pride in Stuttgart. Einblick in Tolics Gedankenwelt bieten der von ihm betriebene Blog mit dem Titel „Kroatischer Ritter“ und sein You-Toube-Kanal „Krieger des Lichts“. Tolic, so viel wird aus seinen Einträgen und den Mitschnitten seiner Reden deutlich, wähnt sich und seine Anhänger im Kampf gegen eine von finsteren Mächten angestrebte neue Weltordnung.

Auf seinem Blog vertritt Tolic krude Thesen

Seine politische Weltsicht durfte er kurz vor der kroatischen Parlamentswahl unkommentiert auf der Webseite von „Fenix“ darlegen. In einem explizit an die „jungen kroatischen Wähler“ adressierten Aufruf erklärt er den derzeitigen Flüchtlingsstrom zu einer „illegalen Okkupation durch zivile afrikanische und asiatische Okkupanten“. Diese sei Teil eines größeren Plans, bei dem durch die Verbreitung von schwul-lesbischen Lebensentwürfen, Feminismus und die Legalisierung von Abtreibung die alteingesessene europäische Bevölkerung dezimiert werden solle, während gleichzeitig „vitale afrikanische und asiatische Kolonisatoren“ eingeführt würden.

Auf seinem Blog vertritt er die These, dass dadurch die Schaffung einer „negroiden“ Mischrasse angestrebt werde, die für die Eliten der „neuen Weltordnung“ leichter zu beherrschen sei als die angestammte – sprich: weiße – Bevölkerung. Wer aus Sicht von Tolic die Drahtzieher dieser Verschwörung sind, verdeutlichen antisemitische Karikaturen, mit denen seine Blogeinträge illustriert sind.

Doch Tolics Aktivitäten beschränken sich nicht auf das Internet. Mehrfach lud er in der Vergangenheit zu Podiumsdiskussionen mit kroatischen Rechtsextremisten ein. Ebenso organisierte er Feiern zu Ehren des Jahrestags der Machtergreifung der faschistischen Ustascha, die für den Völkermord an Serben, Roma und Juden in Kroatien während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich zeichnen. Auf seiner Webseite dokumentiert er auch seine Kontakte zu europäischen Neonazis, unter anderem zu Funktionären der NPD.

An den Wahlurnen haben Tolics Aktivitäten seiner Partei bislang allerdings wenig Erfolg beschert. Bei den Parlamentswahlen 2011 holte die A-HSP unter den Auslandskroaten 0,54 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ob es an diesem Sonntag mehr waren, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

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