Kroatien im WM-Finale Mehrere Tausend Kroaten in Stuttgart erwartet

Von Ann-Kathrin Schröppel 

Für das Endspiel der Weltmeisterschaft am Sonntagnachmittag rechnet die Stuttgarter Polizei wieder mit einem massenhaften Andrang kroatischer Fußballfans. Bei den vergangenen WM-Spielen feierten bereits mehrere Tausend in der Landeshauptstadt. Wir haben mit kroatischen Fußballfans über die WM gesprochen.

Stuttgart - Die kroatische Fußballnationalmannschaft um ihren Star Luka Modric kann mit einem Sieg am Sonntag im WM-Finale gegen Frankreich die Sensation perfekt und sich selbst unsterblich machen. In Stuttgart werden mehrere Tausend kroatische Fans erwartet, die gemeinsam den möglichen Weltmeistertitel ihrer Mannschaft feiern wollen. Sie werden sich wieder auf der Theodor-Heuss-Straße treffen, wie bisher bei allen WM-Spielen. „Auch wenn die Zahl der Fans möglicherweise steigen sollte, ändert sich eigentlich gar nichts“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer. Die Zahl der Beamten würde angepasst auf die zu erwartende Menge feiernder Fans. „Wenn es ein Finale England-Frankreich geworden wäre, hätten wir im Vergleich zum Halbfinale wohl weniger Kräfte eingesetzt. Aber da die Kroaten nun im Endspiel sind, ist für uns der Einsatz ähnlich wie beim Halbfinale.“

Feiern bis zum Morgengrauen

Die Polizei rechnet damit, dass die Fans der kroatischen Mannschaft im Falle eines Sieges „feiern bis zum Morgen, dann wird das eine lange Nacht für unsere Kollegen“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer. Die heiße Phase beginnt für die Polizei erst während des Spiels, bei der Anreise der Fans sei erfahrungsgemäß noch nicht viel los. Die Stuttgarter Polizei erhält Unterstützung durch sogenannte „Fremdkräfte“, also Beamte aus anderen Städten.

Auf Knallkörper, Bengalos und pyrotechnischen Gegenstände werden die Beamten einbesonderes Augenmerk legen. „Wenn wir einen beim Anzünden sehen, schreiten wir natürlich ein“, sagt Lauer. Oft sei es aber schwierig, den Urheber zu identifizieren, wenn aus einer Menge heraus ein Feuerwerkskörper geworfen wird. Die Polizei hat Beamte im Einsatz, die bei gefährlichen Situationen auch mit Videokameras Beweise sichern. „Dann findet man manchmal auch im Nachhinein noch einen Fan heraus, der Böller oder Bengalos gezündet hat“, erläutert der Polizeisprecher.

Autokorso in der Innenstadt

Erfahrungsgemäß könnte es nach dem Spiel auch wieder einen Autokorso geben. Die Polizei wird die Theodor-Heuss-Straße sperren, wenn sich dort wie erwartet eine große Menschenmenge bildet. Das ist das übliche Vorgehen bei Fußballspielen, schon in den vergangenen Jahren. „Dann stellen wir uns darauf ein, wie der Korso verläuft. Das kann man nicht immer genau vorhersehen“, so der Polizeisprecher.

Die „Vatreni“ (zu deutsch: die „Feurigen“), wie die Kroatische Fußballnationalmannschaft von ihren Fans genannt wird, stehen zum ersten Mal in ihrer Geschichte in einem Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft. Damit haben die Spieler den bisher größte Erfolgsmoment, den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, übertroffen. „Mit den Franzosen haben wir noch eine Rechnung offen, damals hat uns Lilian Thuram mit seinen zwei Toren aus dem Turnier geschossen“, blickt Ivo Jozic auf die schmerzhafte 2:1 Niederlage seiner Mannschaft im Halbfinale 1998 gegen Frankreich zurück.

Kroatische Fanartikel sehr gefragt

Jozic ist seit 2011 Betreiber des Adria Markts, einem kroatischen Lebensmittelladen in Bad Cannstatt. Momentan macht er den besten Umsatz mit Fußballfanartikeln, die das rot-weiße Karomuster der Nationalmannschaft tragen. In seinem Laden findet das kroatische Fanherz alles, was es begehrt – wenn die entsprechenden Fanartikel denn noch vorrätig sind. „Trikots und großen Fahnen sind seit Tagen ausverkauft. Am Donnerstag haben wir noch mal rund 150 Trikots bekommen, die waren nach einem Tag alle weg“, schildert Jozic den großen Andrang seiner Kunden.

In seinem Lebensmittelladen läuft auf einem großen Fernseher eine Aufzeichnung des Halbfinalspiels Kroatien gegen England. „Das Spiel könnte ich mir den ganzen Tag anschauen“, sagt der Kroate und lacht. Seine Mitarbeiter und er tragen sogar während der Arbeit kroatische Trikots. Auf die Frage, was ihm der Gewinn des WM-Titels persönlich bedeuten würde, antwortet der 55-Jährige mit leuchtenden Augen: „Das lässt sich gar nicht in Worte fassen, für das ganze Volk ist es wie ein Rausch. Unser kleines Land Fußballweltmeister? Damit hätte am Anfang niemand gerechnet.“

Spieler sind „Mentalitätsmonster“

Kristian Kera spielt bei dem Fußballverein HNK Slaven in Stuttgart-Möhringen und beschreibt die Spieler seines Nationalteams als „Mentalitätsmonster“. „Sie sind einfach wie wir, wie das kroatische Volk, mit Hingabe, Ehrgeiz und viel Leidenschaft. In jedem Spiel vertreten die Spieler unsere Land auf dem Platz und die Fans steht geschlossen hinter der Mannschaft“, so Kera. Sein Lieblingsspieler ist Danijel Subasic, der Torwart der Kroaten. „Subasic trägt seit zehn Jahren in jedem Spiel ein Hemd seines verstorbenen Freundes Hrvoje Custic unter seinem Trikot. Das finde ich großartig, er hält die Erinnerung an Custic immer am Leben. Das macht ihn sympathisch und zeigt gleichzeitig, wie bodenständig er geblieben ist“, sagt Kera, der in seinem Fußballverein HNK Slaven selbst auf der Position des Torwarts spielt.

Für Kera ist diese WM und der Erfolg des kroatischen Teams einmalig, für nächste Woche hat er sich den Montag und den Dienstag schon mal vorsorglich frei genommen. „Ich will den Sieg in Ruhe genießen und mit Freunden und Familie ordentlich feiern“, erzählt Kera und lacht. Das Finale am Sonntag schaut er in der Innenstadt, wie tausende andere kroatische Fans. Er freue sich auf das Spiel, auch wenn Kroatien nicht Weltmeister werden würde, sei die Leistung noch einmalig, meint Kera.

Besonderes Ritual soll Glück bringen

Vor dem Spiel überlässt er aber nichts dem Zufall und bereitet sich auf besondere Art auf das Endspiel der Fußball-WM in Russland vor. „Ich habe ein altes Trikot von 1996, das ziehe ich vor jedem Spiel an. Wenn ich das Trikot bei einem Spiel der Nationalmannschaft an hatte, hat unser Team noch nie verloren“, beschreibt Kera sein Ritual. Vielleicht bringt es auch dieses Mal wieder Glück.

Lesen Sie jetzt