Deutsche Kohlekraftwerke gelten als problematisch für den Klimaschutz. Foto: dpa

Die Commerzbank will sich aus der Finanzierung von Bergwerken und Kohlestrom zurückziehen. Doch die bereits 2016 beschlossene Strategie geht Umweltschützern nicht weit genug. Anlässlich der Hauptversammlung am Mittwoch schlagen sie Alarm.

Frankfurt - Die Commerzbank-Tochter mBank macht dem Mutterkonzern viel Freude. Allein 2016 gewann das osteuropäische Institut in Polen, Tschechien und der Slowakei 400 000 neue Kunden. Die kleinen, modernen Filialen der mBank waren Vorbild für die neuen City-Filialen der Commerzbank in Deutschland. Doch die mBank ist auch in einem Sektor engagiert, aus dem sich der Mutterkonzern erklärtermaßen zurückziehen will: der Finanzierung von Kohleabbau und Kohlestrom. Anlässlich der Commerzbank-Hauptversammlung am Mittwoch schlagen Umweltschützer Alarm.

„Die Kunden der polnischen Commerzbank-Tochtergesellschaft mBank planen aktuell den Kohleanteil ihrer Energieversorgung massiv auszubauen“, kritisiert die Umweltschutzorganisation Urgewald. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre ruft sogar dazu auf, dem Vorstand um Commerzbank-Chef Martin Zielke die Entlastung zu verweigern. Begründung: Der im vergangenen Jahr beschlossene Rückzug aus der Kohlefinanzierung gehe nicht weit genug, um einen ernsthaften Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

In Polen wird Strom überwiegend mit Kohle produziert

Die Commerzbank hatte im Juli angekündigt, keine neuen Kohleminen oder -kraftwerke zu finanzieren. Kredite an Bergbauunternehmen bleiben aber möglich. So vergab die Tochter mBank noch Ende vergangenen Jahres ein Darlehen an Lubelski Wegiel Bogdanka, den Betreiber des Kohlebergwerks Bogdanka in der Nähe von Lublin. Zu den Kunden der mBank zählt außerdem der polnische Stromversorger Enea, der seine Kraftwerke überwiegend mit Kohle befeuert.

Für den polnischen Umweltschützer Kuba Gogolewski ist das nicht nur wegen des Klimawandels ein Problem. „Polen ist eines der Länder mit der höchsten Luftverschmutzung“, sagte der Aktivist der Organisation „Entwicklung Ja – Tagebau Nein“, die mit Urgewald zusammenarbeitet, dieser Zeitung. Noch im Januar herrschte in Warschau Smogalarm. Im Dezember wurden laut Medienberichten in der Ortschaft Skala im Süden des Landes höhere Feinstaubwerte gemessen als in Peking.

Kritik auch an der Deutschen Bank

Urgewald fordert deshalb, die Commerzbank solle ihre Geschäftsbeziehungen zu Energieversorgern einstellen, die weitere Kohlekraftwerke planen. Zwar hat die Bank ihre Kunden bereits zu einer Reduzierung des Kohlestroms aufgerufen: Ausländische Energieversorger sollen dessen Anteil am Strommix bis 2021 auf 50 Prozent begrenzen, deutsche Stromkonzerne auf 30 Prozent. In Polen sei aber jetzt schon klar, dass die Strategie in die andere Richtung gehe, monieren die Kritiker. Aus ähnlichen Gründen bezeichneten Umweltschützer auch den zu Jahresbeginn beschlossenen Rückzug der Deutschen Bank aus Kohle-Investments als unzureichend. Konsequenter agierten ausländische Banken wie Natixis, KBC, ING und HSBC, urteilte Urgewald. Der Rückzug von Kreditinstituten aus der Kohle-Finanzierung folgt durchaus auch geschäftlichen Erwägungen: Falls die Umweltschutzauflagen für den Abbau oder das Verheizen von Kohle weiter verschärft werden, könnten Bergbauunternehmen und Energieversorger eines Tages in Schwierigkeiten geraten – so wie zuletzt der deutsche Atomausstieg die Branche durcheinanderwirbelte.

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