Im Lauchhau wird saniert – bisher ohne Fotovoltaikanlagen auf den Dächern. Foto: Sandra Hintermayr/Sandra Hintermayr

Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat über 18 500 Wohnungen im Bestand. Mieter kritisieren jetzt in einem Brief an die Stadträte, dass das Unternehmen seinen Anteil am Klimaschutz nicht leiste. Die SWSG kontert mit großen Plänen.

Stuttgart - 200 Millionen Euro will Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zusätzlich in den Klimaschutz stecken – ambitionierte Ankündigungen inklusive. In den nächsten fünf Jahren sollen möglichst alle Schuldächer mit Fotovoltaikanlagen bestückt sein. Da kann man schon mal auf die Idee kommen, sich den weiteren Gebäudebestand der Stadt genauer anzuschauen. Zum Beispiel die 18 500 Wohnungen der städtischen Immobilientochter SWSG. Die SWSG-Mieterinitiative hat das jetzt getan – und kommt zum Schluss, dass es dort enorm viel Nachholpotenzial gebe.

In einem Brief, der jetzt an Kuhn, die SWSG-Aufsichtsräte und alle Stadträte verschickt worden ist, heißt es, das Unternehmen betreibe „eine klimaschädliche und für die Mieter teure Energiepolitik“. Nach Erkenntnissen der Initiative gebe es „keine einzige Fotovoltaikanlage auf irgendeinem Dach bei der SWSG“. Das sei ein Armutszeugnis für die Stadt. Die wenigen Solarthermieanlagen funktionierten teils nicht.

Das ist aber nicht der einzige Kritikpunkt der Mieter. Das Schreiben listet eine ganze Reihe auf. So wird Energieverschwendung bemängelt, weil zu wenige LED-Lampen und eine oft überbordende Außenbeleuchtung verwendet würden. Wärmedämmung erfolge mit „klimaschädlichem und brandgefährlichem Styropor“. Zudem würden Häuser mit guter Bausubstanz abgerissen, was die Ökobilanz belaste. Letztendlich, so die Unterzeichner, schade all dies nicht nur dem Klima, sondern auch den Mietern. Durch mehr selbst erzeugte regenerative Energien könnten die Kosten sinken, durch Beendigung der Energieverschwendung in den Liegenschaften ebenso.

Fragen aus Vaihingen

Zuletzt hat sich auch der Bezirksbeirat in Vaihingen mit dem Thema beschäftigt. Dort ist ein Antrag der Fraktion aus Linke, SÖS, Piraten und Tierschutzpartei angenommen worden. Er fragt, welche Schritte die SWSG unternehme, um den Zielen des Oberbürgermeisters in Sachen Klimaschutz zu entsprechen. Außerdem wird kritisiert, dass bei der Modernisierung von Gebäuden im Lauchhau keine Fotovoltaikanlagen installiert werden. Und es wird die Frage gestellt, woher eigentlich der Strom in den SWSG-Liegenschaften komme.

Tatsächlich gibt es bei der SWSG eine Fotovoltaikanlage – auf dem Dach des eigenen Bürogebäudes. Ansonsten: wirklich Fehlanzeige. „Wir haben in der Vergangenheit eher auf Solarthermieanlagen gesetzt, weil deren Effizienz bisher höher gewesen ist“, sagt Samir Sidgi. Rund 50 solcher Anlagen gebe es im Bestand, so der Vorsitzende der Geschäftsführung. Derzeit würden Fotovoltaikanlagen aber besser und preisgünstiger, deshalb änderten sich aktuell die Vorzeichen. „Wir untersuchen unseren kompletten Gebäudebestand auf die Tauglichkeit für Fotovoltaik“, kündigt er an. Seien Standorte gefunden, strebe man eine Lösung gemeinsam mit den Stadtwerken an.

Generell sieht auch Sidgi noch Möglichkeiten. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Energiestandards und Nachhaltigkeit, haben aber noch zu tun“, bekräftigt er. Dafür habe man eigens ein strategisches Energiemanagement aufgebaut, um konkrete CO2-Einsparpotenziale zu finden. Neubauten entsprächen seit Jahren dem KfW-55-Standard. Der Allgemeinstrom sei zu über 99 Prozent Ökostrom, Beleuchtungen innen und außen würden derzeit auf LED umgestellt. „Da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Sidgi.

Schwieriges Kosten-Nutzen-Verhältnis

Er betont aber auch, dass es gerade für ein kommunales Unternehmen, das moderate Mieten verlangen muss, nicht ganz einfach sei. „Machen kann man viel. Wir müssen aber auch immer das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Auge behalten, um sozialverträgliche Mieten zu haben.“ KfW 40 etwa könnte man theoretisch erreichen, aber für einen relativ geringen Einspareffekt müsste man dann sehr viel mehr Geld ausgeben.

Man mache es sich deshalb nicht leicht, sagt Sidgi. „Abreißen tun wir zum Beispiel nur, wenn es nötig ist. Modernisieren kann man immer, aber wenn die Sanierungskosten teurer als ein Neubau sind, mit dem man doppelt so viele Wohnungen und ein nachhaltigeres Haus bekommen kann, ist die Entscheidung klar.“ Sidgi kündigt ein umfassendes Konzept an: „Bis März wollen wir eine SWSG-Klimastrategie vorlegen.“ Und das als erstes großes kommunales Wohnungsunternehmen in Deutschland. Zu tun jedenfalls, da dürften sich alle einig sein, gibt es noch einiges. Nicht nur auf Schuldächern.

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