Im Göppinger Turnerschaftsstadion im Stadtteil Reusch hat der Verein jetzt gerade mit finanzieller Unterstützung der Stadt die Laufbahn und das Kleinfeld saniert. Foto: Giacinto Carlucci

Der Stadtverband Sport in Göppingen kritisiert die Verwaltung: Der Sportstättenbau werde vernachlässigt, findet der Lobbyverband. Das birgt Zündstoff.

Der Stadtverband Sport Göppingen hat bei seiner Hauptversammlung die kommunale Sportpolitik kritisiert. Das geht aus einer Erklärung des Verbands hervor, der sich als Sprachrohr für 51 sporttreibende Vereine in der Hohenstaufenstadt versteht. Der Vorsitzende Ingo Hagen berichtet auf Nachfrage, die Analyse sei Teil seines Rechenschaftsberichts, der sich wiederum aus Rückmeldungen aus den Vereinen und aus eigener Beobachtung ergeben habe. Er sprach von einem „strukturellen Problem“ und forderte eine deutlich höhere Priorität für den Sport. Hagen steht nicht nur an der Spitze des Stadtverbands Sport, sondern ist auch eng verwoben mit dem Golfclub und dem Golfplatz im Stauferpark, dessen Aus der Gemeinderat kürzlich beschloss.​

 

Hagen findet, während Projekte wie das KI-Zentrum „Hive“ oder andere Entwicklungen im Böhringer-Areal „mit Tempo vorangetrieben“ würden, fehle es bei Sportanlagen an Verlässlichkeit und Umsetzung. „Es entsteht der Eindruck, dass vage wirtschaftliche Zukunftsprojekte höher gewichtet werden als bestehende Sportinfrastruktur“, meint Hagen. Als ein Beispiel für ein schleppendes Vorhaben nannte er den Allwetterplatz in Bezgenriet, dessen Baubeginn sich über Jahre verzögert habe. Der Stadtverband sieht hierfür auch Defizite in der Bauverwaltung.

Eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten und fehlende Planungssicherheit

Die Folgen dieser Politik seien für die Vereine spürbar – von eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten bis hin zu fehlender Planungssicherheit. Eine Fortschreibung der Gesamtstrategie für die Sportinfrastruktur fehle bislang, kritisiert Hagen. Zugleich warnte Hagen vor zunehmenden Kapazitätsengpässen: Hallen und Sportplätze seien in Göppingen vielerorts ausgelastet, Kinder könnten teilweise nicht mehr aufgenommen werden. Positiv bewertete der Stadtverband die Einführung der digitalen Plattform „Hallenmanager“ in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Damit werde die Hallen- und Sportplatzbelegungen erleichtert.​

Der Vorsitzende des Stadtverbands hebt hingegen die Leistung der Vereine für die Gesellschaft hervor: „Die wahren Integrationsleistungen finden im Alltag der Vereine statt.“ Der Stadtverband fordert von Politik und Verwaltung klare Prioritäten, verlässliche Investitionen und eine frühzeitige Einbindung der Vereine in Planungsprozesse. „Der Sport ist ein tragendes Element unserer Stadtgesellschaft – und muss auch so behandelt werden“, verlangt Hagen.

Rathaus nimmt Kritik „mit Verwunderung“ zur Kenntnis

Die Stadtverwaltung widerspricht. Im Rathaus sei die Kritik „mit Verwunderung zur Kenntnis genommen worden“, erklärt Pressesprecherin Claudia Leihenseder. „Das Thema Sport steht in Göppingen weit oben und wird regelmäßig bei unseren Entscheidungen und Investitionen priorisiert.“ Seit 2018 habe Göppingen etwa neun Millionen Euro in die Sportinfrastruktur investiert: Beispiele seien der Kunstrasenplatz Bezgenriet, die Flutlichtanlage am Kunstrasenplatz Süd oder die Erneuerung der Stehplätze sowie das neue Tribünendach für den 1. Göppinger Sportverein. Ein positives Beispiel für eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein sei die Kletterhalle, deren Bau mit Personal und Zuschüssen begleitet wurde.​

In den neun Millionen Euro Investitionskosten seien Personalkosten der Verwaltung sowie Betriebskosten städtischer Gebäude und Sportflächen noch gar nicht enthalten, erklärt die Verwaltung. „Im Übrigen erlassen wir dem Golfclub die Grundsteuer und die Pacht, sodass die Stadt in diesem Bereich jährlich Mindereinnahmen von 130.000 Euro hat“, erinnert die Pressesprecherin.

„Dass der Stadt Göppingen der Sport und insbesondere der Vereinssport am Herzen liegt, zeigt auch der Sportentwicklungsplan, der vor wenigen Jahren in akribischer Zusammenarbeit gemeinsam mit Vertretern aus Vereinen entstanden ist“, sagt Leihenseder. Dessen Handlungsempfehlungen würden auch sukzessive umgesetzt.​

Klar sei allerdings auch, dass die Stadt wegen der angespannten Haushaltslage inzwischen priorisieren muss. Die Pressesprecherin sagt dazu: „Dabei trifft der Gemeinderat demokratische Entscheidungen, welche Vorhaben umgesetzt beziehungsweise gefördert werden und welche aus finanziellen Gründen verschoben werden müssen. Man könnte auch zusammenfassend sagen: Sport ist keine Prio, sondern selbstverständlich für uns.“​

Der Stadtverband Sport

Interessen
 Der Stadtverband Sport vertritt insgesamt 51 Sportvereine mit Sitz in Göppingen gegenüber der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat in allen allgemeinen Sportangelegenheiten.​

Aufgaben
Der Verband wirkt unter anderem bei Richtlinien zur Sportförderung, insbesondere bei kommunalen Sportanlagen, mit. Darüber hinaus erstellt der Stadtverband Belegungs- und Nutzungspläne für den Großteil der Göppinger Sportanlagen und organisiert unter anderem die Veranstaltungsreihe „Sport im Park“.