Auf dem Olga-Areal entstehen auch Sozialwohnungen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Laut Statistikern könnte Stuttgart bis zum Jahr 2030 um 38 000 Menschen wachsen. Nur: Wo sollen die wohnen? Der Haus- und Grundbesitzerverein sieht ein riesiges Problem besonders bei den Sozialwohnungen. Er nimmt die städtische SWSG in die Verantwortung.

Stuttgart - Die Worte sind deutlich. „Wir wollen eine Diskussion anstoßen, weil es eine dramatische Entwicklung gibt, die man so nicht einfach laufen lassen kann“, sagt Klaus Lang. Der Vorsitzende des Stuttgarter Haus- und Grundbesitzervereins erhebt die Stimme nicht zum ersten Mal in dieser Richtung. Denn auch den Vertretern der privaten Eigentümer in der Stadt ist nicht wohl bei der Entwicklung der vergangenen Jahre: „Der Markt ist dermaßen angespannt, dass man nicht nur keine günstige Wohnung findet, sondern überhaupt keine“, so Lang.

Schuld daran sei die Stadtpolitik. „Es ist völlig unzureichend, was da unternommen wird“, kritisiert Lang. Das besonders angesichts der jüngsten Prognosen. Die Statistiker gehen davon aus, dass Stuttgart in den nächsten elf Jahren um 38 000 Menschen wachsen könnte auf dann gut 649 000 Einwohner. Der von Fritz Kuhn angestrebte Neubau von 1800 Wohnungen pro Jahr sei völlig unzureichend, so Lang. Laut verschiedener Gutachten brauche man mindestens 3000, eher 5000 neue Wohnungen pro Jahr. Schließlich schiebe man schon jetzt „eine Bugwelle von über 13 000 fehlenden Einheiten vor sich her“. Besonders Sozialwohnungen fehlten an allen Ecken und Enden: „Da ist die Lage absolut trostlos.“

Der Verein schlägt deshalb kurz vor dem nächsten Treffen des Bündnisses für Wohnen kurz- und langfristige Maßnahmen vor. „Der Wohnungsbau muss dringend Fahrt aufnehmen“, fordert Lang. Dafür genüge es nicht, nur im Bestand nachzuverdichten. „Wir brauchen nicht immer nur Gejammer über die Miethöhen. Die Stadt muss endlich den Weg frei machen, an den Rändern der Stadtbezirke und in der Fläche behutsame Entwicklungen für Neubauten zu ermöglichen“, so der Vorsitzende. Außerdem solle die Stadt beim Land auf die Wiedereinführung der Fehlbelegungsabgabe hinwirken. Derzeit seien zwischen 4000 und 7000 Sozialwohnungen mit Bewohnern besetzt, die nicht mehr dazu berechtigt sind.

Krankenschwestern als Bedürftige

Eine Schlüsselrolle kommt für Haus und Grund der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) zu. „Es ist eine öffentliche Aufgabe, Wohnungen für Bedürftige bereitzustellen“, sagt Haus und Grund-Geschäftsführer Ulrich Wecker. Bei der SWSG seien aber nur noch 7000 von 18 000 Wohnungen Sozialwohnungen. Die städtische Tochtergesellschaft müsse deshalb frei werdende Wohnungen günstig an Leute abgeben, die darauf angewiesen sind. Er fordert dafür die Einführung einer Bedürftigkeitsprüfung. „Solche Leute müssen bevorzugt werden“, so Wecker. In Stuttgart spreche man dabei inzwischen nicht mehr von Sozialfällen, sondern von Kindergärtnerinnen oder Krankenschwestern.

Im Rathaus will man die Vorschläge nicht im Detail kommentieren. „Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagt Sprecher Sven Matis. Die Frage sei, wie man mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und zugleich den Charme Stuttgarts bewahren könne. Man begrüße es, wenn sich darüber viele Beteiligte Gedanken machen. Die Vorschläge von Haus und Grund werde man sich „anschauen und darüber beraten“. Der geeignete Zeitpunkt, sich darüber auszutauschen, sei der 22. Februar beim nächsten Treffen des Bündnisses für Wohnen.

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