Der Gang zum Kindergarten ist in Kornwestheim nicht immer konfliktfrei. Foto: dpa/Annette Riedl

In Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) soll die Förderung der Freien Kita-Träger wegen zu hoher Gebühren auf neue Beine gestellt werden. Eine Gruppe von Eltern kritisiert das Verfahren als intransparent und fordert ein Mitspracherecht für alle Eltern.

„Es gibt kaum ein anderes Thema bei den Eltern in der Stadt. Ob auf dem Spielplatz oder beim Abgeben und Abholen der Kinder im Kindergarten, stets geht es um gekürzte Betreuungszeiten, Notbetreuung und welche Hiobsbotschaften einen wieder in Kürze erwarten werden“, sagt Sören M. Der Vater eines Vierjährigen bringt sein Kind regelmäßig in die Kita eines Freien Trägers in Kornwestheim. Mit ihm haben sich 15 andere Eltern zusammengeschlossen, die ihre Kinder bei Freien Trägern untergebracht haben. Die Gruppe wendet sich nun an die Öffentlichkeit und will auf die für sie nicht mehr tragbare Situation in den Kornwestheimer Kitas hinweisen.

 

Die Finanzierung der Freien Träger in der Stadt ist seit Sommer ein großes Ärgernis für viele Eltern. So hatte eine Kita eines Freien Trägers damals für Aufsehen gesorgt mit einer Beitragserhöhung auf 700 Euro bei gleichzeitiger Einschränkung der Öffnungszeiten. Die Träger hatten damals auf eine unzureichende Förderung durch die Stadt und den Fachkräftemangel verwiesen.

„Es ist auch schon vorgekommen, dass in unserer Kita, Kinder morgens nur so lange angenommen wurden, bis der Betreuungsschlüssel aufgrund fehlenden Erziehungspersonals erreicht war. Weitere Kinder mit Eltern wurden dann abgewiesen“, sagt M. Er und seine Partnerin arbeiteten Vollzeit und hätten daher auch eigentlich eine Ganztagsbetreuung gebucht, allein in den mehr als drei Jahren Kita hätten sie diese bislang nur selten tatsächlich in vollem Umfang nutzen können. „Jeder kann sich ausrechnen, wie schwierig es ist, wenn beide Eltern bis 17 Uhr arbeiten müssen, die Kita jedoch wegen Personalmangels schon um 15.30 Uhr schließt“, sagt der Kornwestheimer Vater, der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Es sei Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die Kinderbetreuung gewährleistet sei. Die aktuelle Kritik der Elterngruppe zu der auch Anna Radermacher gehört, richtet sich nun auch gegen die bisherige Intransparenz des städtischen Vorgehens. „Es gibt Gespräche seitens der Stadt, aber ein Großteil der Eltern wird zur Neuordnung der Kita-Finanzierung bislang überhaupt nicht gehört“, sagt Radermacher. Sie befürchtet, dass es überhaupt keine öffentliche Diskussion und Mitwirkungsmöglichkeit aller Eltern zur Neugestaltung der Freien-Förderung geben wird. „Eltern und Kinder haben einfach keine Lobby“, sagt Radermacher.

Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung

Birgit Scheurer ist die Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend, Bildung bei der Stadt Kornwestheim. Foto: Frank R/uppert

Beide haben ausdrücklich kein Problem mit den Fachkräften in den Kindergärten: „Großen Respekt vor der Leistung und dem Engagement der Erzieherinnen und Erzieher, die sie unter so schweren Bedingungen erbringen“, sagt M. und Radermacher stimmt zu. Ihre Kritik zielt ab auf das System: Eine echt Wahlmöglichkeit zwischen Freien Trägern und städtischen Kindergärten gebe es nicht, weil es de facto kaum Ganztagesplätze bei städtischen Kitas gebe. So sei man bei zwei vollzeitarbeitenden Elternteilen gezwungen, auf die Angebote der Freien Träger auszuweichen und die seien, wie der Spitzenwert von 700 Euro zeige, deutlich teurer als die städtischen.

Freie Träger erster Ansprechpartner für Stadt

Die Stadt hatte im Sommer mitgeteilt, dass die Förderung der Freien Träger überarbeitet werde und es Verhandlungen mit den Trägern geben werde. Darauf weist nun die Stadt hin. „Wir wollen die Finanzierung so gestalten, dass für alle Beteiligten – Stadt, Träger, Eltern und Kinder – eine zukunftssichere Grundlage und bestmögliche Planungssicherheit entsteht. Da die Freien Träger die Vertragspartner der Stadt Kornwestheim sind, sind sie auch erster Ansprechpartner“, sagt Birgit Scheurer, Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend, Bildung.

Der aktuelle Gesprächsstand und die Zielrichtung würden dem Gemeinderat zeitnah präsentiert. Diskussion und Beschlussfassung sollen noch in diesem Herbst in öffentlicher Sitzung in den städtischen Gremien folgen. Der Elterngruppe schwebt dagegen sogar eine Art Veranstaltung vor, wie sie im Vorfeld der Anhebung der Vereinsförderung stattfand. Damals waren Vertreter 46 Vereinen zur Diskussion über die neuen Förderrichtlinien zusammengekommen.