Die KSC-Fans jubeln künftig Spielern zu, die Trikotwerbung eines Landesunternehmens tragen. Foto: dpa/Uli Deck

Der badische Fußballzweitligist aus Karlsruhe hat einen neuen Trikotsponsor. Was normalerweise nur von eingefleischten Fußballfans zur Kenntnis genommen würde, sorgt für kritische Nachfragen in der Landespolitik.

Wenn die Kicker des Karlsruher SC in der neuen Saison der 2. Bundesliga auflaufen, tun sie das mit dem Firmennamen der SWEG auf der Brust. Vor einigen Tagen wurde der Sponsorendeal bekannt gegeben, den womöglich nur ganz aufmerksame Beobachter der Fußballszene zur Kenntnis genommen hätten – wenn sich hinter dem Buchstabenkürzel SWEG nicht die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH verbergen würde. Ein Unternehmen, das zu 95 Prozent dem Land gehört. Die restlichen fünf Prozent entfallen zu gleichen Teilen auf den Landkreis Sigmaringen und den Zollern-Alb-Kreis.

 

Entscheidende Angaben fehlen

Beim öffentlichen Verkehrsunternehmen mit Sitz im badischen Lahr geht die Begeisterung fürs neue Engagement bis ins kleinste Detail. Die Öffentlichkeit wird darüber in Kenntnis gesetzt, dass man „auf allen drei Trikots sowie auf den Ärmeln der Trainings- und Freizeitkleidung der Spieler“ präsent sein werde. Keine Auskünfte hingegen gibt es zur Frage, wie viel Geld das Unternehmen dafür in die Hand nimmt, für das der Beteiligungsbericht des Landes Baden-Württemberg in den Jahren 2020 und 2021 negative Jahresergebnisse ausweist und das erst 2022 wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist. Vergeblich sucht man auch nach Angaben zur Dauer des Engagements. Zu beidem habe man mit dem KSC „Stillschweigen vereinbart“, wie SWEG-Sprecher Christoph Meichsner auf Anfrage erklärt.

Ob sich die Verschwiegenheit durchhalten lässt, bleibt abzuwarten. Denn der Vorgang hat die Landespolitik erreicht. „Zu dem Thema wird die FDP-Landtagsfraktion einen parlamentarischen Antrag stellen, da es dazu viele offene Fragen auch in Bezug auf Compliance eines Landesunternehmens gibt“, kündigt Christian Jung, verkehrspolitischer Sprecher FDP-Landtagsfraktion an. Man wolle zudem den Landesrechnungshof einschalten. Die Liberalen interessiert auch, inwieweit die Aktion die Billigung des Aufsichtsrats gefunden hat, an dessen Spitze in Uwe Lahl ein ehemaliger Spitzenbeamter des Landes sitzt. Lahl war zuletzt Amtschef im baden-württembergischen Sozialministerium und zuvor in selber Funktion im Landesverkehrsministerium tätig.

Personalgewinnung per Trikotwerbung?

SWEG-Geschäftsführer Tobias Harms zielt mit dem Sponsoring auf die Personalentwicklung im Haus. Lokführer und Busfahrer werden zunehmens zum raren Gut. Man wolle „unsere bisherige erfolgreiche Personal- und Arbeitgeber-Kampagne weiterentwickeln und neue Impulse setzen“. FDP-Verkehrsexperte Jung hingegen gibt zu Protokoll, man habe wegen des „SWEG-Sponsoring in Millionenhöhe massive Bauschmerzen. Denn es ist nicht die Aufgabe eines Landesunternehmens, unter dem Vorwand der Rekrutierung von Busfahrern und Lokführern Trikotwerbung und sonstiges Sponsoring durchzuführen.“

Das Argument der Personalgewinnung verfängt auch bei Hans Dieter Scheerer, Sprecher für Öffentlichen Personennahverkehr der FDP-Landtagsfraktion nicht. Er fände „die verstärkte Präsenz der SWEG auf Ausbildungsmessen sinnvoll. Den SWEG-Vorstandsvorsitzenden Tobias Harms würden wir in diesem Zusammenhang lieber bei Infoveranstaltungen in Schulen als im Anzug auf dem Stadionrasen sehen.“

Vorgang aus den 90ern kaum vergleichbar

Es ist nicht das erste Mal, dass die SWEG im Zusammenhang mit ihren Verbindungen zum Fußball im Land in die Schlagzeilen gerät, auch wenn der knapp 30 Jahre zurückliegende Vorgang eine ganz andere Dimension erreichte. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre hatte der damalige SWEG-Aufsichtsratschef und Landesverkehrsminister Hermann Schaufler (CDU) Mittel der SWEG in Richtung des SSV Reutlingen geschleust, wo er als Präsident amtierte. Schaufler trat von allen Ämtern zurück, das Offenburger Landgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.