Karsten Wirth von Zweirat bei der Radsternfahrt im Jahr 2025. Er wünscht sich Sofortmaßnahmen, die den Radverkehr verbessern. Foto: Max Kovalenko

Das alternative Radforum Zweirat sieht die Überarbeitung des Radverkehrskonzepts skeptisch. Statt konkreter Pläne komme alles auf den Prüfstand, kritisiert Vorsitzender Karsten Wirth.

Mit einer Auftaktveranstaltung im Rathaus hat die Stadt Stuttgart am 30. April die Überarbeitung des 17 Jahre alten Radverkehrskonzepts gestartet. Die Stadt begründet die Maßnahme mit veralteten Standards und neuen Regelwerken – etwa durch die StVO-Novelle. Noch bis zum 5. Juni können Bürger ihre Ideen und Vorschläge einbringen. Doch statt Zustimmung für den Prozess erntet die Verwaltung Kritik. Zweirat, das alternative Radforum für Stuttgart, bemängelt vor allem die Aussage von Stephan Oehler, Leiter der Abteilung Verkehrsplanung, dass alles auf den Prüfstand komme. „Wir befürchten, dass das neue Konzept erst einmal den Ausbau des Radverkehrs verlangsamen wird“, sagt Karsten Wirth von Zweirat Stuttgart.

 

Stadt wird beschlossene Ziele verfehlen

Das Radforum reagiert damit auch auf das bereits absehbare Scheitern des 2019 vom Gemeinderat beschlossenen Ziels, bis 2030 einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent zu erreichen und Stuttgart zu einer Fahrradstadt zu machen. Die aktuelle Prognose liegt bei nur zehn Prozent. Wirth kritisiert, dass Bürgerbeteiligung in Stuttgart oft dann starte, wenn längst genug Informationen vorlägen. „Dann wird ein bestehender Konsens neu verhandelt – und am Ende sind wieder zehn Jahre vergangen“, sagt er.

„2030 ist nicht irgendwann, sondern inzwischen kurzfristig“, sagt Wirth, der sich Sofortmaßnahmen wünschen würde, die „tatsächlich Wirkung entfalten“, und einen Plan, der zur Zielgröße passt. Mit dem neuen Radkonzept sei das Ziel nicht zu erreichen. „Dabei sind die Schwachstellen des derzeitigen Radwegenetzes hinreichend dokumentiert, etwa durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.“

Statt einer erneuten Diskussion hätte sich der Verein einen konkreten Vorschlag für ein Radnetz 2.0 gewünscht. Trotzdem sehe man in der Bürgerbeteiligung eine Chance, um den hohen Bedarf für gute Radinfrastruktur und die Dringlichkeit der Umsetzung deutlich zu machen. Der Verein Zweirat rufe daher über seine Kanäle zur Teilnahme auf, ebenso der ADFC Stuttgart, sagt Wirth, der hofft, dass der motorisierte Individualverkehr in der Innenstadt zugunsten einer fairen Flächenverteilung deutlich reduziert werde. „Er ist nur eine Belastung für alle.“