Es läuft nach wie vor nicht rund mit Go-Ahead auf der Remsbahn. Foto: Gottfried Stoppel

Der Landrat appelliert an den Verkehrsminister Winfried Hermann, die Kapazitäten auf der Remsbahn aufzustocken und Fahrgäste von Go-Ahead entschädigen zu lassen.

Rems-Murr-Kreis - Heute hat es Go-Ahead wieder geschafft, seine Fahrgäste zweimal am Tag zu ärgern!“ In einem Brief an unsere Zeitung macht Jürgen Körner seinem Unmut über die Zustände auf der Zugstrecke zwischen Urbach und Stuttgart Luft. Sowohl auf der Hinfahrt um 6.09 Uhr als auch bei der Rückreise um 15.47 Uhr seien lediglich dreiteilige Triebwagen eingesetzt worden, „was eindeutig zu wenig ist für das Fahrgastaufkommen in diesen Zügen“ – der Berufspendler hat seine Aussage eindrucksvoll mit Handyfotos dokumentiert. Und noch etwas anderes untermauert den Eindruck zu geringer Kapazitäten: Auf der Fahrt von Stuttgart nach Aalen sei an den Bahnhöfen dazu aufgefordert worden, nicht in den Zug einzusteigen, sondern stattdessen die S-Bahn zu benutzen. „Vom Fahrkomfort in unserem modernen Nahverkehr, der uns mit der Übernahme durch Go-Ahead versprochen wurde, mal ganz zu schweigen.“

Landrat: Leidgeprüfte Fahrgäste entschädigen

Jürgen Körners Erlebnisse mit dem neuen Zugbetreiber auf der Remsbahn sind beileibe kein Einzelfall. Immer wieder berichten Fahrgäste über drangvolle Enge, Ausfälle oder Verspätungen. Anfang November vergangenen Jahres hatte sich deshalb auch der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages mit der Situation befasst. Vertreter von Go-Ahead und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) begründeten den holprigen Start vor dem Gremium unter anderem mit technischen Problemen bei den nagelneuen, noch nicht ausreichend getesteten Fahrzeugen des Schweizer Herstellers Stadler und versprachen Abhilfe und Besserung.

Davon kann nach Ansicht des Rems-Murr-Landrats aber nicht die Rede sein: „Zwischenzeitlich sind wir im neuen Jahr angelangt und die Kritik und die Frustration der Fahrgäste an den noch immer nicht abgestellten unhaltbaren Zuständen hat sich nicht spürbar geändert“, befindet Richard Sigel. Mit seiner Kritik hat sich der Kreisverwaltungschef deshalb an den Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gewandt und ihn aufgefordert, auf Einhaltung des mit dem Land geschlossenen Verkehrsvertrags zu pochen – und die „seit Jahren leidgeprüften Fahrgäste auf der Remsbahn großzügig für die Schlecht- beziehungsweise Nicht-Leistungen von Go-Ahead entschädigen zu lassen“. Außerdem sollte ein Teil jener Doppelstockzüge mit einem höheren Sitzplatzvolumen, die dem Vernehmen nach auf der Orderliste des Landes stünden, „dringend auch auf der Remsbahn, einer der in Baden-Württemberg am stärksten frequentierten Regionalstrecken, eingesetzt werden“, so Sigel.

Siegfried Lorek: Wer billig kauft, kauft doppelt

Dass diese bis zu 220 Doppelstockwagen nun neu beschafft und finanziert werden müssten, ist nach Einschätzung des Winnender CDU-Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek indes das Ergebnis einer verfehlten Gesamtkalkulation des Grünen-Ministers. „Wer billig kauft, kauft doppelt“, lautet Loreks Gleichung dazu. Hermann habe schon in der vergangenen Legislaturperiode auf Doppelstockwagen verzichtet, „um die Kosten zu drücken und einen niedrigen Preis pro Zugkilometer präsentieren zu können“, so Lorek. „Die Suppe für diese verfehlten Planungen müssen jetzt die Pendlerinnen und Pendler auslöffeln.“

Diese, wie Jürgen Körner, haben keine Lust mehr dazu. Alle Erklärungen, regelmäßige Rapporte und Task-Forces hätten rein gar nichts gebracht, meint der frustrierte Zugfahrer. Nach knapp einem Jahr Go-Ahead auf der Remsbahn, das von „Pleiten, Pech und Pannen geprägt war“, sei es vielmehr „längst Zeit für eine finanzielle Entschädigung!“

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