„Die Stimmung ist überragend“, jubeln Volunteers in der Stuttgart Arena – das Essen allerdings trübt die Freude von vielen Helfern. Was die Uefa ihnen als Tagesration einpackt, sei unzureichend, hört man. Kritik übt auch eine Ernährungswissenschaftlerin.
Volunteers und Dienstleister der Uefa, die in der Stuttgart Arena arbeiten, haben sich an unsere Redaktion gewandt, weil sie die Verpflegung im Stadion für unzureichend halten. „An jedem Spieltag bekommen wir lädschige und recht lappige Brötchen“, berichtet einer der Helfer. Die Konsistenz der hellen Weizenmehl-Wecken sei „gummiartig“, sagt er, und überhaupt sei der „ernährungsphysiologische Wert ein Desaster“.
Volunteers fragen: Warum gibt es keine Feldküche?
Der Unmut über die Verpflegung in der Arena ist groß. „Was in den Lunchpaketen steckt, macht nicht satt“, klagt ein Helfer, der sich deshalb an einem der Gastrostände stets etwas kauft, um doch noch was Warmes zu essen, etwa eine Rote Wurst. Schon bei etlichen Großveranstaltungen des Sports habe er mitgearbeitet, bei anderen Turnieren sei es üblich, „dass eine Feldküche mit warmen Speisen aufgebaut wird“.
Am vergangenen Sonntag bestand die Essenstüte – davon haben uns die Stadion-Volunteers, die anonym bleiben wollen, Fotobeweise zugeschickt – aus folgenden Zutaten: Zwei Weizenmehl-Brötchen, eine Halbliter-Flasche Sprudel, ein Apfel, eine Tüte Peanuts, ein Becher Cous Cous, ein Schokoriegel – damit sollen sie durch einen ganzen Tag durchkommen.
Besser als die Uefa versorgt die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart ihre 400 Volunteers in den vier Fanzonen der Innenstadt. „Bei uns bekommen alle Helferinnen und Helfer jeweils einen Gastro-Gutschein in Höhe von 20 Euro und können sich damit selbst was an den Ständen kaufen, was ihnen schmeckt“, sagt Sprecher Jörg Klopfer.
Zu der Kritik an der Verpflegung im Stadion hat sich das Media-Team der Uefa auf unsere Anfrage schriftlich geäußert: „Wir stellen in jedem Stadion an den Spieltagen Lunchpakete sowie warme Mahlzeiten an allen Nicht-Spieltagen für die Mitarbeitenden und Volunteers bereit. Die meisten Rückmeldungen bestätigen, dass die Mahlzeiten von guter Qualität und in beträchtlicher Menge sind. Polizei und Ordner sind an diesem Programm nicht beteiligt.“
Unverständlich für die ehrenamtlichen und bezahlten Dienstleister der Uefa ist außerdem, dass trotz aller Bekenntnisse zu einer nachhaltigen Europameisterschaft jedes Brötchen in umweltfeindlichem Kunststoff verpackt ist. Warme Essen gibt es dagegen bei den Helferteams von Feuerwehr, THW und DLRG – von dort hört man keine Klagen über die Verpflegung, ganz im Gegenteil, dort wird die Küche gelobt.
Polizeipräsident Markus Eisenbraun weist die Kritik der Polizeigewerkschaft an der Einsatzversorgung der Beamten „entschieden“ zurück. „Wir haben festgestellt, dass wir an der ein oder anderen Stelle nachsteuern dürfen“, erklärt er und verweist darauf, dass sich das Polizeipräsidium „in einer der schwersten Stunden seiner Geschichte“ befinde, weil ein hochgeschätzter Kollege beim EM-Einsatz ums Leben kam.
Was eine Ernährungsberaterin zu den Lunchpaketen sagt
Das kritisierte Uefa-Essen hat auch gar nichts mit der Polizeiverpflegung zu tun. Wir haben die Ernährungswissenschaftlerin Julia Negassa gefragt, was sie von den Lunchpaketen der Uefa hält. Sie versteht einerseits, dass nicht alle Volunteers gleichzeitig zum warmen Essen gebeten werden: „Das muss ja in den Arbeitsplan passen, und an einem Spieltag gibt es viel zu tun.“
Doch andererseits ist Julia Negassa mit dem, was die Uefa in die Tüten packen lässt, nur teilweise zufrieden. „Das Essen müsste nahrhafter und ausgewogener sein“, sagt sie. Wenigstens gebe es auch vegane und vegetarische Kost. Statt den hellen Brötchen seien Vollkornalternativen besser, weil damit die Nährwerte höher seien. Außerdem plädiert sie für ungesalzene Nüsse und Müsliriegel ohne Zuckerzusatz. Eine Halbliter-Wasserflasche reiche für einen ganzen Tag nicht. Alle Volunteers können sich aber mit Flaschen aus den Kühlschränken bedienen.