Der knappe Wohnraum in Stuttgart hat zu einem hohen Anstieg der Bestandsmieten gesorgt. Foto: picture alliance/dpa/Paul Zinken

Haus und Grund passt das Ergebnis der Stichprobenerhebung nicht. Die Zahlen sprechen aber dagegen.

Stuttgart gehört nachweislich zu den Städten mit den höchsten Mieten – aber auch mit den höchsten Einkommen, was freilich jenen nicht hilft, die mehr als ein Drittel ihres Einkommens für eine Wohnung ausgeben müssen. Lebten sie im Eigentum, hätten sie diese Sorgen nicht, könnten sich sogar freuen, dass ihre Immobilie annähernd doppelt so viel wert ist wie vor zehn Jahren. Mieter stellen dagegen fest, dass sich die Wohnkosten in diesem Zeitraum um fast 50 Prozent erhöht haben. Abgebildet wird das mit der ortsüblichen Vergleichsmiete im Mietspiegel, die seit 2014 nur Erhöhungen von rund sieben Prozent kennt. Das ärgerte den Mieterverein, der den befragten Personenkreis kritisierte, aber das Instrument zur Klärung von Streitigkeiten stets für so wichtig erachtete, dass er das Machwerk regelmäßig anerkannte.

 

Endlich eine breitere Datenbasis

Der Verein Haus und Grund tickt anders. Weil zum ersten Mal – und nach Ansicht der Experten wohl auch nur einmalig – die Steigerungsrate mit einem Prozent deutlich unter der Inflationsrate und der Nettomietenentwicklung liegt, lehnt er den neuen Mietspiegel ab und fordert die Abschaffung von Gesetzen, die die schlimmsten Auswüchse verhindern. Dabei ist offensichtlich, dass für die geringe Steigerung eine größere und damit bessere Datengrundlage verantwortlich ist. „Endlich“ muss man sagen, sind durch die Gesetzesreform nicht mehr die Antworten jener befragten Bürger übergewichtet, die besonders gebildet sind und folglich in teureren Wohnungen leben. Nun werden auch viel mehr günstige Mieten berücksichtigt, weil offenbar auch ärmere Auserwählte per Bußgeldandrohung dazu gebracht werden, das Formular auszufüllen. Gegen eine ausgewogene Betrachtung dürfte eigentlich nichts einzuwenden sein.

Viele Vermieter sind sozial eingestellt

Haus und Grund muss sich für das mickrige Prozent wohl auch bei seinen Mitgliedern „bedanken“. Denn viele Vermieter dürften infolge der explodierten Betriebskosten aus Rücksicht auf ihre Mieter von Erhöhungen abgesehen haben – sofern sie überhaupt die ortsübliche Vergleichsmiete anstreben. Das ist doch eine gute Nachricht.