Mehr als 20 Zentimeter Schnee verwandelten die Straßen vielerorts in eine Rutschpartie. Foto: Philipp Weingand

Der Schneefall vergangene Woche legte vielerorts den Alltag lahm. Das sagt mehr über fehlende Vorbereitung als über extremes Wetter, findet unsere Autorin Marie Part.

Als starker Schneefall die Straßen im Rems-Murr-Kreis vergangene Woche in einen Hindernisparcours verwandelte und sich Autounfälle häuften, ging für viele nichts mehr. So manche Bahn stellte zeitweise den Betrieb ein, Autos kamen nicht voran – ein Schneepflug wurde sogar selbst in einen Unfall verwickelt. Es war kein Jahrhundertereignis. Und doch reichte es, um den Alltag aus dem Takt zu bringen.

 

Das Wetter hat gezeigt, wie wenig vorbereitet viele von uns sind. Wenn Straßen blockiert sind, der Winterdienst nicht durchkommt und die Schule plötzlich schließt, kommen wir schnell an unsere Grenzen. Nicht, weil Einsatzkräfte schlecht vorbereitet wären – sondern weil Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienste Zeit brauchen. Zeit, die man überbrücken können muss.

Schneechaos zeigt Vorsorgeproblem

Das Durcheinander, in das der Schnee den Landkreis stürzte, war weniger ein Winterproblem als ein Vorsorgeproblem. Denn Krisenvorsorge beginnt nicht erst bei Hochwasser oder Bränden. Sie beginnt bei Ereignissen, die so alltäglich sind wie der Winter – und die wiederkehren.

Dass Vorsorge erlernbar ist, zeigt ein Blick nach Winnenden. Am Georg-Büchner-Gymnasium lernen Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft der Malteser, was es bedeutet, auf Krisen vorbereitet zu sein: Sie packen Notrucksäcke, planen Vorräte, treffen Entscheidungen unter Zeitdruck. Ohne Alarmismus, aber mit Realitätssinn. Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Doch es dürfte wohl allen klar sein, dass die Jugend die Last der Vorbereitung auf kommende Krisen nicht alleine tragen kann. Konkret heißt das, jeder sollte für sich vorsorgen, dass das Essen im Vorratsschrank im Ernstfall eine Zeit lang ausreicht. Gültige Ausweisdokumente, eine Taschenlampe und notwendige Medikamente parat zu haben, wäre auch nicht schlecht.

Vorsorge ist auch Privatsache

Der Staat, Kommunen und Hilfsorganisationen tragen Verantwortung – ohne Frage. Aber sie können nicht überall gleichzeitig helfen. Vorsorge ist deshalb die Aufgabe jedes Einzelnen. Wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern entlastet im Ernstfall auch andere.

Der Schneefall im Rems-Murr-Kreis war jedenfalls eine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, dass Krisen nicht immer spektakulär beginnen. Manchmal reichen 20 Zentimeter Schnee, um alles aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und dann sollten wir vorbereitet sein.