Kriseninterventionsteam der Johanniter in Stuttgart Manchmal genügt es, einfach da zu sein

Von Georg Linsenmann 

Bei der Feier wurden erstmals auch  Aktive geehrt: Herbert Grässer, Martin Merz (Leiter), Ralf Oberfell und Andreas Riechert (von links). Foto: Georg Linsenmann
Bei der Feier wurden erstmals auch Aktive geehrt: Herbert Grässer, Martin Merz (Leiter), Ralf Oberfell und Andreas Riechert (von links). Foto: Georg Linsenmann

Das Kriseninterventionsteam der Johanniter hat in der Zehntscheuer in Stuttgart-Zuffenhausen das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Zuffenhausen - Der Fall war klar, zu ermitteln gab es für die Hauptkommissarin also nichts an diesem Abend. Dass Astrid Fünderich ihre Prominenz als TV-Kommissarin der „SOKO-Stuttgart“ in den Dienst des Johanniter-Kriseninterventionsteams stellte, das unterstrich aber auch bei der Jubiläumsfeier die Bedeutung dieses ehrenamtlichen psychologischen Hilfsdienstes unterm Dach der Johanniter, der vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde. Ein Engagement, für das Bürgermeister Martin Schairer im Namen der Stadt dankte. „Dieses Angebot ist fest verankert in der psychologischen Notfallversorgung“, wofür er den Johannitern im Namen der Stadt dankte.

In seiner Begrüßung sagte Martin Merz, der Leiter des Stuttgarter Kriseninterventionsteams, was der Kern dieses Dienstes ist. „Menschen in ihren schwersten Stunden beizustehen“. Dazu wurden die aktuell elf Mitglieder des Kriseninterventionsteams allein im vergangenen Jahr rund 400 Mal gerufen.

Das Unfassbare fassbar machen

Mit Thomas Pfisterer und Herbert Grässer beschrieben zwei Aktive, wie sich das im Alltag darstellt. Etwa nach einem tödlichen Verkehrsunfall, wenn Polizeibeamte Angehörigen die Todesnachricht überbringen müssen. „Wenn sie wieder weg sind, dann beginnt unsere Betreuungsaufgabe“, sagte Pfisterer. Es gehe dabei nicht zuletzt darum, „das Unfassbare fassbar zu machen“. Ein gutes Zeichen, „dass Betroffene Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, kann schon sein, wenn uns ein Glas Wasser angeboten wird“. Manchmal genüge es auch, „nur anwesend zu sein und das Gefühl zu vermitteln, dass mir jemand Halt gibt“.

Herbert Grässer wiederum schilderte eine Reanimationssituation. „Es ging darum, zusammen mit der Ehefrau die Ungewissheit und Angst auszuhalten.“ Weg gehe man erst, „wenn man weiß, dass das soziale Netzwerk der Betroffenen, also Verwandte, Nachbarn, Freunde, aktiviert ist“.

Wie wichtig eine starke Struktur des sozialen Notfalldienstes im großen Rahmen sein kann, beschrieb Dominik Hinzmann aus München. Der Arzt hatte das dortige Kriseninterventionsteam geleitet, als die Landeshauptstadt durch einen Amoklauf in einem Einkaufszentrum im vergangenen Jahr in Terrorangst versetzt worden war. „Dass das Netzwerk der Helfer funktioniert hat“, das habe „die Lage massiv entspannt“. Dazu passte dann auch, dass im Rahmen der Feier erstmals Aktive geehrt wurden: Herbert Grässer, Ralf Oberfell, Andreas Riechert und Martin Merz. Dem Leiter bescheinigte dabei Thomas Hanisch, der in den Landesvorstand aufrückt: „Sie führen eine klasse Truppe, auf die sie stolz sein können.“

Redaktion Zuffenhausen

Ansprechpartner
Bernd Zeyer
zuffenhausen@stz.zgs.de

Lesen Sie jetzt