Gerüchte gehen um: Aber AfD-Chef Bernd Lucke dementiert Austrittsabsichten. Foto: dpa

Die Rechten in der AfD sind alarmiert. Sie wissen: Wenn der ungeliebte Vorsitzende von der Fahne geht, steht das ganze Projekt AfD vor dem Aus. Also wirbt man um seinen Verbleib.

Berlin - Auch der Erfolg bei den Bremer Wahlen, wo die Partei am Sonntag den Einzug ins Landesparlament geschafft hat, führt gestern nicht zu einer Beruhigung des erbitterten Machtkampfes innerhalb der AfD. Im Gegenteil. AfD-Sprecher Konrad Adam streute gezielt Gerüchte, der umstrittene Parteivorsitzende Bernd Lucke wolle die Partei verlassen und strebe eine Neugründung an. Lucke hat das umgehend dementiert.

Hintergrund ist der lange schwelende Streit um die inhaltliche Ausrichtung der Partei. Während Lucke die Partei der Euro-Skeptiker auf eine bürgerlich-liberale Linie verpflichten will, gibt es sehr einflussreiche Strömungen, vor allem in Ostdeutschland, die auf ein nationalkonservatives Profil dringen.

Aufgeschreckt von den Gerüchten um eine Spaltung der Partei meldete sich gestern der rechte Parteiflügel mit Appellen zur Einheit zu Wort. Alexander Gauland, einer von Luckes Stellvertretern und selbst Repräsentant des rechten Parteiflügels, sagte unserer Zeitung: „Ich will die Trennung nicht. Die AfD kann nur mit beiden Flügeln segeln. Ohne den liberalen Teil kommen wir nicht in den Bundestag. Ohne den nationalkonsdervativen Teil genau so wenig.“ Gauland warb überraschenderweise ausdrücklich für einen Verbleib Luckes in der AfD-Spitze. „Sowohl Bernd Lucke als auch der nationalkonservative Flügel sollten in der künftigen Führung vertreten sein. Sonst verlieren wir zwangsläufig die Mitglieder, die sich in der neuen Mannschaft nicht vertreten sehen. Luckes Aufgabe ist die Integration. Er muss sich mit einer erweiterten Themenpalette anfreunden.“

Gauland stellte aber auch klar, dass er mit Luckes liberalen Kurs nicht einverstanden ist. „Wir müssen Themen wie Innere Sicherheit, Polizeipräsenz, Abschiebung abgelehnter Asylsuchender und eine gesteuerte Zuwanderung ansprechen. Wenn das bei kleinen Leuten ankommt, kann man uns nicht vorwerfen. Im Gegenteil“, sagte Gauland, der auch Chef des Landesverbandes Brandenburg ist. Auch Luckes Co-Vorsitzende, die sächsische Parteichefin Frauke Petry, mahnte zum Zusammenhalt. „Man muss miteinander reden, nicht spekulieren.“

Tatsächlich würde ein Parteiaustritt Luckes vermutlich das Ende der AfD bedeuten. Aus der Luft gegriffen sind die Gerüchte sicher nicht. Der Parteichef ist aber zögerlich. Offensichtlich hat er sich vorerst zum Verbleib in der AfD entschlossen, sucht aber mit aller Macht die endgültige Abrechnung mit den Parteirechten. Eigentlich hatte er zu diesem Zweck die Parteibasis per Mitgliederentscheid abstimmen lassen wollen. Dieses wurde im letzten Moment von der Vorstandsmehrheit abgeblockt.

Nun plant Lucke offenbar, die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern öffentlich zu führen. Die Rede ist von einer für den kommenden Montag geplanten Pressekonferenz, gemeinsam mit dem in der vergangenen Woche von seinen Vorstandsposten zurückgetretenen Hans-Olaf Henkel. Dort wolle er öffentlich den Generalangriff auf die Nationalkonservativen führen.

Dabei ist es aber zweifelhaft, ob dieser Weg Erfolg versprechend sein kann. Henkel ist in der Partei nicht mehr beliebt. Und Luckes Gegner knüpfen systematisch Netzwerke, um auf dem Bundesparteitag in Kassel den inhaltlichen Kurs der Parte in ihrem Sinne beeinflussen zu können. So ist in der AfD genau registriert worden, dass die Sächsin Frauke Petry am vergangenen Wochenende als Versammlungsleiterin beim Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen auftrat. Der Parteitag endete – symptomatisch für den Zustand der AfD – im Chaos. Auf der Tagesordnung stand die Wahl der Delegierten für den Bundesparteitag. Eigentlich stellt NRW die meisten Delegierten. Am Samstag konnten aber nur 20 gewählt werden, weil beide Lager die Kandidaten der jeweils anderen Seite blockierten. Sonntags wurde der Parteitag dann, anders als eigentlich im Programm ausgeschrieben, in der Düsseldorfer Parteizentrale fortgesetzt. Juristische Nachspiele werden erwartet.

Lucke selbst scheint dagegen innerparteilich weiter an Boden zu verlieren. Er stützt sich vor allem auf die Gruppe der AfD-Euopa-Abgeordneten, die bis auf zwei hinter ihm stehen. In dieser Situation hat er sich nun erneut in einer Rundmail an die Parteibasis gewandt. Darin heißt es: „Es gibt Spannungen und Probleme in der Partei, die ein Umsteuern erfordern, sonst scheitert die AfD.“ Ein Teil der Partei sei „zunehmend besorgt, weil die Mitgliedschaft in der AfD immer öfter von Arbeitgebern missbilligt wird, weil sie zu beruflichen Nachteilen führt, weil Kunden verloren gehen und weil man sich sozial ins Abseits gerückt sieht, wenn man merkt, dass Freunde und Bekannte, ja manchmal sogar Familienmitglieder auf Distanz gehen.“

Noch wird damit gerechnet, dass Lucke beim Bundesparteitag im Juni den Vorsitz verteidigen kann. Die Frage ist nur, was ihm das nützt. Ziemlich sicher dürfte er in diesem Fall im Vorstand von Gegnern seines Kurses umzingelt werden. Spätestens dann wird sich die Frage einer Spaltung der AfD mit neuer Wucht stellen.

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