Der freigestellte Wasen-Chef Marcus Christen schweigt bisher zu den Vorfällen. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko/Andreas Rosar

Die Nachricht kam überraschend – und sorgt für Wirbel. In die Freistellung von Wasen-Chef Marcus Christen war offenbar auch die Rathausspitze involviert. Was bisher bekannt ist.

Eine gewichtige Stimme aus dem Volksfest-Umfeld sagt, für ihn sei Marcus Christen immer der „Captain Jack Sparrow des Wasens“ gewesen – einer, der „alles überlebt“, der jedes Unwetter übersteht, egal, was passiert, egal, was man ihm vorwirft. Seit 20 Jahren lodert das Thema Platzvergabe rund um Volks- und Frühlingsfest. Doch hat Jack Sparrow diesmal verloren? Zumindest hat die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart Marcus Christen als Abteilungsleiter für die Feste und den Cannstatter Wasen ab sofort freigestellt.

 

In der Branche sind Gerüchte über mögliche Mauscheleien bei der Vergabe von Standplätzen oder Aufträgen im Umfeld des Cannstatter Volksfests oder des Weihnachtsmarkts nicht neu. Immer wieder hörte man davon. Stefanie Hirrle, die Unternehmenssprecherin von in.Stuttgart, will auf unsere Nachfrage weder bestätigen noch dementieren, dass sich die aktuellen Vorwürfe gegen den freigestellten Christen auf das Thema Platzvergabe beziehen.

Andreas Kroll bleibt bis März 2026 Chef von in.Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

Rathausspitze war in die Entscheidung eingebunden

Nur in einem Satz beantwortet Hirrle mehrere Fragen, die unsere Zeitung schriftlich zu der überraschenden Personalie gestellt hat: „Wir bestätigen, dass Marcus Christen freigestellt wurde, weil Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden, die uns dazu veranlasst haben, ihn freizustellen, bis die Vorwürfe aufgeklärt sind.“ Weitere Details nennt sie nicht und bittet um Verständnis, dass sie nicht mehr sagen könne.

So viel steht fest: In die Entscheidung gegen Marcus Christen war die Rathausspitze eingebunden, also Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU). Auch aus dem Rathaus ist nichts zu den Gründen der Freistellung zu erfahren.

Nach Informationen unserer Zeitung soll nun intern geprüft werden, ob Christen in eigener Sache Vorteile erhalten oder seiner eigenen Firma Aufträge zugeschustert haben könnte. Der 55-Jährige hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte er keine Stellung nehmen.

Immer wieder wurden Christen Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt

Marcus Christen gilt als eine der prägenden Figuren des Stuttgarter Veranstaltungsgeschäfts. Seit vielen Jahren ist er bei in.Stuttgart tätig und verantwortet neben dem Volks- und Frühlingsfest auch den Weihnachtsmarkt. Ambitionen auf den Chefposten wurden ihm immer wieder nachgesagt. Doch die Verantwortlichen wollten ihn nicht zum Nachfolger von Geschäftsführer Andreas Kroll machen, der seinen Ruhestand wohl deshalb verschoben hat. Bis März 2026 leitet Kroll noch die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Am Ende seiner aktiven Laufbahn steht für ihn womöglich die größte Herausforderung des Unternehmens bevor: Was hat sich Marcus Christen zuschulden kommen lassen? Der Weihnachtsmarkt steht bevor. Wer soll nun die Geschicke leiten?

Weil es keine offiziellen Erklärungen gibt, schießen Spekulationen ins Kraut

Seit einiger Zeit geriet Christen zunehmend in die Kritik, etwa wegen des Hickhacks um die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkts. Auch dass der traditionelle Weihnachtsbaum am vergangenen Freitag vor dem Königsbau auf dem Schlossplatz nicht aufgestellt werden konnte, weil der Termin nicht mit den Machern von „Stuttgart leuchtet“ abgestimmt war, wurde ihm angelastet. Doch dies allein dürften nicht die Gründe für seine sofortige Freistellung sein.

Solange es keine offiziellen Erklärungen gibt, schießen nun die Spekulationen ins Kraut. Ob die laufenden Prüfungen tatsächlich zu Konsequenzen führen – oder sich die Vorwürfe als haltlos erweisen –, ist derzeit völlig offen.