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Die Polizei hat kriminelle Rockerbanden im Visier. Ihnen das Handwerk zu legen, ist schwer.

Berlin - Berlin, Kiel, Köln - und immer wieder Hannover: In vielen deutschen Städten stehen kriminelle Rockerbanden im Visier der Ermittler. Ihre dunklen Machenschaften, die sich nach Angaben von Experten wie ein Netz über Deutschland legen, sind nicht leicht zu durchschauen. Das macht es so schwierig, die Clubs zu verbieten. Nun werden Rufe aus Polizei und Politik laut, das Vorgehen der Behörden bundesweit zu bündeln. Etwa in Wiesbaden beim Bundeskriminalamt (BKA), schlagen Polizeigewerkschaften vor. Damit könne auch ein deutschlandweites Verbot ermöglicht werden.

Aus Wiesbaden heißt es dazu nur schlicht: „Diese Entscheidung liegt nicht bei uns.“ Gleichwohl beschäftigen sich dort schon seit Jahren Experten mit der Rockerkriminalität. Der Startschuss für konkrete Ermittlungen müsse aber vom Bundesinnenminister oder vom Generalbundesanwalt gegeben werden, sagt eine BKA-Sprecherin.

"Es geht knallhart ums Geschäft"

Entgegen früheren Auffassungen sind die Ableger der Rockerclubs - wie die der bundesweit vertretenen Hells Angels und Bandidos - bestens vernetzt. „Es geht knallhart ums Geschäft“, sagt der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz. „Dabei kennen Rocker keine Landesgrenzen.“

Zudem gibt es Hinweise auf eine Art Rocker-Chefetage, welche die Geschicke auch in anderen Bundesländern steuert. Die kriminellen Biker mit dem martialischen Auftreten kontrollieren oft das Rotlichtmilieu, handeln mit Waffen oder Drogen und setzen ihre Interessen brutal durch. Strategische Entscheidungen müssen aber wohl zentral abgenickt werden. Hells Angels und Bandidos verneinen das zwar. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass es bei beiden Gruppierungen eine übergeordnete Struktur gibt“, heißt es von Berliner Ermittlern.

Ein Indiz dafür sind die kriminellen Machenschaften der Hells Angels im Norden sowie die zentrale Rolle ihres Hannover-Bosses Frank Hanebuth. In einem Prozess in Kiel belastete nun ein Ex-Rocker den bulligen Zweimetermann schwer. Demnach soll dieser etwa den Mord an einem Türken in Kiel in Auftrag gegeben und die dortigen Geschäfte gesteuert haben. Und aus Expertenkreisen heißt es, Hanebuth habe auch zur nun verbotenen Hells Angels-Gruppe Berlin City einen heißen Draht gehabt.

Legale Geschäfte mit illegalem Geld finanziert

BKA-Chef Jörg Ziercke schätzte die Zahl krimineller Rocker unlängst auf etwa 3500. Problematisch ist dabei vor allem, dass sich die Rocker zunehmend auf legale Geschäfte konzentrieren. Finanziert seien die Firmen in der Gastronomie-, Wachschutz- oder Erotikbranche mit illegal verdientem Geld, sagt BDK-Experte Schulz. „Das erschwert es, überhaupt noch kriminelle Machenschaften nachzuweisen, die ein Vereinsverbot begründen.“

In der vergangene Woche hatte die Polizei mit einem Großaufgebot zum Schlag gegen die Rockerkriminalität in Norddeutschland ausgeholt. Am Dienstag setzte die Berliner Polizei dann wegen eines Informationslecks - möglicherweise in den eigenen Reihen - früher als geplant ein Verbot der Hells Angels durch. Verbote gab es seit Jahresbeginn auch in Kiel, Aachen und Köln.

Bei den Innenministern von Bund und Ländern scheint sich der Wind zu drehen. Hieß es zuletzt noch, ein bundesweites Verbot der Rockerclubs sei kaum durchzusetzen, erwägen die Politiker nun doch entsprechende Pläne. „Die Frage, ob wir bundesweit ein Verbot von Rockergruppen aussprechen können, hängt davon ab nachzuweisen, dass es auch bundesweite Strukturen gibt“, sagte etwa Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Nachgewiesen werden müsse auch eine gemeinsame Befehlsstruktur über Ländergrenzen hinweg. Das koordinierte Vorgehen mehrerer Länder könne sehr effizient sein.

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