Harte Strafen für jugendliche Täter? Baden-Württemberg setzt statt dessen auf soziale Bindungen oder eine Ausbildung Foto: dpa

Baden-Württemberg setzt im Umgang mit jungen Straftätern zunehmend auf Gespräche statt auf harte Strafen – und verweist auf steigende Erfolge.

Stuttgart - Baden-Württemberg setzt im Umgang mit kriminellen Jugendlichen zunehmend auf soziales Training statt auf Haft. Harte Strafen zeigten keine harte Wirkung, heißt es bei „Neustart“, der Bewährungshilfegesellschaft des Landes, mit Blick auf neue wissenschaftliche Studien.

Wichtiger als Gefängnis seien stabile soziale Bindungen, ein Job oder eine Ausbildung. „Man arbeitet bei jungen Straftätern viel mit Verantwortungsklärung, versucht Konsequenzen des Handelns aufzuzeigen, Empathie für die Opfer zu entwickeln und den Gründen für die Straftat nachzugehen“, sagte die Bewährungshelferin Claudia Schneck unserer Zeitung.

Als Erfolg wertet es „Neustart“ auch, dass die Zahl der verurteilten Jugendlichen im Land zwischen 2009 und 2013 um 15 Prozent zurückging. Dies liege auch daran, dass nicht mehr so viele kriminelle Jugendliche rückfällig geworden seien. Mehr als 90 Prozent aller jugendlicher Straftäter gelinge mit dem Erwachsenwerden der Weg aus der Kriminalität.

Soziales Training statt Strafe lautet offenbar auch das Motto des Landes beim sogenannten Jugendarrest. Diese bis zu vier Wochen dauernde Maßnahme wird dann verhängt, wenn Erziehungsmaßregeln (etwa Arbeitsleistungen) nicht ausreichen, eine Jugendstrafe (also Gefängnis) aber als zu hart empfunden wird. Wie die „Südwest Presse“ berichtet, soll im Zentrum des Jugendarrests künftig die pädagogische Förderung stehen. Auf repressiv wirkende Maßnahmen wolle das Land verzichten. Dies sehe ein Gesetzentwurf von Justizminister Rainer Stickelberger vor.

Mit Göppingen und Rastatt verfügt Baden-Württemberg derzeit über zwei Arrestanstalten mit zusammen 82 Plätzen. 2013 wurde der Jugendarrest im Land 1661 Mal vollzogen.

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