Die Zahl der Straftaten in der Stadt Esslingen ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Foto: Marijan Murat/dpa

Das Polizeirevier Esslingen nennt in der Kriminalstatistik für 2024 die Kriminal-Schwerpunkte der Stadt. Zudem zieht das Ordnungsamt Bilanz – und bewertet die mobile Wache am Bahnhof.

Mehr Wohnungseinbrüche, mehr Vermögens- und Fälschungsdelikte und mehr Straftaten gegen das Leben, aber weniger Körperverletzungen, weniger häusliche Gewalt und weniger Rauschgiftkriminalität: So lässt sich die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 in der Stadt Esslingen zusammenfassen. Insgesamt wurden etwas weniger Straftaten registriert als im Jahr zuvor – und auch weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

 

So hat das Polizeirevier Esslingen im vergangenen Jahr insgesamt 4488 Straftaten in der Stadt dokumentiert, wie der Leiter des Reviers Rochus Denzel in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses berichtete. Im Jahr 2023 waren es 4507 – durchschnittlich wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 4563 Straftaten pro Jahr in Esslingen gezählt. Dabei gab es bestimmte Schwerpunkte in der Stadt: So wurden etwa in der Innenstadt, in Oberesslingen, in der Pliensauvorstadt und in Zell besonders viele Straftaten verübt.

Zahl der Tötungen in Esslingen steigt im Jahr 2024

Auffällig ist laut Denzel zudem der Anstieg der Straftaten in bestimmten Bereichen, etwa der Straftaten gegen das Leben, zu denen Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung zählen. In diesem Bereich stieg die Zahl der Fälle im Jahr 2024 um 200 Prozent, nämlich von zwei auf sechs Fälle. Auch die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte, zu denen etwa Diebstahl, Betrug, Untreue oder Dokumentenfälschung gehören, ist gestiegen, und zwar von 730 auf 847, also um 16 Prozent. Zudem gab es mit insgesamt 50 Fällen etwas mehr sogenannte Wohnungseinbruchsdiebstähle als 2023 (47).

Zugleich sei aber die Zahl der Körperverletzungen in Esslingen um gut zehn Prozent zurückgegangen, berichtet Denzel: von 702 Fällen im Jahr 2023 auf 630 Fälle im vergangenen Jahr. Ebenso die der häuslichen Gewalt: Wurden 2023 insgesamt 146 Fälle registriert, waren es 2024 noch 117, das sind fast 20 Prozent weniger. Dass die Rauschgiftkriminalität deutlich sank, sei hingegen keine Überraschung, so Denzel. Der Rückgang von 215 auf 131 Fälle, also um 39 Prozent, hänge klar mit der Teillegalisierung von Cannabis zusammen, die im April 2024 in Kraft trat.

Was bringt die mobile Wache in Esslingen?

Vor allem der Rückgang der Körperverletzungsdelikte gibt laut Denzel Grund zur Hoffnung, dass sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verbessert. Denn gerade Gewalttaten im öffentlichen Raum könnten die Bevölkerung im Zweifelsfall komplett verunsichern. Laut Brigitte Länge, Leiterin des Esslinger Ordnungsamtes, dürfte auch die im vergangenen Jahr neu platzierte mobile Wache am Bahnhofsplatz das Sicherheitsgefühl gestärkt haben.

Denn genau das sei das Ziel der mobilen Wache, die im April 2024 eingerichtet wurde. Konkret zeigte der Städtische Vollzugsdienst im Sommer rund um den Bahnhof vor allem donnerstags, freitags und samstags vom Nachmittag an bis in den Abend und die Nacht hinein laut Länge stärker Präsenz und war ständig mit mindestens einer Doppelstreife vor Ort.

Höchst tragisch war das Verbrechen, das 2024 am Esslinger Kronenhof verübt wurde: Ein Mieter legte Feuer im Haus, tötete den Sohn des Vermieters und sich selbst. Foto: Ines Rudel

Aufgrund von Personalmangel habe man zwar nur 105 statt der geplanten 155 Einsatztage stemmen können, habe aber insgesamt 535 Ordnungswidrigkeiten festgestellt und geahndet und 475 Bürgeranliegen aufgenommen und bearbeitet, berichtete Brigitte Länge im Verwaltungsausschuss. Zudem habe es 30 sogenannte besondere Vorkommnisse gegeben, bei 19 davon hätten die Mitarbeitenden des Kommunalen Ordnungsdienstes körperlichen Zwang anwenden müssen.

Mobile Wache gilt im Esslinger Rathaus als Erfolg

Nicht zuletzt die Zahlen zeigten, dass die mobile Wache ein Erfolg sei, befand Länge: „Aus unserer Sicht ist die mobile Wache eine sinnvolle Einrichtung und hat für mehr Sicherheit im Bahnhofsquartier gesorgt.“ Daher solle sie beibehalten werden. Auch der CDU-Fraktionschef Tim Hauser betonte: „Die mobile Wache ist wichtig für die Menschen in der Stadt, damit sie Ansprechpartner vor Ort haben.“ Ebenso will Hermann Beck von der Gruppe WIR/Sportplätze die Wache erhalten: „Wir sind mit der mobilen Wache einen guten Schritt gegangen.“

Andere Stadträtinnen und Stadträte hingegen betonten, dass man gleichwohl die gefühlte Sicherheit in Esslingen weiter stärken müsse. Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Wir müssen den Bürgern das Empfinden nehmen, dass es immer schlimmer wird – denn das ist ja nicht der Fall.“ Das zeigten die Zahlen der Kriminalstatistik. Insbesondere die Straße Am Kronenhof wurde von verschiedenen Seiten als Angstraum beschrieben.

Doch die Polizei machte wenig Hoffnung auf Veränderung: Der Kronenhof sei zwar sicherlich ein schwieriges Pflaster, doch es gebe dort keine Häufung von Straftaten. Deshalb habe die Polizei wenig Handhabe für Veränderungen. Ordnungsbürgermeister Yalcin Bayraktar stellte aber in Aussicht, künftig eventuell den Einsatzbereich der mobilen Wache verändern zu können.

Straftaten aus dem Ausland

Fälle
Erstmals wurden in der Kriminalstatistik auch Straftaten im Ausland erfasst, die Esslinger Einwohner schädigten. So wurden im Jahr 2024 insgesamt 781 solcher Auslandsstraftaten inklusive Tatversuche registriert. Dabei ist in der Regel unklar, wo im Ausland der Tatort liegt. In Esslingen hat es laut Polizei 2024 durch Auslandsstraftaten einen Schaden von rund 400 000 Euro und 407 Geschädigte gegeben, die Aufklärungsquote lag bei zwei Prozent. Zum Vergleich: Insgesamt lag die Aufklärungsquote in Esslingen im vergangenen Jahr bei 62,3 Prozent.

Delikte
Bei den Auslandsstraftaten handelt es sich laut Polizei in der Regel um digitale Delikte wie etwa Phishing, bei dem gefälschte E-Mails, Nachrichten oder Webseiten genutzt werden, um an private Passwörter oder Bankdaten zu kommen. Beim sogenannten Love Scamming werden die Betroffenen motiviert, fingierten Liebhabern Geld zu überweisen und beim „Whatsapp-Fraud“ sollen Eltern oder Großeltern durch gefälschte Handy-Nachrichten ihrer angeblich in Notsituationen befindlichen Kinder oder Enkel dazu gebracht werden, teils enorme Summen zu zahlen.