Die Zahl der angezeigten Wohnungseinbrüche in Backnang hat 2017 im Vergleich zum Vorjahr stark abgenommen. Foto: dpa

Die Polizei registriert 2017 in der Murrstadt insgesamt weniger Straftaten als im Vorjahr. Die Gefährdungslage sei „objektiv besser“ als von vielen Bürgern gefühlt.

Backnang - Backnang ist nicht mehr spitze im Landkreis – die Stadträte freuen sich darüber. Verkehrte Welt? Nein, die Kommune hat in Sachen Kriminalität nämlich die rote Laterne an die Stadt Fellbach abgegeben. In Backnang seien im vergangenen Jahr 6243 Straftaten je 100 000 Einwohner registriert worden, erklärte der Leiter des Polizeireviers Backnang, Jürgen Hamm, bei seiner Stippvisite im Gemeinderat. Fellbach steht nun mit 6972 Straftaten an der Spitze. In der Kreisstadt Waiblingen beträgt die sogenannte Häufigkeitszahl lediglich 4739.

Diese Werte sollten aber nicht überbewertet werden, so Hamm. Beispiel Rauschgiftkriminalität: Wenn in einer Stadt viele Drogenkonsumenten ertappt würden, dann liege das oft auch daran, dass die Beamten genauer hinguckten als anderswo. Hamm wertete die insgesamt sinkenden Zahlen allerdings auch als einen Erfolg der polizeilichen Arbeit. In Backnang seien im Vorjahr 2287 Straftaten aufgenommen worden (2016 waren es noch 2670, 2015 sogar 2860). Stark gesunken sei zum Beispiel die Zahl der angezeigten Wohnungseinbrüche, von 50 im Jahr 2016 auf nun 35. Hamm führt diese Entwicklung darauf zurück, dass die Polizei mehr Präsenz zeige – und auf besser gesicherte Türen und Fenster.

Von 1103 Tatverdächtigen seien gut 40 Prozent Nichtdeutsche

Von insgesamt 1103 Tatverdächtigen seien gut 40 Prozent Nichtdeutsche gewesen und 9,2 Prozent Flüchtlinge. Gefährliche Körperverletzung wurde in 64 Fällen angezeigt (2016: 59). Die Beamten sind 259 Mal wegen Ruhestörung alarmiert worden, Jugendliche oder junge Erwachsene waren nur bei jedem dritten Fall beteiligt.

Oberbürgermeister Frank Nopper sagte, die gesunkenen Zahlen seien zwar erfreulich, aber keinesfalls Anlass zur Zufriedenheit und zur Entwarnung. Allein durch die Verhaftung von drei polizeibekannten straffälligen Angehörigen eines Familienclans sowie von zwei weiteren Intensivtätern sei es gelungen, die Gesamtzahl der Straftaten in Backnang um mehr als 14 Prozent zu senken. Auf Initiative der Stadt sei ein Intensiv- und Wiederholungstäter nach dessen Haftentlassung abgeschoben worden. „Wir sind es der Bevölkerung schuldig, dass wir sie vor solchen Intensivtätern schützen“, sagte Nopper. Der Schultes kritisierte den „viel zu hohen“ Anteil von Flüchtlingen bei den Tatverdächtigen.

Intensivtäter nach dessen Haftentlassung abgeschoben

Ute Ulfert (CDU) sagte, die Gefährdungslage sei „objektiv besser“ als von vielen Bürgern gefühlt. Es gebe Menschen, die trauten sich nicht mehr aus ihrer Wohnung. Die Zahlen zeigten indes: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die Leiterin des Ordnungsamts, Gisela Blumer, berichtete, dass in Backnang 1999 ganz ähnliche Kriminalitätszahlen registriert worden seien wie heute. Eine Studie habe damals jedoch ergeben, dass sich die Bürger vor knapp 20 Jahren „sehr sicher“ gefühlt hätten. Hamm erklärte, diese veränderte Wahrnehmung könnte an der intensiven Berichterstattung über Straftaten in den Medien liegen.

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